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Sonntag, 04.12.2016
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Älteste Abdrücke aus dem Karbon entdeckt

Tropensturm konservierte Pflanzen- und Tierrelikte im urzeitlichen Afrika

Farne, Saurierfährten und Urzeit-Libellen: Mitten in der Wüste Marokkos haben Forscher die ältesten Tier- und Pflanzenrelikte aus dem Zeitalter des Karbon entdeckt. Die 305 Millionen Jahre alten Fossilien wurden konserviert, als ein Tropensturm über einen Urzeit-Tümpel hinwegraste und die Relikte im Schlamm begrub. Sie liefern nun wichtige Hinweise auf die vergangene Klima und Lebenswelt in diesen Gebiet.
Forscher erstellen einen Latex-Abguss der Äste und Zweige im versteinerten Tümpel.

Forscher erstellen einen Latex-Abguss der Äste und Zweige im versteinerten Tümpel.

Vor rund 305 Millionen Jahren brach ein Tropensturm über das damals weit verzweigte Flusssystem im heutigen Atlasgebirge und der Sous-Ebene Marokkos aus. Er riss Stämme um und fetzte Äste von den Bäumen. Katastrophale Regenfälle ließen die Flüsse über die Ufer treten, die schlammigen Wassermassen wälzten sich durch das Becken. Als nach einigen Tagen das Hochwasser wieder fiel, blieben große Tümpel zurück – voll mit Ästen, Zweigen und Blättern. Der Schlamm härtete aus und konservierte damit die Relikte bis in die heutige Zeit. Sie liefern nun wertvolle Informationen zum Klima und zur Waldstruktur des Karbon.

Kommende Trockenperiode kündigte sich schon an


„Die Abdrücke in dem versteinerten Tümpel sind ein Glücksfall“, beschreibt Jörg W. Schneider von der TU Bergakademie Freiberg seine Entdeckung. „Sie liefern uns eine exakte Momentaufnahme der Klimasituation vor 305 Millionen Jahren." So entdeckten die Freiberger Forscher gemeinsam mit ihren marokkanischen Kollegen neben Abdrücken von Farnen, die meistens an feuchten Standorten verbreitet sind, auch bis zu einem halben Meter lange Koniferenäste. Der Fund dieser Nadelhölzer, die trockene Umgebungen bevorzugen, zeigt, dass sich zu dieser Zeit das warme Klima des folgenden Erdzeitalters Perm bereits angekündigt und den Lebensraum der Pflanzen und Tiere beeinflusst hat. „In der zunehmend trockenen Umwelt konnten sich Nadelbäume besser ausbreiten und andere Pflanzenarten verdrängen“, erklärt Schneider.

Die Entdeckung belegt aber auch, dass ein aus dem Perm Nordamerikas bekannter Samenfarn der Gattung Dichophyllum in Nordafrika bereits im Karbon aufgetreten ist. Aufgrund aller bisherigen Dichophyllum-Funde, die nur aus dem Perm Nordamerikas und Europas bekannt waren, ging die Wissenschaft bislang davon aus, dass sich dieser Samenfarn dort entwickelt hat. Die Farnwedel, die die Freiberger Paläontologen in dem versteinerten Tümpel entdeckt haben, sind aber etwa zehn Millionen Jahre älter. „Damit ist dies der bisher älteste Fund dieser Farnart weltweit“, erläutert Schneider.

Nordafrika als Hot Spot der Evolution?


Ähnliches gilt für einige Saurierfährten, die die Paläontologen in der näheren Umgebung des Tümpels fanden. Für die Evolution und Verbreitung einiger Pflanzen- und Tierarten könnte dies ein völlig neues Bild ergeben. „Möglicherweise ist der Teil Gondwanas, den wir jetzt als Nordafrika bezeichnen, ein wichtiges Evolutionszentrum, ein so genannter „evolutionary hotspot“. Das kann aber natürlich erst durch weitere Forschungen geklärt werden“, so der Forscher.


Um diese zu ermöglichen hat der Paläontologe gemeinsam mit seinem Kollegen Hafid Saber von der El Jadida Universität einen etwa zwei Quadratmeter großen Kautschuk-Abguss des Tümpels angefertigt. Die Forscher aus Freiberg und Marokko konnten außerdem Saurierfährten, Fischreste, kleine Schalenkrebse sowie Flügel von Schaben und eines libellenartigen Insekts bergen. Die zahlreichen Fossilfunde und Gesteinsproben werten nun marokkanische Doktoranden am Geologischen Institut der Bergakademie aus. Ziel der Untersuchungen ist es, die Klima- und Umweltprozesse auf dem früheren Großkontinent Pangea, der aus den einst verbundenen Landmassen der heutigen Nord- und Südkontinente bestand, besser zu verstehen.
(Technische Universität Bergakademie Freiberg, 26.06.2013 - NPO)
 
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