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Mittwoch, 29.03.2017
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Roboter-Teleskop sucht nach erdähnlichen Exoplaneten

Suche nach verräterischen Planetentransits mit vollautomatischem Beobachtungsprogramm

In Chile nimmt ein neues Roboter-Teleskop den Betrieb auf, das künftig gezielt erdähnliche Planeten um andere Sterne ausfindig machen soll. Das am La Silla- Observatorium der Europäischen Südsternwarte installierte Instrument kann vollautomatisch zuvor einprogrammierte Beobachtungsprogramme abarbeiten. Es soll neben Exoplaneten auch Kometen am Südhimmel beobachten.
Das TRAPPIST-Teleskop auf La Silla

Das TRAPPIST-Teleskop auf La Silla

Am La Silla- Observatorium der Europäische Südsternwarte ESO in Chile hat ein neues robotisch betriebenes Teleskop den Beobachtungsbetrieb aufgenommen. Das „TRAnsiting Planets and PlanetesImals Small Telescope”, kurz TRAPPIST, ist ein automatisches Teleskop in Leichtbauweise mit einem Spiegeldurchmesser von 60 Zentimetern. Der Betrieb mit schneller Positionierung und präziser Nachführung am Himmel erfolgt vollautomatisch. Das Beobachtungsprogramm wird im Voraus erstellt; die Steuerung erfolgt von einem Kontrollraum im 12.000 Kilometer entfernten Lüttich in Belgien. Anschließend ist das Teleskop in der Lage, die gesamte Nacht hindurch unbeaufsichtigt zu arbeiten. Eine Wetterstation überwacht die Witterungsbedingungen und entscheidet bei Bedarf, ob die Kuppel geschlossen werden muss.

Transit soll Exoplaneten verraten


TRAPPIST soll Exoplaneten nachweisen und untersuchen, indem es mit hoher Präzision winzige, durch in seinem Orbit kreisende Planeten erzeugte Helligkeitsschwankungen im Licht des Sterns vermisst. Zu diesem so genannten Planetentransit kommt es immer dann, wenn ein Planet auf seiner Umlaufbahn von der Erde aus gesehen vor seinem Mutterstern entlangläuft und dabei einen kleinen Teil des Sternlichts abschirmt. Bei dieser Art von “Sternfinsternis” ändert sich die scheinbare Helligkeit des Sterns; aus der Größe der Änderung lässt sich der Durchmesser des Planeten bestimmen. Zusammen mit sogenannten Radialgeschwindigkeitsmessungen ist es dann möglich, die Masse und daraus dann die Dichte des Planeten zu ermitteln.

„Erdähnliche Gesteinsplaneten sind der richtige Ort, um außerhalb unseres Sonnensystems nach Leben zu suchen. Und von Kometen wird vermutet, sie könnten bei der Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde eine entscheidende Rolle gespielt haben”, erklärt der Astronom Emmanuël Jehin, der den Kometenteil des Projekts leitet.


Kometen am Südhimmel im Visier


Für die Untersuchungen von Kometen am Südhimmel ist TRAPPIST mit speziellen großen und hochqualitativen Filtern ausgestattet. Sie erlauben es den Astronomen, die Kometen während ihres Umlaufs um die Sonne regelmäßig zu untersuchen und die molekulare Zusammensetzung der von ihnen ausgestoßenen Gase zu bestimmen. „Wir werden pro Jahr mehrere Dutzend Kometen beobachten und mit dieser Menge an Daten mehr über die Natur der Kometen in Erfahrung bringen können”, erläutert Jehin.

„Die beiden Zielrichtungen unseres Projekts sind Teil eines wachsenden interdisziplinären Forschungsgebietes: der Astrobiologie, die den Ursprung und die Verteilung von Leben im Universum untersucht”, erläutert Michaël Gillon, der bei TRAPPIST für die Untersuchung von Exoplaneten zuständig ist.

Atacamawüste als optimaler Standort


„Das La Silla-Observatorium der ESO am Rand der chilenischen Atacamawüste ist mit Sicherheit eine der weltweit besten astronomischen Beobachtungsstandorte. Für unser Roboterteleskop hätten wir keinen geeigneteren Aufstellungsort finden können” erklärt Michaël Gillon, der bei TRAPPIST für die Untersuchung von Exoplaneten zuständig ist. „Dort befinden sich außerdem schon zwei Teleskope, die äußerst erfolgreich bei der Suche nach extrasolaren Planeten eingesetzt werden.”

Mit den Astronomenteams, die diese beiden Teleskope nutzen – das Schweizer 1,2-Meter Leonhard-Euler-Teleskop mit dem CORALIE-Spektrographen und das 3,6 Meter-Teleskop der ESO mit dem Instrument HARPS – wollen die TRAPPIST-Forscher eng zusammenarbeiten. TRAPPIST ist ein Gemeinschaftsprojekt der belgischen Université de Liège und des Schweizer Observatoire de Genève. Dank des Engagements der Kooperationspartner konnte das Projekt ausnehmend schnell realisiert werden: Von der Entscheidung, das Teleskop zu bauen bis zum Beginn des Beobachtungsbetriebs vergingen gerade einmal zwei Jahre. Das Teleskop wurde auf La Silla im Kuppelgebäude des alten Schweizer T70-Teleskops untergebracht.
(ESO, 10.06.2010 - NPO)
 
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