• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 27.05.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Spinnen sind enorme Vielfraße

Alle Spinnen zusammen vertilgen jedes Jahr 400 bis 800 Millionen Tonnen Beutetiere

Klein, aber gefräßig: Alle Spinnen der Welt zusammen verschlingen jährlich die enorme Menge von 400 bis 800 Millionen Tonnen Beute, wie eine erste globale Bilanz der Spinnen-Fraßleistung enthüllt. Die achtbeinigen Räuber vertilgen damit ähnlich viel Beute wie alle Wale in unseren Weltmeeren zusammen. Dies demonstriere, wie wichtig die Spinnen für die Natur sind und welche Leistungen sie – meist im Verborgenen – für ihre Ökosysteme erbringen, so die Forscher.
Radnetzspinne Argiope trifasciata mit einer eingesponnenen Beute im Netz

Radnetzspinne Argiope trifasciata mit einer eingesponnenen Beute im Netz

Spinnen sind ein geniales Patent der Natur: Sie produzieren mit ihrer Spinnseide eines der stabilsten und flexibelsten Biomaterialien überhaupt, besitzen extrem widerstandsfähige Beißklauen und verfügen über ein ganzes Repertoire ungewöhnlicher Bewegungsarten – vom Segeln bis zum Flick-Flack. Herausragend aber sind ihre Beutefangstrategien: Vom Lauerjäger über die schnelle Jagd bis hin zum Netz- oder Falltürfang ist alles dabei.

25 Millionen Tonnen Spinnen weltweit


Doch wie viel Beute fangen die rund 45.000 Spinnenarten weltweit – und wie groß ist der Einfluss auf die Ökosysteme, in denen sie leben? Um das herauszufinden, haben Martin Nyffeler von der Universität Basel und Klaus Birkhofer von der Universität Lund Daten aus 65 Spinnenstudien ausgewertet. Sie ermittelten zum einen die Dichte und Verbreitung der Spinnen in sieben Biomen rund um die Welt und deren durchschnittlichen Beutefangerfolg.

Das Ergebnis: Weltweit entspricht die Biomasse aller Spinnen rund 25 Millionen Tonnen. Die höchste Dichte erreichen die Spinne dabei in den Wäldern der Tropen und der gemäßigten Regionen, gefolgt von Gras- und Buschland. In Wüsten und Tundren ist ihre Dichte dagegen – kaum verwunderlich - am geringsten.


Die Springspinne Phidippus mystaceus saugt hier eine Mücke aus

Die Springspinne Phidippus mystaceus saugt hier eine Mücke aus

Fressleistung so hoch wie die der Wale


Und wie viel Beute machen diese unzähligen Spinnen? "Mit unseren Hochrechnungen kommen wir auf einen jährlichen Fang der globalen Spinnengemeinschaft von 400 bis 800 Millionen Tonnen Beute pro Jahr", berichten die Forscher. "Das entspricht einem Prozent der jährlichen terrestrischen Netto-Primärproduktion." Zum Vergleich: Die gesamte Menschheit vertilgt jährlich 400 Millionen Tonnen Fisch und Fleisch.

"Die Fressleistung der Spinnen liegt damit in der gleichen Größenordnung wie die der Wale in den Weltmeeren: Sie wird auf rund 280 bis 500 Millionen Tonnen Beute-Biomasse pro Jahr geschätzt", erklären die Wissenschaftler. "Das bestätigt die wichtige Rolle, die die Spinnen in halbnatürlichen und natürlichen Lebensräumen spielen."

Insekten, Schlangen und sogar Vögel


Mehr als 90 Prozent der von den Spinnen getöteten Beutetiere sind Insekten und Springschwänze, wie Nyffeler und Birkhofer ermittelten. Große tropische Spinnen erbeuten jedoch auch kleinere Wirbeltiere wie Frösche, Eidechsen, Schlangen, Fische, Vögel und Fledermäuse. Ist die tierische Nahrung knapp, greifen einige Spinnen auch durchaus mal auf vegetarische Kost zurück.


Doch die Spinnen sind nicht nur wichtige Räuber, sie dienen in ihren Ökosystemen auch selbst als Nahrung für andere Tiere. Wie die Forscher ermittelten, ernähren sich weltweit zwischen 8.000 und 10.000 Prädatoren, Parasiten und Parasitoiden ausschließlich von Spinnen. Außerdem bilden die achtbeinigen Gliedertiere einen wichtigen Futteranteil für geschätzt 3.000 bis 5.000 Vogelarten.

"Spinnen tragen damit wesentlich zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichtes der Natur bei", betont Nyffeler. "Wir hoffen, dass diese Zahlen und ihre enorme Größe das Wissen und die Anerkennung für die Leistungen der Spinnen verstärken." (The Science of Nature, 2017; doi: 10.1007/s00114-017-1440-1)
(Universität Basel/ Springer, 15.03.2017 - NPO)
 
Printer IconShare Icon