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Samstag, 30.07.2016
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Oktopus trägt Kokosnussschalen

Erster Beleg für Werkzeugnutzung bei einem wirbellosen Tier

Ein Oktopus hat sich als das erste wirbellose Tier entpuppt, das Werkzeuge gebraucht. Wenn die Kopffüßer aus ihrer Wohnhöhle aus Kokosschalen vertrieben werden, sammeln, stapeln und tragen sie die Schalen mit sich. Dabei staksen sie auf ihren steifen acht Armen über den Meeresboden, wie australische Forscher jetzt in „Current Biology“ berichten.
Amphioctopus marginatus bei der Arbeit

Amphioctopus marginatus bei der Arbeit

Amphioctopus marginatus ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Kopffüßer: mittelgroß, mit rund 15 Zentimeter langen Fangarmen und einem typischen Farbmuster aus verzweigten, venenähnlichen Linien auf dem Körper. Er lebt auf den Sandböden des tropischen Westpazifiks und baut sich gerne Schutzhöhlen aus ins Wasser gefallenen Kokosnussschalen. Doch sein Verhalten hat es in sich: Schon 2005 ertappten Forscher Oktopusse dieser Art dabei, wie sie zwei ihrer Arme wie Beine benutzten und damit über den Meeresboden liefen.

Schalentransporter auf acht Beinen


Jetzt haben Biologen des Museum Victoria im australischen Melbourne die Tiere erneut bei einem ungewöhnlichen Verhalten beobachtet – und dies per Zufall. Einer der Forscher, Julian Finn, berichtet: „Ich konnte sehen, dass der Oktopus etwas vor hatte. Er hantierte mit den Schalen herum.“ Das war nicht außergewöhnlich, da sich die Tiere aus diesen Schalen gerne Schutzhöhlen bauen und sie dann mit ihren Armen herumzerren. „Aber nie hätte ich erwartet, dass er die Schalen aufheben würde und mit ihnen weglaufen. Es war ein extrem komischer Anblick – noch nie habe ich unter Wasser so gelacht.“

Wenn der Oktopus aus seiner Wohnhöhle verscheucht wurde, schwamm er nicht etwa einfach fort. Stattdessen stapelte er zunächst mehrere der halben Kokosschalen seiner Höhle übereinander. Dann machte er alle acht Arme steif und hob sich selbst und die Kokosschalen damit in die Höhe, so dass er wie auf acht Stelzen stand. In dieser Haltung lief der Oktopus dann mitsamt seiner Schalenbeute über den Meeresboden davon. Die Forscher entdeckten im Laufe ihrer Tauchgänge noch weitere Beispiele für dieses Verhalten auch bei anderen Individuen der gleichen Art. Zeitweise liefen die Tiere sogar bis zu 20 Meter weit mit ihrer Schalenfracht, um sich dann am neuen Ort daraus wieder eine neue Höhle zu bauen.


Beleg für Intention und echte Werkzeugnutzung


Für die Wissenschaftler ist dies der erste klare Beleg für echten Werkzeuggebrauch bei Wirbellosen Tieren. In der Verhaltensbiologie ist ein Werkzeug jeder Gegenstand, der zur späteren Verwendung gezielt aufgenommen und mitgeführt wird. Denn im Gegensatz zum einfachen Manipulieren der Schalen um daraus eine Höhle zu formen, setzt das Mitnehmen die Intention voraus, sie später als Baumaterial zu verwenden. „Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen dem einfachen Aufheben eines nahebei herumliegenden Gegenstands um ihn sich schützend als Höhle über den Kopf zu stülpen und dem gezielten Sammeln, Ordnen und Transportieren des Materials“, erklärt Mark Norman vom Museum Victoria.

„Die Entdeckung dieses Oktopusses, wie er über den Meeresboden stakst mit seinen begehrten Kokosnussschalen im Gepäck deutet darauf hin, dass selbst marine Wirbellose Verhaltensweisen zeigen können, die wir einst für ein Privileg des Menschen hielten“, so Finn. Nach Ansicht der Forscher bildet das Sammeln und Nutzen von Objekten bei Tieren eine Art Kontinuum, das sich von Insekten bis hin zu Primaten erstreckt. Wo die genaue Grenze für den Werkzeuggebrauch liegt, sei daher immer wieder Gegenstand für Diskussionen. Im vorliegenden Fall aber sehen sie einen klaren Beleg dafür vorliegen.
(Cell Press, 17.12.2009 - NPO)