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Sonntag, 17.12.2017
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Zwei Milliarden Klimaflüchtlinge bis 2100?

Steigende Meeresspiegel könnten Massenflucht aus Küstengebieten auslösen

Massenhafte Küstenflucht: Bis zum Jahr 2100 könnte ein Fünftel der Weltbevölkerung zu Klimaflüchtlingen werden – wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht. Denn die steigenden Meeresspiegel könnten dann eine Massenflucht aus den dicht bevölkerten, aber zunehmend überfluteten Küstenregionen auslösen. Bereiten sich die Länder darauf nicht vor, könnten nutzbare Flächen im Landesinneren knapp werden, warnen Forscher.
Blick auf einen Teil des Mississippi-Deltas. Allein dieses wird durch den Meeresspiegelanstieg in den nächsten 50 Jahren rund 5.000 Quadratkilometer Landfläche verlieren.

Blick auf einen Teil des Mississippi-Deltas. Allein dieses wird durch den Meeresspiegelanstieg in den nächsten 50 Jahren rund 5.000 Quadratkilometer Landfläche verlieren.

Dass es in Zukunft immer mehr Klimaflüchtlinge geben wird, ist nicht neu. Bereits im Jahr 2010 waren weltweit 42 Millionen Menschen auf der Flucht vor klimabedingten Naturkatastrophen – Tendenz stark steigend. Die Gründe sind dabei vielfältig: Vor Kurzen erst warnte die UN, dass allein der zunehmende Landverlust durch Bodenerosion in den nächsten zehn Jahren 50 Millionen Menschen zu Flüchtlingen machen wird. Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas könnte zudem schlicht zu heiß für eine Besiedlung werden.

Ozean frisst Küstengebiete


Doch dies ist noch nicht alles, wie Charles Geisler von der Cornell University und Ben Currens von der Kentucky University erklären. Denn wie sie ermittelt haben, könnten vor allem die steigenden Meeresspiegel eine wahre Völkerwanderung auslösen. "Bisher hat die Menschheit beträchtliche Mühe darauf verwendet, den Meeren neues Land abzuringen", erklärt Geisler. "Aber jetzt müssen sie mit dem Gegenteil leben – die Ozeane erobern weite Landflächen unseres Planeten zurück."

Besonders von Überschwemmungen bedroht sind schon heute gerade die dicht besiedelten und fruchtbaren Küstenniederungen und Flussdeltas. Geht der Klimawandel ungebremst weiter, könnten bis 2100 weite Teile dieser Flächen überflutet oder zumindest von regelmäßigen Sturmfluten bedroht sein, sagen die Forscher.


Massenexodus aus den Küstengebieten


"Jüngste Forschungen deuten darauf hin, dass der globale Meeresspiegelanstieg die niedrig liegenden Küstengebiete schneller als erwartet gefährden wird", so Geisler und Currens. "Dies wird die Küstengeografie verändern, die bewohnbare Landmasse verringern und signifikante Migration aus den Küstengebieten heraus auslösen." Vom Meer vertrieben müssen die Küstenbewohner weiter ins Inland ausweichen, möglicherweise wird es sogar Massenumsiedlungen und Evakuierungen geben.

Der Ballungsraum Shenzen in China liegt direkt an einem Flussdelta - und wäre vom Meerespiegelanstieg ebenfalls betroffen.

Der Ballungsraum Shenzen in China liegt direkt an einem Flussdelta - und wäre vom Meerespiegelanstieg ebenfalls betroffen.

Hinzu kommt: Bis 2100 werden die Ballungsräume entlang der Küsten noch dichter besiedelt sein als heute. Nach Schätzungen der UN könnte die Weltbevölkerung bis 2050 auf neun Milliarden Menschen anwachsen, bis 2100 könnten es elf Milliarden sein. Geisler und Currens schätzen, dass bis zum Jahr 2060 bereits 1,4 Milliarden Menschen zu Klimaflüchtlingen werden könnten. Bis zum Jahr 2100 könnten es im Extremfall zwei Milliarden werden – knapp ein Fünftel der gesamten Menschheit.

Wird nutzbares Land knapp?


Das Problem: Die Flächen im Landesinneren sind begrenzt. Ein Teil davon ist für eine Besiedlung oder Bebauung ungeeignet – beispielsweise, weil sie zu gebirgig sind. Ein weiterer Anteil ist zu trocken und durch Desertifikation nicht bewohnbar und auch nicht als Anbaufläche nutzbar. Auch dort, wo schon Ballungsräume liegen und die Landschaft weitgehend zersiedelt und bebaut ist, bleibt nur wenig Raum für die einwandernden Küstenbewohner.

"Wir werden schneller, als uns lieb ist, mehr Menschen auf immer weniger Land haben" sagt Geisler. Er und sein Kollege schätzen, dass rund ein Drittel der globalen Landfläche nicht ohne weiteres besiedelbar oder nutzbar ist. Die Konkurrenz um Land und die Landnutzung könnte sich daher erheblich verschärfen. Denn um die Menschen zu ernähren, werden auch künftig große Landflächen für die Landwirtschaft benötigt.

Beste Vorbeugung ist Klimaschutz


Er und sein Kollege appellieren an die Länder, frühzeitig Strategien für die kommende Verlagerung der Bevölkerung weiter landeinwärts zu entwickeln. Tatsächlich haben einige Regionen, darunter der US-Bundesstaate Florida bereits Pläne dazu, wie ein zunehmender Einstrom von Menschen ins Inland künftig aufgefangen werden kann.

Noch allerdings könnte das Extremszenario abgewendet werden - durch entschiedenen Klimaschutz. "Wir stehen unter Druck, die Treibhausgas-Emissionen auf heutigen Niveau zu halten", sagt Geisler. "Das ist die beste Versicherung gegen den Klimawandel, den Meeresspiegelanstieg und die katastrophalen Konsequenzen, die den Küsten, aber auch dem Landesinneren in Zukunft drohen könnten." (Land Use Policy, 2017; doi: 10.1016/j.landusepol.2017.03.029)
(Cornell University, 27.06.2017 - NPO)
 
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