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Eingeschleppter Flusskrebs frisst zur Not auch Landpflanzen
Forscher klären Erfolgsgeheimnis des weltweit erfolgreichen Eindringlings
Der Rote Amerikanische Flusskrebs ist ein echter Überlebenskünstler: Egal ob eingeschleppt oder bewusst irgendwo angesiedelt, dieser Süßwasserkrebs gilt als als eine der erfolgreichsten invasiven Arten weltweit. Eines seiner Erfolgsgeheimnisse haben britische Forscher jetzt aufgeklärt. Findet er im Wasser nicht genügend Nahrung, krabbelt der Krebs einfach nachts ans Ufer und knabbert dort an Gräsern und anderen Landpflanzen. Bei dieser ökologisch so bedeutenden Krebsart habe man ein solches Verhalten nun zum ersten Mal nachgewiesen, berichten die Biologen im Fachmagazin "PloS ONE". Bisher dachte man, dass der Flusskrebs nur im Wasser oder in überschwemmten Reisfeldern nach Nahrung sucht, nicht aber entlang der trockenen Ufer eines afrikanischen Sees. Doch genau dabei haben die Wissenschaftler ihn jetzt ertappt.
Roter Amerikanischer Flusskrebs (Procambarus clarkii)
Roter Amerikanischer Flusskrebs (Procambarus clarkii)
© Mike Murphy / gemeinfrei Roter Amerikanischer Flusskrebs (Procambarus clarkii)
"Dies zeigt, warum der Flusskrebs ein so außergewöhnlich erfolgreicher Eroberer ist", sagt Erstautor Jonathan Grey von der Queen Mary University of London. Er sei äußerst flexibel und anpassungsfähig. Durch diese Extra-Rationen vom Land könne er selbst unter schlechten Bedingungen besser als viele einheimische Wassertiere überleben. Das zeige, dass man sehr vorsichtig sein müsse, wenn man diese Krebsart in ein neues Gebiet bringe - man werde sie nicht mehr los.

Der etwa handgroße Rote Amerikanische Flusskrebs (Procambarus clarkii), auch Louisiana-Flusskrebs genannt, war ursprünglich nur im Südosten der USA und entlang der karibischen Golfküste heimisch. Inzwischen aber wurde er teilweise aus Versehen, teilweise absichtlich in Tümpel und stehende Gewässer fast aller Kontinente eingeschleppt - unter anderem, weil er als wichtigster Lieferant für Krebsfleisch massenhaft gezüchtet und gehalten wird. Das habe meist dramatische ökologische Folgen, sagen die Forscher. Der Flusskrebs dezimiere die Wasserpflanzen, zerstöre durch seine Höhlen die Ufer, verändere die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften und schleppe zudem die Krebspest ein. Diese Pilzkrankheit droht inzwischen auch in Europa die heimischen Flusskrebse auszurotten.

Nahrung des Eindringlings in Afrika untersucht
Für ihre Studie hatten die Forscher Rote Amerikanische Flusskrebse im Lake Naivasha in Kenia untersucht. Der Krebs ist dort 1970 eingesetzt worden, um unter anderem eine heimische Schneckenart zu dezimieren, die den Erreger der Tropenkrankheit Schistosomiasis in sich trägt. Der See trockne im Sommer häufig fast aus, berichten die Wissenschaftler. Für den Krebs bliebe dann kaum Nahrung, denn
Wasserpflanzen und auch wasserlebende Kleintiere seien dann rar. Dennoch habe der Neuankömmling ohne Probleme überlebt - wie sei allerdings bisher nicht klar.

Die Forscher sammelten drei Jahre lang jeweils im Juli Krebse aus verschiedenen Bereichen des Sees. In einem sehr trockenen Jahr fanden sie 16 Tiere in tief eingesunkenen, am Grund mit Wasser gefüllten Fußstapfen, die Nilpferde am Ufer hinterlassen hatten. Bei allen Krebsen entnahmen sie Gewebeproben und analysierten die Anteile verschiedener Kohlenstoff- und Stickstoffatome darin. Da diese Atome mit der Nahrung aufgenommen und ins Gewebe eingebaut werden, verrät die Isotopenverteilung, was ein Tier gefressen hat.

"Bei den Tieren, die wir in den Nilpferd-Spuren gefunden hatten, machten Landpflanzen wie Knöterich und Kikuyugras 27 Prozent der Nahrung aus", schreiben Grey und seine Kollegen. Offenbar hätten die Krebse nachts ihre Tümpel verlassen und seien über die trockene Erde bis zu diesen Landpflanzen gekrabbelt, um sich daran gütlich zu tun. In feuchteren Jahren sei das nicht der Fall gewesen. Der Krebs passe sich demnach flexibel an Klima und Umwelt an.
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Flusskrebse, Louisiana-Flusskrebs, Seen, Süßwasser, invasive Arten, Nahrungsspektrum
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