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Donnerstag, 25.05.2017
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Genom eines Getreide-Verwandten entschlüsselt

Wildgras dient als Modell für komplexere Getreide-Genome

Eine internationale Initiative von Wissenschaftlern hat das Genom der Zwenke, eines wild wachsenden Grases entschlüsselt, das mit wichtigen Getreidesorten nahe verwandt ist. Das relativ kleine Erbgut des Grases kann nun als wichtiges Modell für andere Nutzpflanzen dienen, deren Genom bisher zu groß und komplex für die Entschlüsselug war. Die Ergebnisse der Arbeit sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.
Brachypodium distachyon - die Zwenke

Brachypodium distachyon - die Zwenke

Brachypodium distachyon - die Zwenke - ist ein wild wachsendes Süßgras, das mit Gerste und Weizen nah verwandt ist. Durch die nahe Verwandtschaft und das verhältnismäßig kleine Genom stellt es ein hervorragendes Referenzgenom für die genetische und genomische Analyse der wesentlich komplexeren Genome unserer Getreide dar. Das Genom von Brachypodium distachyon ist mit fünf Chromosomen und 272 Megabasenpaaren für eine Graspflanze relativ klein: Die Genome der Kulturformen von Gerste und Weizen sind 20- bis 60-mal so groß und übertreffen auch das menschliche Genom um das Doppelte beziehungsweise das Fünffache.

Analyse nach Schrotschuss-Methode


Zur Analyse des Genoms wandten die Wissenschaftler die "Schrotschuss- Methode" an: Die DNA wird mehrfach kopiert, wie mit einem Schrotschuss in viele kleine Fragmente zerteilt, sequenziert und dann zusammengesetzt. Dank der jetzt bekannten Gensequenz kann Brachypodium in Zukunft wesentlich zur Analyse der strukturellen und funktionellen Genomik der Süßgräser beitragen, deren mehr als 10.000 Arten die Hauptbasis der Ernährung von Mensch und Tier bilden.

Angesichts des riesigen Genoms der meisten Süßgräser war es bisher unmöglich, ihre Genome zu analysieren und zu vergleichen. Das ist nun anders, wie Klaus Mayer vom Institut für Bioinformatik und Systembiologie des Helmholtz Zentrums München erläutert. Er und seine Kollegen warern maßgeblich an der Sequenzierung beteiligt. „Wenn wir in einem bekannten Genom, eben dem von Brachypodium, die in der Evolution konservierte Anordnung von Genen kennen, können wir in anderen Genomen gezielt danach suchen“, so Mayer. „Solche Referenzgene liefern uns sozusagen eine Inventarliste und ein Regalsystem, in dem wir die meisten Gene auch großer Genome wie der Gerste und des Weizens wiederfinden und anordnen können. Die molekularen Daten sind so leichter zu interpretieren. Damit wird die Analyse der großen Getreidegenome revolutioniert."


Genetische Beziehungen zwischen Getreiden entdeckt


So entdeckten die Wissenschaftler des Konsortiums mehrere Zehntausend genetische Beziehungen zwischen Brachypodium, Reis, Sorghum und Weizen. Diese generelle Ähnlichkeit in Gengehalt und -struktur unterstreicht den Wert des Brachypodiums als Modell für die funktionelle Genomik unserer Getreide. Die vergleichende Genomanalyse gibt Aufschluss etwa über die Evolution der Genomgröße, Verteilung und Vervielfältigung von Genen oder Rekombinationsvorgänge; sie hilft, Gene zu identifizieren und ihre Funktion aufzuklären.

Die Analyse des Genoms Brachypodiums, erklärt Mayer, ist ein wesentlicher Fortschritt zur nachhaltigen Sicherung der Nahrungsgrundlage des Menschen. Die neu gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung dafür, gezielt verbesserte Getreidesorten zu züchten und tragen so zum effizienten Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln unter sich ändernden Umweltbedingungen bei.
(Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, 11.02.2010 - NPO)
 
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