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Samstag, 11.02.2012
Mega-Staudämme gefährden Flüsse
21 besonders bedrohte Ströme identifiziert
Der unkontrollierte Bau von Mega-Staudämmen gefährdet das ökologische Gleichgewicht der wasserreichsten Flüsse unseres Planeten. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des WWF identifiziert die 21 am stärksten durch in Bau befindliche oder geplante Dämme bedrohten Ströme.

Amazonasausläufer
Amazonasausläufer
© IMSI MasterClips
An der Spitze steht der Jangtse in China mit 46 Bauvorhaben. Es folgen der La Plata in Argentinien mit 27 sowie Tigris und Euphrat im Mittleren Osten mit 26 Dämmen. In Europa sind die Donau mit acht und der Ebro mit sechs neuen Staudämmen besonders betroffen. Zu den gefährdeten Giganten zählen auch der Amazonas, der Mekong und der Brahmaputra.

Staudämme durchschneiden drei von fünf der 227 größten Flüsse. Die massiven Eingriffe zerstören wertvolle Feuchtgebiete und reduzieren die Bestände von Flussdelfinen, Fischen und Vögeln. Viele Millionen Menschen werden aus ihrer Heimat vertrieben und umgesiedelt, um Platz für riesige Stauseen zu schaffen.

Dämme bieten nach Ansicht des WWF zwar auch Vorteile wie Wasserkraft, landwirtschaftliche Bewässerung und Flutkontrolle. Allerdings ignorieren die Regierungen bei ihren Planungen nur allzu oft die Empfehlungen der Welt-Kommission für Staudämme (WCD). Deshalb würden die ökologischen und sozialen Kosten den Nutzen der Megaprojekte häufig übertreffen. Die so entstehenden Schäden für Mensch und Natur könnten vermieden werden. Allein ineffiziente Bewässerungssysteme führen laut der WWF-Studie jährlich zur Verschwendung von 1,5 Billionen Liter Wasser. Das ist zehnmal mehr, als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent pro Jahr verbraucht wird.

„Staudämme sind für Mensch und Natur Fluch und Segen zugleich“, bilanziert Ute Collier, Leiterin der Staudamm-Initiative des WWF. „Die Menschen, die direkt von den gigantischen Bauprojekten betroffen sind, profitieren nur selten von den Vorteilen – sie bekommen weder Strom noch sauberes Wasser.“ Besonders die flussabwärts liegenden Gemeinden würden in Mitleidenschaft gezogen: Stauseen graben ihnen das Wasser ab und reduzieren die Fischbestände. Die Dämme verringern den Sauerstoff- und den Nährstoffgehalt der Flüsse. Sie behindern Wanderung und Fortpflanzung vieler Süßwasserarten. So drohe beispielsweise in China der Jangtse-Flussdelfin zu verschwinden, wenn die Zerstörung seines Lebensraumes wie geplant weiter voranschreitet.

Eine Alternative zum Bau weiterer Mega-Dämme sei eine effizientere Wassernutzung. Der WWF fordert die Regierungen auf, die Empfehlungen der WCD zu berücksichtigen, und mahnt eine strengere Gesetzgebung an. Ausdrücklich begrüßt die Naturschutzorganisation die Wasser-Rahmenrichtlinie der EU. Sie erlaubt nur dann neue Staudämme, wenn es keine ökologische Alternative gibt.
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