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Freitag, 25.05.2018
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Stottern: Stoppsignale verhindern flüssiges Sprechen

Verstärkte Faserverbindung im Gehirn hemmt Sprechprozesse

Der Ursache des Stotterns auf der Spur: Forscher haben herausgefunden, dass ein überaktives Netzwerk im vorderen Bereich des Gehirns eine wesentliche Rolle beim Stottern spielen könnte. Es hemmt die Betroffenen darin, Sprechbewegungen vorzubereiten und auszuführen, indem es eine Art Stoppsignal sendet. Als Folge gelingt das flüssige Sprechen nicht mehr.
In Deutschland stottern etwa ein Prozent der Erwachsenen.

In Deutschland stottern etwa ein Prozent der Erwachsenen.

Rund jedem hundertsten Erwachsenen und jedem zwanzigsten Kind unter zwölf Jahren gelingt nicht, was den meisten von uns selbstverständlich erscheint: flüssig zu sprechen. Stattdessen ringen sie in alltäglichen Sprechsituationen mit den Wörtern, wiederholen krampfhaft den Anfang eines Wortes wie in "G-g-g-g-g-g-guten Tag" oder bleiben an einzelnen Lauten mitten im Wort hängen, obwohl sie genau wissen, was sie sagen wollen.

Über die Ursachen dieses Stotterns ist bisher nur wenig bekannt. Frühere Studien haben zwar gezeigt, dass bei der Sprachstörung ein Ungleichgewicht zwischen der Hirnaktivität beider Hirnhälften auftritt: Eine Region im linken Stirnhirn ist viel zu schwach, die entsprechende Region in der rechten Hirnhälfte wiederum viel zu stark aktiviert.

Stotternden ins Gehirn geblickt


Wie diese veränderte Aktivität zustande kommt und was sie bewirkt, wussten Wissenschaftler bisher jedoch nicht. Um das herauszufinden, haben Nicole Neef vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und ihre Kollegen nun Erwachsenen mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) ins Gehirn geblickt, die seit ihrer Kindheit stottern.


Während der Untersuchung stellten sich die Studienteilnehmer vor, die Monatsnamen aufzuzählen. Diese Methode des imaginären Sprechens wählten die Forscher, um sicherzustellen, dass tatsächliche Sprechbewegungen die sensiblen MRT-Signale nicht stören. Dabei konnten sie per Hirnscanner auch analysieren, ob bei den stotternden Probanden von den überaktiven Regionen auf der rechten Hirnseite möglicherweise veränderte Faserverbindungen ausgehen.

Beim Stottern ist der rechte IFG überaktiv, weil die umgebenden Faserverbindungen wie der Frontale Aslant-Trakt stärker ausgebildet sind. Das hemmt den linken IFG und damit das fließende Sprechen.

Beim Stottern ist der rechte IFG überaktiv, weil die umgebenden Faserverbindungen wie der Frontale Aslant-Trakt stärker ausgebildet sind. Das hemmt den linken IFG und damit das fließende Sprechen.

Auffällige Faserbahn


Tatsächlich zeigte sich: Innerhalb des hyperaktiven rechten Netzwerks gibt es eine Faserbahn, die bei den Betroffenen deutlich stärker ausgebildet ist, als bei Teilnehmern ohne Sprechprobleme. "Je stärker der sogenannte Frontale Aslant Trakt war, desto schwerer war das Stottern ausprägt", berichtet Neef.

Aus früheren Studien ist bekannt, dass diese Verbindung eine wichtige Rolle bei der Feinabstimmung von Signalen spielt, die Bewegungen hemmen. "Sie ist bei allen Menschen immer dann besonders aktiv, wenn wir Bewegungen wie Hand- oder Sprechbewegungen stoppen", erklärt die Neurowissenschaftlerin. "Die übermäßige Aktivität dieses Netzwerkes und seine stärkeren Verbindungen könnten darauf hindeuten, dass die eigentliche Ursache des Stotterns darin liegt, dass Sprechbewegungen zu stark gehemmt werden."


Sprechen wird gehemmt


Betroffen von dieser Hemmung müssten dann vor allem die für das Sprechen relevanten Bereiche im linken Frontallappen sein, insbesondere der sogenannte linke Gyrus frontales inferior (IFG), der für die Planung des Sprechens zuständig ist, sowie der linke Motorcortex, der dann die eigentlichen Sprechbewegungen steuert. "Sind diese beiden Prozesse zu stark gehemmt, wird eine Person daran gehindert, flüssig zu sprechen", schließt Neef. (Brain, 2017)
(Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig, 13.12.2017 - DAL)
 
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