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Samstag, 28.05.2016
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DNA löst Rätsel des Riesenadlers

Ausgestorbener Gigant der Lüfte ist mit kleinstem Adler der Welt verwandt

Gigantische Adler, wie sie sich aus dem Himmel schwingen um die beiden Helden Frodo und Sam im „Herrn der Ringe“ zu retten, könnten vielleicht mehr als nur der Stoff für Legenden sein. Denn Wissenschaftler haben jetzt neues Licht auf die Evolution des ausgestorbenen Haast Adlers geworfen, einem Riesenvogel, der einst die Himmel über Neuseeland beherrschte.
Haast Riesenadler auf Moa-Jagd

Haast Riesenadler auf Moa-Jagd

Mit einem Gewicht zwischen neun und gut 13 Kilogramm war der Haast Adler rund 30 bis 40 Prozent schwerer als der größte lebende Greifvogel der heutigen Zeit, der Harpyenadler Mittel- und Südamerikas. Der Anthropologe Michael Bunce von der McMaster Universität in Hamilton erforschte den ausgestorbenen Riesen bei einem Forschungsaufenthalt in Neuseeeland, bei dem er DNA aus 2.000 Jahre alten fossilen Adlerknochen extrahierte und sie analysierte.

„Als wir das Projekt begannen, ging es darum die Verwandtschaft des Haast Adlers mit dem großen Australischen Keilschwanzadler zu beweisen“, erklärt der Forscher. „Doch die DNA Ergebnisse waren so radikal, dass wir zunächst ihre Authentizität hinterfragten.“

Die Ergebnisse zeigten, dass der neuseeländische Gigant mit einem weltweit der kleinsten Vertreter seiner Gattung verwandt war – den Kleinadler Australiens und Neuguineas, der typischerweise noch nicht einmal ein Kilogramm wiegt. „Noch verblüffender war es, wie eng verwandt die beiden Arten genetisch waren. Wir schätzen, dass ihr gemeinsamer Vorfahre vor weniger als einer Million Jahren lebte“, so Bunce. „Das bedeutet, dass ein Adler in Neuseeland ankam und sein Gewicht in dieser kurzen Zeit um das Zehn- bis Fünfzehnfache vermehrte – nach Maßstäben der Evolution ist das sehr schnell. Solche schnellen Größenänderungen sind bei Vögeln und anderen Tieren bisher ohne Beispiel.“


Vor der menschlichen Besiedlung vor rund 700 Jahren gab es auf Neuseeland nahezu keine terrestrischen Säugetiere. Neben Fledermäusen waren die einzigen Einwohner die rund 250 verschiedenen Vogelarten. An der Spitze des Nahrungsnetzes stand der Haast Adler, der einzige Adler, von dem man weiß, dass er der Top-Predator in einem größeren terrestrischen Ökosystem war. Die Adler jagten unter anderem Moas, die riesigen, Pflanzen fressenden und flugunfähigen Vögel Neuseelands, die mehr als 180 Kilogramm wiegen konnten. Sie starben innerhalb von zwei Jahrhunderten aus, nachdem die ersten menschlichen Siedler die Insel erreichten.
(McMaster University, 12.01.2005 - NPO)