Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
Katzenminze gegen Nierenkrebs
Chemiker synthetisieren neuen Anti-Tumor- Wirkstoff aus der Pflanze
Bei Katzen löst das Öl der Katzenminze rauschhafte Erregungszustände aus. Doch die gleiche chemische Verbindung ist auch Startmaterial für einen vielversprechenden Wirkstoff zur Bekämpfung von Nierenkrebs. Chemikern der TU Dortmund ist es jetzt erstmals gelungen, aus dem Öl der Katzenminze die Anti- Tumor-Verbindung Englerin A synthetisch herzustellen.

Katzenminze
Katzenminze
© GFDL Katzenminze
Englerin A, ein kürzlich in einer afrikanischen Pflanze entdeckter Wirkstoff, wirkt toxisch auf Nierenkrebszellen, ohne jedoch andere Zellen zu schädigen. Daher ist diese Verbindung potenziell für die Krebstherapie geeignet. Doch seine Gewinnung ist aufwändig. Jetzt jedoch haben Wissencshaftler eine Alternative entdeckt: „Wir haben festgestellt, dass einer der Inhaltsstoffe der Katzenminze in seiner Struktur dem Englerin A ähnelt", erklärt Mathias Christmann, Professor für Organische Chemie an der TU Dortmund.

Schritt für Schritt zur Synthese
Daraufhin haben seine Mitarbeiter Matthieu Willot und die Diplom-Chemikerin Lea Radtke damit begonnen, den Wirkstoff der Katzenminze (Nepeta Cataria) so zu verändern, dass er am Ende in Englerin A überführt werden konnte. Schritt für Schritt haben sie dafür im Labor die molekulare Struktur der Katzenminze abgeändert. Erstmals gelungen ist die Totalsynthese, also die künstliche Herstellung von Englerin A auf Basis von Katzenminze, im Sommer 2009. In der internationalen Fachpresse wird dieser Erfolg als "wissenschaftliches Highlight" vorgestellt.

„Abgucken“ Mit Vorteilen
Im Gegensatz zur Isolierung aus Pflanzen, Pilzen oder Bakterien hat die Synthese von Naturstoffen mehrere Vorteile: Zum einen ist es oft die einzige Möglichkeit größere Mengen der Verbindung für Tests zur Verfügung zu stellen. Zum anderen kann der Wirkstoff so für die spezielle Anwendung optimiert werden. Beim "Nachbau" von Naturstoffen können die Chemiker sich direkter auf die gewünschte Wirkung auf den Menschen konzentrieren - die Naturstoffe selbst lassen sich nur teilweise in ihrer Struktur verändern.

Wie das synthetische Englerin A nun in der therapeutischen Praxis eingesetzt werden kann, wollen
Christmann und sein Team in Kooperation mit Biologen und anderen Wissenschaftlern erforschen. Aber schon jetzt freuen sie sich über den großen Erfolg der Totalsynthese eines Wirkstoffs gegen Nierenkrebs und sind sich einig: "Das ist wirklich toll für einen Wissenschaftler, wenn er einen Beitrag
zur medizinischen Forschung leisten und anderen Menschen dadurch helfen kann."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Krebs, Katzenminze, Wirkstoff, Tumor, Krebstherapie, Pflanzeninhaltsstoff, Synthese, Chemie, Medizin, Arznei, Botanik
Weitere News zum Thema
Immunzellen weisen Lymphgefäßen den Weg (18.03.2010)
Weiße Blutkörperchen geben Startsignal zur Bildung von Lymphbahnen
Zellen arbeiten mit Doppelschlag gegen Krebs (17.03.2010)
Bisher für unabhängig gehaltene Schutzprogramme der Zelle agieren doch im Verbund
DNA-Schäden: Gelöste Elektronen gefährlicher als freie Radikale? (08.03.2010)
Forscher entdecken möglichen neuen Mechanismus für Strahlenschäden am Erbgut
Immunsystem: „Zweite Meinung“ schützt vor Überreaktion (01.03.2010)
Mechanismus der spezifischen Aktivierung der Killer-T-Zellen aufgeklärt
Schwangerschaftshormon auch in Walnussbäumen (25.02.2010)
Forscher weisen Progesteron in höheren Pflanzen nach
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Medizinpflanzen
Dossiers zum Thema
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Pflanzenmedizin
Arzneimittel aus der „Apotheke“ der Natur
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Der Tod
Tabu und Faszination
News des Tages
Versauerung macht Meere lauter
Kuipergürtel: Kleine Objekte Mangelware
Katzenminze gegen Nierenkrebs
DNA-Schnipsel als Hauptschalter
Erneuerbare Energien und Energieeffizienz unterschätzt
Wie viel Blutzucker darf man haben?
Endlich Licht im Motor
Bücher zum Thema
Medikamente bei Krebs
von Annette Bopp
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Top-Clicks der Woche
1. Licht verbiegt Materie
2. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
3. Super-Supernova: Weißer Zwerg sprengt Massegrenze
4. „Stein von Rosetta“ der Exoplaneten gefunden
5. Neuer langlebigerer Akku für mobile Geräte