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Regengürtel Afrikas überrascht Forscher
Ausdehnung statt einfacher Verschiebung widerspricht Theorie
Der afrikanische Regengürtel verhält sich nicht wie der übrige Teil des globalen, die Erde beiderseits des Äquators umspannenden Regenbands. Statt eine einfache Nord-Südwanderung durchzuführen, dehnte sich der Regengürtel über Afrika mehrfach im Laufe der letzten 23.000 Jahre aus. Diese jetzt in „Nature Geoscience“ veröffentliche Erkenntnis ist überraschend, denn sie widerspricht der vorherrschenden Theorie.
Der Regengürtel beschert Zentralafrika grüne Regenwälder
Der Regengürtel beschert Zentralafrika grüne Regenwälder
© NASA/GSFC Der Regengürtel beschert Zentralafrika grüne Regenwälder
Der afrikanische Regengürtel ist Teil des globalen Regenbandes, das sich entlang der Äquatorregionen um den ganzen Erdball spannt. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des globalen Wasserkreislaufs sowie der atmosphärischen Zirkulation. Der afrikanische Regengürtel liegt wie ein großes Niederschlagsband über dem Kontinent und pendelt im Wechsel der Jahreszeiten zwischen dem südlichen und dem nördlichen 20. Breitengrad. Er folgt dabei der Sonne, die im Juni am nördlichen Wendekreis im Zenit steht, im Dezember am südlichen Wendekreis. Dieses wandernde Regenband bestimmt die regionale Niederschlagsmenge und somit die regionale Vegetation.

Vegetation der letzten 23.000 Jahre rekonstruiert
Zusammen mit Kollegen aus Norwegen, den Niederlanden und China haben Bremer Meeresforscher um den Geologen James Collins nun die Ausbreitung der Pflanzenwelt in den äquatornahen Gebieten des afrikanischen Kontinents während der letzten 23.000 Jahre rekonstruiert. Dies erlaubt den Wissenschaftlern Rückschlüsse auf die Niederschlagsmenge und die Lage des afrikanischen Regengürtels. Für die Studie untersuchten die Forscher Meeresablagerungen, die vor der Westküste Afrikas gewonnen wurden. Sie enthalten Pflanzenreste, die mit dem Wind westwärts auf das Meer hinaus getragen und am Meeresgrund abgelagert wurden.

Proben von beiderseits des Äquators
„Durch Bestimmung des Verhältnisses von schwerem zu leichtem Kohlenstoff in den Pflanzenresten können wir Rückschlüsse auf die Niederschlagsmenge machen.“ erklärt MARUM-Wissenschaftler Enno Schefuß die moderne Methode. Dabei verfolgten sie einen neuen Ansatz: Erstmalig untersuchten sie vergleichbare Proben nördlich und südlich des Äquators und decken so die gesamte Breite des Regengürtels ab. „Nur im Vergleich der Ergebnisse für beide Erdhabkugeln konnten wir gleichzeitige Veränderungen in der Ausdehnung nach Norden und Süden erkennen“, erklärt der ebenfalls an der Studie beteiligte MARUM- Wissenschaftler Stefan Mulitza.

Ausdehnung statt nur Verschiebung
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das afrikanische Regenband in der Vergangenheit mehrmals ausdehnte und wieder zusammenzog, wobei die Bewegungen auf der Nord- und Südhalbkugel symmetrisch abliefen.“ berichtet Collins. Bislang gingen Forscher davon aus, dass sich das afrikanische Regenband in der Vergangenheit im Ganzen nach Norden beziehungsweise Süden verschob, ohne dabei seine Breite zu verändern.

Die aktuellen Forschungsergebnisse sollen nun dabei helfen, Klimamodelle zu verbessern, um genauere Prognosen für die Zukunft zu ermöglichen. „Über die Dynamik des heutigen Regenbandes über Afrika wissen wir nur wenig und immer wieder tauchen Unstimmigkeiten zwischen den wissenschaftlich gewonnenen Klimadaten und den theoretischen Klimamodellen auf.“ erklärt Geologe Collins.
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