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Freitag, 09.12.2016
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Wo droht der nächste Zika-Ausbruch?

Prognose-Karten zeigen Risiko für Einschleppung des Virus auch nach Europa

Europa ist nicht gefeit: Japanische Forscher haben ermittelt, in welche Länder das Zika-Virus als nächstes eingeschleppt werden könnte. Darunter sind neben Tropengebieten auch Länder in Europa, darunter Portugal, Spanien, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande. Ihr Risiko für eine Einschleppung noch vor Jahresende liegt bei immerhin 40 bis 70 Prozent, wie die Forscher im Fachmagazin "PeerJ" berichten.
Die Stechmücke Aedes aegypti gilt als der Hauptüberträger des Zika-Virus

Die Stechmücke Aedes aegypti gilt als der Hauptüberträger des Zika-Virus

Das Zika-Virus breitet sich weiter aus. Seit dem Ausbruch der Epidemie in Brasilien im Frühjahr 2015 wurden Fälle in 39 weiteren Ländern bekannt. Das Problem: Das Virus wird durch Stiche von Mücken der Gattung Aedes übertragen – und diese Insekten kommen in fast allen tropischen und subtropischen Regionen der Erde vor. Sogar in Deutschland gibt es inzwischen eine kleine Population der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus.

Wo taucht das Virus als nächstes auf?


Kyeongah Nah von der Universität Tokio und seine Kollegen haben nun ein Vorhersagemodell entwickelt, mit dem sich feststellen lässt, welche Länder besonders stark von einem Einschleppen des Zika-Virus gefährdet sind und wo sich das Virus mit Hilfe der Mücken am schnellsten ausbreiten kann.

Für ihr Modell ermittelten sie zunächst für jedes bisher befallene Land, wann in ihm der erste Patient mit Zika-Virus diagnostiziert wurde, von welchem Ausgangsland das Virus wahrscheinlich eingeschleppt wurde und über wie viele Flugverbindungen das Land mit diesem verbunden ist. Anhand dieser Daten und dem Vorkommen von Aedes-Mücken in den bisher noch nicht befallenen Ländern stellten die Forscher ein Prognose-Modell auf, an dem ablesbar ist, wie bald nach dem Ausbruch der Zika-Epidemie in Brasilien mit einem Einschleppen des Virus in diese Länder zu rechnen ist.


Diese Weltkarte zeigt das Risiko für eine Einschleppung des Zika-Virus in das betreffende Land.

Diese Weltkarte zeigt das Risiko für eine Einschleppung des Zika-Virus in das betreffende Land.

Gefahr auch in Frankreich und Großbritannien hoch


Das Ergebnis: Das Risiko für ein Einschleppen des Zika-Virus ist weiter über die Welt verteilt als man denkt. Nicht nur tropische und subtropische Länder, sondern auch Regionen der gemäßigten Breiten haben demnach ein hohes Risiko, noch innerhalb dieses Jahres erste Zika-Fälle zu erleben. "Das Risiko der Einschleppung ist ziemlich breit über die Welt verstreut", sagt Koautor Hiroshi Nishiura von der Universität Hokkaido.

Zu den Ländern mit einem mehr als 40-prozentigen Einschleppungs-Risiko gehören beispielsweise Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und die Türkei, aber auch Südafrika, China und die Staaten der Arabischen Halbinsel. In Portugal und Spanien liegt das Risiko für ein Einschleppen des Virus sogar bei mehr als 70 Prozent, wie die Wissenschaftler ermittelten.

Schnelle lokale Ausbreitung


Allerdings: Eine Ausbreitung des Zika-Virus innerhalb des Landes ist überall da am wahrscheinlichsten, wo schon jetzt Aedes-Mücken reichlich vorkommen. Betroffen sind davon vor allem Gebiete, in denen auch das Risiko für Denguefieber und Chikungunya hoch ist. Zu diesen gehören vor allem Länder in Südamerika und der Karibik.

Dank der milderen Temperaturen und erster Populationen von Aedes-Mücken sind aber auch der Süden Frankreichs und Chinas Gebiete, in denen sich das Zika-Virus lokal schnell ausbreiten könnte, wie die Prognosen ergaben. Vor allem angesichts der kommenden Olympischen Spiele in Brasilien sei es daher besonders wichtig, ein Einschleppen des Virus in diese Gebiete schon von vornherein zu vermieden, warnen die Forscher.

Eine Infektion mit dem Zika-Virus hat für die meisten Menschen zwar keine schwerwiegenden Folgen. Doch bei Schwangeren kann es das Ungeborene schädigen und eine sogenannte Mikrozephalie, sowie Augenschäden verursachen. Zudem steht das Virus im Verdacht, das Guillain-Barré Syndrom auszulösen, akute Autoimmun-Erkrankung des Nervensystems. (PeerJ, 2016; doi: 10.7717/peerj.1904)
(Hokkaido University, 30.05.2016 - NPO)
 
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