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Mensch produzierte schon vor 71.000 Jahren komplexe Werkzeuge
In Südafrika entdeckte Pfeil- und Speerspitzen zeugen von raffinierten Techniken bei der Waffenherstellung
Schon vor 71.000 Jahren schufen unsere Vorfahren filigrane Steinwerkzeuge und nutzten dabei hochentwickelte Techniken. Darauf deuten Funde von Speer- und Pfeilspitzen in einer Ausgrabungsstätte an der Küste Südafrikas hin, die jetzt im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurden. Bisher war man davon ausgegangen, dass die sogenannte Mikrolith-Methode, bei der Kleinstwerkzeuge durch ein spezielles Erhitzungsverfahren aus spaltbarem Gestein hergestellt werden, das erste Mal vor 65.000 bis 60.000 Jahren auftauchte.
frühzeitliche Speer und Pfeilspitzen.
frühzeitliche Speer und Pfeilspitzen.
© Credit: Simen Oestmo frühzeitliche Speer und Pfeilspitzen.
Der neue Fund zeige jedoch, dass der Mensch diese Technik viel früher entwickelt und über Jahrtausende hinweg an die nachfolgenden Generationen weitergegeben habe. Sie schließen daraus, dass schon die frühen, im Süden Afrikas lebenden Vertreter des Homo sapiens intelligent genug waren, um solche komplexen Technologien zu nutzen und weiterzugeben.

Die 71.000 Jahre alten und damit bisher ältesten Funde der Mikrolith-Technik entdeckten die Wissenschaftler am Pinnacle Point an der Südküste Südafrikas. Dort gruben sie bis zu 14 Meter tief in das Sediment und legten bisher insgesamt fast 200.000 Fundstücke frei. "Als wir diese sehr kleinen, sorgsam angefertigten Werkzeuge zum ersten Mal fanden, waren wir froh, dass wir nach dem Durchsieben auch die winzigsten Stücke aufgehoben hatten", sagt Co-Author Kyle Brown von der Cape Town University. Denn die Steinklingen seien mitunter nur knapp zwei Zentimeter lang und wenige Millimeter breit. An einem Ende abgestumpft, um sie auf Holz oder Knochen zu kleben, hätten die Menschen sie damals für Pfeil- oder Speerspitzen verwendet, erklären die Forscher.

Bisherige Funde zeugten nur von einem kurzen Aufflackern der Technik
Ausgrabungsstätte nahe der Mossel Bay (Südafrika)
Ausgrabungsstätte nahe der Mossel Bay (Südafrika)
© Erich Fisher Ausgrabungsstätte nahe der Mossel Bay (Südafrika)
Aufgrund bisheriger Ausgrabungsfunde glaubte man, dass diese Art der Werkzeugherstellung nur während einer kurzen weltweiten Kälteperiode vor rund 65.000 bis 60.000 Jahren auftauchte, dann aber wieder für lange Zeit verschwand, wie die Archäologen berichten. Demnach hätten kleine Bevölkerungsgruppen die Technik während harscher klimatischer Perioden aus der Not heraus entwickelt - danach aber nicht mehr an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Die neuen Funde zeigten, dass die frühen Steinzeitmenschen bereits vor 71.000 Jahren die Mikrolith-Technik entwickelt hatten und sie über Jahrtausende hinweg erhielten, sagen die Forscher. "Elftausend Jahre Kontinuität ist eine fast unvorstellbare Zeitspanne für Menschen, ein Werkzeug auf die gleiche Art und Weise herzustellen", sagt Curtis Marean von der Arizona State University in Tempe, der an den Ausgrabungen beteiligt war.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die hochentwickelten Werkzeuge den modernen Menschen bei der Besiedlung neuer Gebiete einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Spezies wie den Neandertalern brachten. "Waffen mit diesen Mikrolith-Spitzen erhöhten den Jagderfolg, aber auch die Reichweite beim Kampf zwischen Menschen", schreiben die Forscher. Die Speere der Neandertaler seien diesen Waffen unterlegen gewesen (doi: 10.1038/nature11660).

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Ausgrabungen, Steinwerkzeuge, Mikrolith, Südafrika, Steinzeit, Neandertaler
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