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Montag, 20.08.2018
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Ältestes Plesiosaurier-Fossil entdeckt

Meeresreptilien überlebten Massenaussterben am Ende der Trias

Fossiler Rekord: Forscher haben in Nordrhein-Westfalen die bisher ältesten Überreste eines Plesiosauriers entdeckt. Der mehr als 200 Millionen Jahre alte Fund belegt, dass diese urzeitlichen Meeresreptilien die Erde schon in der Trias-Zeit bevölkerten – und das große Massenaussterben am Ende dieses Zeitalters überlebten. Womöglich verschaffte ihnen dabei die Anpassung an ein Leben im offenen Ozean den entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Lebewesen.
Fossil der neu entdeckten Plesiosaurier-Art Rhaeticosaurus mertensi

Fossil der neu entdeckten Plesiosaurier-Art Rhaeticosaurus mertensi

Sie gehörten zu den Herrschern der Meere: Während der Jura- und Kreidezeit schwammen bizarre Reptilien durch die Ozeane – darunter auch die Plesiosaurier. Mit ihren vier Flossenbeinen waren die mehrere Meter langen Verwandten der heutigen Echsen und Schlangen perfekt an das Leben im Wasser angepasst. Als Fleischfresser machten sie unter anderem Jagd auf Fische, aber auch andere Meeressaurier und dominierten die Ozeane, bis sie am Ende der Kreidezeit gemeinsam mit den Dinosauriern von der Erde verschwanden.

Wann begann der Siegeszug?


Doch wann eroberten sich diese schwimmenden Wesen die Ozeane unseres Planeten? Bislang gingen Forscher davon aus, dass die Plesiosaurier erstmals zu Beginn des Juras auftauchten – nach dem vorangegangenen großen Massenaussterben, das vor rund 200 Millionen Jahren mehr als die Hälfte aller Lebewesen auslöschte und das Zeitalter der Trias beendete. Ein neuer Fund widerlegt diese Annahme nun jedoch: Wissenschaftler um Tanja Wintrich von der Universität Bonn haben das Fossil eines Plesiosauriers entdeckt, das aus der Zeit der Obertrias stammt.

Die Forscher begutachten den Knochenfund.

Die Forscher begutachten den Knochenfund.

Die Forscher fanden die rund 201 Millionen Jahre alten Knochen der bisher unbekannten Art Rhaeticosaurus mertensi in einer Tongrube in der Nähe von Bonenburg im Kreis Höxter. Anders als spätere Plesiosaurier hatte das Tier wahrscheinlich einen eher unbeweglichen Hals. Es war zu Lebzeiten etwa 2,37 Meter lang und vermutlich noch ein Jungtier. Markante Wachstumsmarken an den Knochen legen nahe, dass der Saurier in seinem ersten Lebensjahr ungewöhnlich schnell gewachsen sein muss.


Das Team verglich diese Befunde mit Knochen anderer junger Plesiosaurier aus Jura und Kreide und stellte auch bei ihnen ähnliches fest: "Bis zur Geschlechtsreife wuchsen die Plesiosaurier offenbar sehr schnell", sagt Wintrichs Kollege Sander. Dies sei ein deutlicher Hinweis auf Warmblütigkeit und damit eine erhöhte Stoffwechselaktivität.

Vorteilhafte Anpassung


Womöglich könnten es unter anderem diese Eigenschaften gewesen sein, die den Plesiosauriern das Überleben des Massenaussterbens am Ende der Trias sicherten: Da sie ihre Körpertemperatur konstant halten konnten, konnten die Reptilien selbst in kältere Zonen des Meeres vordringen. Dies ermöglichte ihnen, weite Teile des offenen Ozeans als Lebensraum zu erobern, glauben die Wissenschaftler.

Auch der Skelettaufbau spricht ihnen zufolge dafür, dass Rhaeticosaurus mertensi bereits an das Schwimmen im offenen Meer angepasst war und sich dort effizient fortbewegen und auf Nahrungssuche gehen konnte – ein Vorteil? "Fast alle meeresbewohnenden Gruppen, die nach der Trias ausgestorben sind, lebten in Küstenregionen oder in der Nähe von Karbonatplattformen im Meer, aber nicht im offenen Ozean", konstatieren Wintrich und ihre Kollegen.


Sprung vom Trias ins Jura


Doch was auch immer der Grund war: Klar ist, dass die Plesiosaurier den Sprung vom Trias- ins Jura-Zeitalter schafften und nicht erst nach dem Massenaussterben begannen, die Erde zu bevölkern. "Die Entwicklung und Diversifikation der Meeresreptilien fand schon in der Trias-Zeit statt", schließt das Team. (Science Advances, 2017; doi: 10.1126/sciadv.1701144)
(Science Advances/ Universität Bonn, 14.12.2017 - DAL)
 
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