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Dienstag, 24.01.2017
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Kirsten Thonicke mit Michelson-Preis geehrt

Vegetationsdynamik und Feuer als Störungsfaktor

{1l}Die Geographin Dr. Kirsten Thonicke, 31 Jahre, wurde mit dem Michelson-Preis von der Universität Potsdam für die beste Promotion des Jahrgangs 2002/2003 ausgezeichnet. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit "Vegetationsdynamik und Feuer als Störungsfaktor - Analyse und Modelle". GeoUnion:
Kirsten erst einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung. Was bedeutet der Michelson-Preis für dich?

Kirsten T.: Zunächst hat es mich sehr gefreut, für die Anstrengung nun so reichlich belohnt zu werden. Ob mir der Michelson-Preis beruflich weiterhilft, wird sich vielleicht erst in der Zukunft zeigen.

GeoUnion: Die Bilder der Waldbrände in Nordamerika und Südeuropa diesen Sommer sind vielen noch präsent. Welchen Beitrag leistet deine Forschungsarbeit hier?

Kirsten T.: Meine Arbeit konzentrierte sich darauf, Feuer global und regional zu modellieren. Feuer als Gras-, Busch- oder Waldbrand trägt signifikant zu den Treibhausgasen bei und beeinflusst damit auch die Atmosphäre und langfristig das Klima. Im Modell habe ich die dynamischen Interaktionen zwischen Klima, Feuer und Vegetation untersucht.


GeoUnion: Welches Ergebnis ist dabei für dich besonders interessant?

Kirsten T.: In Simulationsexperimenten mit Klimaänderungsszenarien konnte global die Bedeutung, sowohl der Änderungen in den Feuern als auch in der Vegetation in einem Modell zu berücksichtigen, unterstrichen werden. Um nur ein Beispiel zu nennen: die durch größere Niederschläge verursachten Anstiege in der Produktivität der Vegetation könnten in Trockengebieten zu mehr Feuer führen, weil plötzlich genügend trockene Streu vorhanden ist, das nun eine Feuerausbreitung ermöglichen könnte. Der vermeintliche Zugewinn für die Vegetation könnte sich möglicherweise einfach in Rauch auflösen. Im regionalen Vergleich traten Diskrepanzen zwischen simulierten und beobachteten Daten auf. Letztendlich konnte ich damit auf das Feuermanagement zurück schließen.

GeoUnion: Feuermanagement?

Kirsten T.: Der Mensch hat in vielen Gebieten der Erde die Landschaft aktiv gestaltet, Forstwirtschaft und Ackerbau betrieben und dabei oft das Feuer für seine Zwecke ausgenutzt. Dabei hat er ein neues Gleichgewicht geschaffen, dass in den letzten Jahrzehnten durch wirtschaftliche und andere Faktoren starken Änderungen ausgesetzt ist. Wie wir bei den extremen Waldbränden in diesem Jahr gesehen haben, kann er sich aber nicht mit einem Mal aus der Verantwortung ziehen.

GeoUnion: Deine Kombination des Studiums der Geographie mit Biologie und Informatik als Nebenfächern kommt in der Arbeit fast ideal zum Tragen. Wie bist Du zu dieser Fächerkombination gekommen?

Kirsten T.: Zunächst aus Interesse. Geographie wird oft zur bloßen Kartenkunde degradiert, dabei ist es mehr als das, nämlich das Zusammenspiel und die Integration einzelner klassischer Wissenschaftsdisziplinen, Bodenkunde und Klima genauso wie die Strukturen und Entstehungsursachen der Siedlungen. Es war aber auch so, dass nach der Wende, die Informatik stark in die Naturwissenschaften eingezogen ist. Da war bald zu merken, dass mit einem Schwerpunkt in Informatik auch die Jobperspektiven besser und vielfältiger zu sein schienen.

GeoUnion: Wie sehen die Jobperspektiven jetzt nach der Promotion aus?

Kirsten T.: Die Gruppe "Globale Ökologie" am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena untersucht ebenfalls Feuer im Zusammenhang mit biogeochemischen Kreisläufen und der Vegetationsdynamik. Durch enge Kooperation zwischen unserer Gruppe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung konnte ich dann hier meine Arbeit fortsetzen.

GeoUnion: Du hast einen dreijährigen Sohn Jurek. Die Promotion und jetzt der Wechsel nach Jena, wie gelingt dir dies alles miteinander zu vereinbaren?

Kirsten T.: Die freie Zeit mit dem Kind zu verbringen habe ich immer als einen angenehmen Ausgleich und entspannend empfunden, bei dem mir manchmal sogar Ideen gekommen sind. Sicher gibt es Tiefpunkte, aber beim nächsten Erfolgserlebnis ist das dann auch wieder vergessen. Alles unter einen Hut zu bekommen, ist manchmal sicherlich schwierig. Große Hilfe waren uns natürlich die Großeltern, die bei Krankheit oder meinen Dienstreisen meinem Mann unter die Arme greifen konnten. Wenn beide Elternteile im wissenschaftlichen Bereich arbeiten, ist das ein wichtiger Faktor. Nicht zu unterschätzen ist aber auch eine gute Kindereinrichtung. Wir hatten da großes Glück, auch dass Jurek dort gern hingeht.

GeoUnion: Ich danke dir für das Gespräch.
(Dr. Kirsten Thonicke/Max-Planck-Institut für Biogeochemie Jena, 13.10.2003 - Dr. Nicole Schmidt / GFZ Potsdam)
 
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