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Klimawandel war doch schuld an Hitzewelle im Sommer 2010
Rekordtemperaturen sind nicht auf natürliche Schwankungen zurückzuführen
Die russische Hitzewelle im Sommer 2010 war mit hoher Wahrscheinlichkeit doch eine direkte Folge des Klimawandels. Der über Wochen anhaltende Temperaturrekord in der Region um Moskau lasse sich nicht auf natürliche kurzfristige Klimaschwankungen zurückführen, berichten deutsche Klimaforscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Stattdessen sei mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit der langfristige Trend zur Klimaerwärmung dafür verantwortlich. Mit dieser Einschätzung widersprechen die deutschen Forscher ihren US-amerikanischen Kollegen, die die Hitzewelle noch im April 2011 auf eine natürliche Schwankung zurückführten.
Wal- und Torfbrand in Russland im Sommer 2010
Wal- und Torfbrand in Russland im Sommer 2010
© gemeinfrei Wal- und Torfbrand in Russland im Sommer 2010
„In vielen Ländern sind in den letzten Jahren nie dagewesene Wetterextreme zu beobachten, zugleich steigt die weltweite Mitteltemperatur seit Jahrzehnten steil an“, sagt Hauptautor
Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Wir haben untersucht, wie das zusammenhängt.“ Die Forscher entwickelten eine statistische Formel, mit der sich berechnen lässt, wieviele zusätzliche Wetterrekorde durch die Klimaerwärmung verursacht werden.

Natürlich könne es auch ohne Klimaerwärmung zu Wetterextremen kommen, sagen die Wissenschaftler. Die Hitzewelle in Russland lasse sich aber nicht allein mit solchen natürlichen Schwankungen erklären. Stattdessen habe eine besonders starke Erwärmung dieser Region seit 1980 die Wahrscheinlichkeit für neue Hitzerekorde gefördert.

Durchschnittstemperaturen von 40 Grad und mehr
Während der Hitzewelle im Sommer 2010 stiegen die Durchschnittstemperaturen im Juli in Moskau auf Werte über 40 Grad Celsius. Solche Werte seien seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im 19. Jahrhundert in dieser Region noch niemals erreicht worden, sagen die Forscher. Die über Wochen anhaltende Hitzewelle löste großfläche Wald- und Torfbrände im Westen Russlands aus. Mehrere tausend Menschen starben an den Folgen der Hitze und der Brände. Die Trockenheit führte zudem zu schweren Missernten beim Weizen.

Ursache der Hitzewelle war ein Hochdruckgebiet, das über Russland stehen blieb und den Einstrom kühlere Luft und Niederschläge verhinderte. Im April 2011 hatten Klimaforscher der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) um Randall Dole bereits untersucht, ob Treibhausgase oder die globalen Temperaturen diese Wetterlage gefördert haben könnten. Sie kamen damals zu dem Ergebnis, dass dies nicht der Fall sei.

Statische Häufigkeit von Wetterextremen steigt
Stefan Rahmstorf und sein Kollege Dim Coumou nutzten eine andere Methode, um nach einem möglichen Zusammenhang zu suchen. Sie berechneten, wie sich die Häufigkeit von Temperaturextremen Im Rahmen verschiedener fiktiver und realer Klimatrends der letzten 100 Jahre verändert. Im Unterschied zu den US-Klimaforschern berücksichtigten sie dabei auch verstärkt die regionale Entwicklung in Russland.

Dabei habe sich gezeigt, dass das anhaltende Hochdruckgebiet über Russland und die damit verbundene Hitzewelle kein Zufall gewesen sei. Stattdessen hätte man sogar schon im Vorfeld ein solches Wetterextrem erwarten können. In Russland seien die Sommertemperaturen in den letzten 30 Jahren um rund zwei Grad Celsius gestiegen, im globalen Durchschnitt dagegen nur um rund 0,5 Grad, berichten die Forscher. Diese Erwärmung habe die Wahrscheinlichkeit für neue Hitzerekorde um 50 Prozent erhöht, wie die Berechnungen zeigten. "Unsere Ergebnisse widersprechen damit explizit denen von Randall Dole und Kollegen, die keine Basis für eine Voraussehbarkeit des russischen Rekordsommers 2010 fanden", konstatieren die Forscher.

Bei steigenden Durchschnittstemperaturen verschiebe sich der gesamte Komplex der natürlichen Schwankungen in den wärmeren Bereich, berichten sie.

Mensch ist schuld
Dass der Mensch an der Erwärmung und damit auch an den zunehmenden Extremem schuld ist, liegt nach Ansicht der Forscher nahe. "Unsere statistische Analyse sagt zwar nichts über die physikalischen Ursachen dieser Entwicklung aus", schreiben die Forscher. Doch es gebe starke Belege dafür, dass ein Großteil der Klimaerwärmung vom Menschen verursacht sei. "Daher hätte es die meisten Temperaturextreme der letzten Zeit ohne den menschlichen Einfluss auf das Klima wahrscheinlich nicht gegeben", konstatieren Rahmstorf und Coumou. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2011; doi:10.1073/pnas.1101766108)
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