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Sonntag, 23.07.2017
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Papageien: Zungenspiele prägen Stimme

Lautbildung beruht auf ähnlichen Mechanismen wie beim Menschen

Wenn es darum geht, Töne von sich zu geben, nutzen Papageien und Menschen beide extrem spezialisierte Organe in ihren Kehlen. Jetzt haben amerikanische und niederländische Wissenschaftler zum ersten Mal nachgewiesen, dass auch bei Papageien die Zunge eine entscheidende Rolle bei der Formung der Laute spielt.
Mönchs-Papagei

Mönchs-Papagei

“Dies ist der erste direkte Beweis dafür, dass Papageien ihre großen Zungen nutzen können um die akustischen Eigenschaften ihrer Vokalisationen zu verändern“, erklärt Roderick Suthers, Neurologe der amerikanischen Indiana Universität, der gemeinsam mit Kollegen von der Universität von Leiden in den Niederlanden diese Studien durchgeführt hat. „Die motorische Kontrolle der Zungenbewegungen ist – wie beim Menschen auch – hier ein wichtiger Teil der Kommunikation.“

Zungenbewegungen entscheidend


Es ist bekannt, dass der Papagei seinen Kehlkopf nutzt um Laute zu produzieren. Die noch offene Frage war aber: Was passiert mit dem Laut, wenn er sich aufwärts und aus der Kehle hinaus bewegt? Ornithologen und Vogelliebhaber beobachteten bereits seit langem, dass Papageien ihre Zungen während der Lautäußerung vor und zurück bewegen, aber ob diese Bewegung signifikant zur Tongestaltung beiträgt, wusste man nicht.

Suthers und seine Kollegen führten ihre Untersuchungen an fünf Mönchspapageien durch, einer in Südamerika heimischen kleinen Papageienart. In einer Reihe von Frequenzbereichen zwischen 500 und 11.00 Hertz maßen die Forscher, wie stark die Zungenposition der Vögel den Ton veränderte. Es zeigte sich, dass dass bereits kleinste Änderungen in der Position der Papageienzunge von nur Bruchteilen von Millimetern große Unterschiede in der Art des Lauts hervorrufen kann. „Im Vergleich entspricht das etwa dem Unterschied zwischen einem a und einem o in der menschlichen Sprache“, erklärt Suthers.


Akustischer Fingerabdruck identfiziert


Die Wissenschaftler könnten zudem die ersten sein, die vier so genannte Formanten in den Papageienlauten identifiziert haben. Formanten sind kleine Frequenzbereiche, die deutlich hörbar bleiben, wenn der Ton durch die Passagen von Rachen, Mund und Nasenhöhlen wandert. Die Geometrie dieser Passagen dämpft einige Frequenzen ab, lässt andere aber unbeeinflusst. Was am Ende übrig bleibt, bestimmt den Charakter eines Lauts – in diesem Falle die Stimme eines Papageis.

Auch menschliche Stimmen besitzen solche Formanten, Durch Unterschiede in Erbgut, Entwicklung und Verhalten variieren sie ähnlich wie Fingerabdrücke stark von Individuum zu Individuum. Suthers und seine Kollegen hoffen nun, durch weitere Studien an Papageien herauszufinden, welche Strukturen für diese Tonvariationen in Vögeln und Menschen verantwortlich sind.
(Indiana University, 08.09.2004 - NPO)
 
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