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Mittwoch, 29.06.2016
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Weniger Fleischverzehr hilft dem Klima

Nahrungsanpassung könnte landwirtschaftliche Treibhausgas-Emissionen um 80 Prozent senken

Bis zum Jahr 2055 könnte der landwirtschaftlich bedingte Ausstoß von Methan und Lachgas um mehr als 80 Prozent reduziert werden – nur dadurch, dass wir weniger Fleisch und Milchprodukte essen. Das ergibt ein Modell von Klimaforschern. Demnach reicht eine Reduktion dieser Treibhausgas-intensiven Nahrungsmittel in unserem Speiseplan um ein Viertel alle zehn Jahre, um auf das Emissionsniveau von 1995 zurückzukommen.
Weniger Fleisch = weniger Treibhausgase

Weniger Fleisch = weniger Treibhausgase

Der Ausstoß von Treibhausgasen in der Landwirtschaft, größtenteils Lachgas und Methan, hat in den letzen Jahren stetig zugenommen. Im Jahr 2005 betrug sein Anteil an sämtlichen vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen etwa 14 Prozent. Lachgas ist ein etwa 300mal, Methan ein etwa 20mal wirksameres Treibhausgas als Kohlendioxid. Die Emissionen entstehen beim Ausbringen synthetischer Düngemittel auf Ackerland und in überfluteten Reisfeldern. Weil für die Produktion von Fleisch und Milch viel Futtermittel eingesetzt wird, führt deren Herstellung auch zu einer Zunahme des Düngemitteleinsatzes. Zusätzliche Emissionen entstehen durch die Ausscheidung, die Behandlung und das Ausbringen von Dung sowie durch die mikrobielle Zersetzung von Pflanzen im Verdauungstrakt von Wiederkäuern.

Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun den Einfluss des Nahrungsmittelkonsums und der landwirtschaftlichen Produktionstechnik auf das Klima mit einem Computermodell der globalen Landnutzung untersucht. Die Simulationen beruhen auf Informationen über die Bevölkerungsentwicklung, das Einkommen, Nahrungsmittelbedarf und Produktionskosten sowie auf räumlich aufgelösten Daten zu möglichen landwirtschaftlichen Erträgen. Die Ergebnisse ihrer Modellierungsstudie wurden kürzlich im Fachmagazin „Global Environmental Change“ veröffentlicht.

Milch und Fleisch machen einen Unterschied


Das Ergebnis: Den Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten einzuschränken und landwirtschaftliche Produktionsmethoden anzupassen, würde die globalen Emissionen von Treibhausgasen deutlich vermindern. Wie die Berechnungen zeigen, würden die Lachgas- und Methanemissionen bis zum Jahr 2055 deutlich zunehmen, wenn der Pro-Kopf-Verbrauch von Lebensmitteln qualitativ und quantitativ so bleibt wie im Jahr 1995. Berücksichtigt man einen mit steigendem Einkommen zunehmenden Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten, nehmen die Emissionen noch stärker zu.


Würde der Bedarf an Fleisch- und Milchprodukten alle zehn Jahre zwischen 2015 und 2055 um jeweils ein Viertel vermindert, sänken die Emissionen dagegen auf ein Niveau unter dem von 1995. „Milch und Fleisch machen wirklich einen Unterschied“, sagt Alexander Popp vom PIK. „Vermindern wir den Konsum dieser Lebensmittel, könnten wir die künftigen landwirtschaftlichen Emissionen von Lachgas und Methan unter das Niveau von 1995 senken“, erklärt der leitende Autor der Studie.

Emissionen um um 84 Prozent reduzierbar


„Neben der bewussten Ernährung auf der Konsumentenseite können technische Maßnahmen auf der Produzentenseite die Emissionen deutlich senken“, so Popp. Diese Reduktionen seien jedoch geringer als bei der Ernährungsumstellung. Das größte Einsparpotenzial könnte mit einer Kombination beider Ansätze ausgeschöpft werden, berichten die Forscher. Im Vergleich zu dem Szenario, das das erwartete Bevölkerungswachstum und die Bedarfszunahme für Fleisch- und Milchprodukte berücksichtigt, könnten die Emissionen von Lachgas und Methan bis zum Jahr 2055 um 84 Prozent vermindert werden.

Fleisch- und Milchprodukte leisten mit durchschnittlich rund einem Drittel der Proteinversorgung jedoch auch einen wichtigen Beitrag zur Welternährung. Viele arme und unterernährte Menschen in Entwicklungsländern, die häufig an Proteinunterversorgung leiden, können ihren Konsum nicht weiter einschränken. Im Gegensatz dazu hätte in den Industrienationen eine weniger fleischhaltige Ernährung positive Gesundheitseffekte, merken die Autoren an.
(Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK), 29.06.2010 - NPO)