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Donnerstag, 24.05.2012
Lockstoff gegen "Rasenfresser"
Pheromoncocktail soll gegen Käfer-Plage helfen
Von wegen „englischer Rasen“ oder makelloses Grün: Immer Rasenflächen leiden unter Fressattacken des Gartenlaubkäfers, dessen Engerlinge die Wurzeln der Gräser fressen. Das kann, wenn zu viele Schädlinge an einer Stelle wüten, zum Absterben großer Rasenflächen führen. Jetzt hat ein Biologe einen Lockstoff entwickelt, der dem gefräßigen Käfer den Garaus machen soll.

Rasenfressender Gartenlaubkäfer
Rasenfressender Gartenlaubkäfer
© USDA
Die Schäden werden meistens zwischen Juli und Oktober sichtbar. Auch im Obstbau und bei Rosen hat der Gartenlaubkäfer Phyllopertha horticola in den vergangenen Jahren große Schäden verursacht. Bei der Bekämpfung stellt der Einsatz von Insektiziden oft ein Problem dar, da diese nicht nur die Schädlinge, sondern auch Nützlinge bedrohen. Alternativ können Sexuallockstoffe oder attraktive Pflanzenduftstoffe verwendet werden. Doch für den Gartenlaubkäfer waren bislang solche Lockstoffe nicht bekannt.

Joachim Ruther von der Freien Universität Berlin hat jetzt ein Lockstoffgemisch entwickelt, das im Rahmen von Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Gartenlaubkäfer eingesetzt werden kann. Die Erfindung ist international zum Patent angemeldet worden und wird von der Patentverwertungsgesellschaft ipal GmbH exklusiv für die Freie Universität Berlin verwertet.

Von der Gartenlaubkäferplage sind Bäume, Sträucher und Sportrasenflächen in großen Teilen Europas betroffen. Während die ausgewachsenen Insekten Fraßschäden an Blättern, Blüten und Früchten verursachen, fressen die bodenbewohnenden Larven (Engerlinge) an den Wurzeln der betroffenen Pflanzen und nehmen diesen so die Möglichkeit zur Wasser- und Nährstoffaufnahme.

Lockstoffe können auf verschiedene Weise dazu beitragen, eine aus dem natürlichen Gleichgewicht geratene Schädlingspopulation zu regulieren. So kann zum Beispiel durch Massenfang ein Großteil der Schadinsekten in einem bestimmten Areal in Lockstofffallen gefangen und abgetötet werden. Zudem können Lockstofffallen für das so genannte "Monitoring" eingesetzt werden, um die Entwicklung einer Insektenpopulation zu kontrollieren und drohende Massenvermehrungen rechtzeitig zu erkennen. "Auf diese Weise kann dann gegebenenfalls der geeignete Zeitpunkt für weitere Bekämpfungsmaßnahmen bestimmt werden", erklärt der Insektenforscher Ruther.

Das Lockstoffgemisch zieht sowohl männliche als auch weibliche Käfer an. Mit diesem Gemisch bestückt er eine ebenfalls von ihm entworfene Falle, bei der über einen Dispenser die Lockstoffe freigesetzt und die fliegenden Käfer gefangen werden. Die Trichterfalle wird etwa in einem halben bis einen Meter Höhe installiert. "In dieser Höhe fliegen die Käfer während des Schwärmfluges, so dass die Falle hier am wirkungsvollsten ist", erläutert Joachim Ruther.

Die Falle besteht aus einem mit senkrechten Prallflächen versehenen Trichter, durch den die angelockten Käfer in eine Kunststofftüte fallen, aus der sie nicht wieder entkommen können. Der Lockstoffdispenser wird direkt über den Prallflächen angebracht. Bestehen die Prallflächen aus gelbem - im Gegensatz zu grauem - Kunststoff, steigt die Zahl gefangener Käfer drastisch an. "Das hängt wohl damit zusammen, dass die gelben Fallen in Kombination mit den verwendeten Pflanzenduftstoffen auf die Käfer wie Blüten wirken, durch die sie verstärkt angezogen werden", so Ruther. Joachim Ruther entwickelt jetzt eine weitere Bekämpfungsstrategie für die Gartenlaubkäferplage bei Obstbaumkulturen.
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