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Samstag, 11.02.2012
Routenplaner und Karten für Haiti-Helfer
Deutsche Wissenschaftler liefern Daten für Katastrophenhelfer auf Haiti
70.000 Todesopfer sind es in Haiti bereits, Experten erwarten jedoch bis zu 200.000 Tote nach dem katastrophalen Erdbeben. Hilfskräfte aus aller Welt sind nach wie vor im Einsatz. Um ihnen aussagekräftige und aktuelle Informationen zur Situation vor Ort, zum Zustand der Infrastruktur und zum Ausmaß der Schäden zu liefern, helfen auch deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen mit, indem sie Karten, Routenplanet und Satellitenbilder für die Hilfsorganisationen und die UN bereitstellen.

Der Routenplaner zeigt passierbare und blockierte Straßen
Der Routenplaner zeigt passierbare und blockierte Straßen
© Universität Heidelberg Der Routenplaner zeigt passierbare und blockierte Straßen
Routenplaner zeigt freie Straßen an
Die Geoinformatiker der Universität Heidelberg haben nach dem Erdbeben schnell reagiert. Sie stellten einen Notfall- Routenplaner ins Internet. Insbesondere Hilfskräfte können damit online die schnellste Wegstrecke unter Berücksichtigung zerstörter Straßen und Gebiete ermitteln. Den Routing-Dienst hat die Arbeitsgruppe von Professor Alexander Zipf innerhalb von nur zwei Tagen realisiert. Das Logistic Cluster der Vereinten Nationen (UN) setzt ihn bereits ein.

Der Notfall-Routenplaner basiert auf dem OpenRouteService der Heidelberger Arbeitsgruppe und nutzt die freien Geodaten der Wiki- Weltkarte OpenStreetMap (OSM). Direkt nach dem Erdbeben auf Haiti haben Freiwillige weltweit begonnen, die OSM-Datenbasis durch das Abdigitalisieren von freien Luftbildern zu aktualisieren. Auch Studierende des Geographischen Instituts der Universität Heidelberg helfen beim Editieren von Daten mit. Die Arbeitsgruppe von Zipf hatte die UN-Einsatzkräfte bereits im Jahr 2008 bei der durch Hurrikan Ike verursachten Katastrophe auf Haiti durch einen ähnlichen Dienst unterstützt.

Erste Karten aus Satellitenbildern
Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellten aktuelles, aus Satellitendaten gewonnenes Kartenmaterial der Krisenregion frei zur Verfügung. Momentan ist Port-au-Prince, die von der Zerstörung besonders betroffene Hauptstadt des Inselstaates in der Karibik im Fokus der Forscher. „Schon kurz nach dem Erdbeben, das sich um 21.53 Uhr Weltzeit am 12. Januar 2010 ereignete, lösten die Vereinten Nationen (UN) den so genannten 'Charter Call' aus", berichtet Schneiderhan.

In Deutschland werden die dann für diesen Fall hergestellten, satellitenbasierten Karten beispielsweise vom Gemeinschaftlichen Melde- und Lagezentrum beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe abgefragt. Von hier erreichen die Informationen dann unter anderem Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk oder das Deutsche Rote Kreuz. Diese erste Lageeinschätzung unterstützt Bergungsteams bei ihrer Arbeit, hilft aber auch bei der Suche nach geeigneten Plätzen zur Installation von Wasseraufbereitungsanlagen oder mobilen Krankenhäusern.

Aktuelle Infrastrukturdaten aus Radaranalysen
Um den nationalen und internationalen Hilfsorganisationen einen Überblick über Qualität und Quantität der zerstörten Infrastruktur zu geben, haben in den vergangenen Tagen rund 25 DLR-Wissenschaftler rund um die Uhr an der Sammlung, Verarbeitung und Analyse von Radar- und optischen Daten gearbeitet. Der Geograph und DLR-Wissenschaftler Tobias Schneiderhan koordiniert die Arbeit des Zentrums für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) des DLR im Katastrophenfall "Haiti.

„Wir müssen möglichst schnell möglichst hoch aufgelöste Rohdaten prozessieren und als allgemein verständliches Kartenmaterial zur Verfügung stellen, damit die Helfer im Katastrophengebiet wissen, wo überhaupt noch Straßen befahrbar sind, wo Häuser stehen, wo Freiflächen wie etwa große Parkplätze oder Stadien sind, die beispielsweise für Soforthilfe-Einrichtungen genutzt werden können", erklärt Schneiderhan.

Unser Special zum Erdbeben in Haiti finden Sie hier
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