• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 24.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Umweltfaktoren erziehen Blutzellen

Zytokine steuern Linienentscheidung

Ein Münchener Wissenschaftlerteam hat ein neues Verfahren entwickelt, mit dem die Differenzierung von Blutstammzellen auf Einzelzellebene beobachtet werden kann. Mit dem Verfahren konnten die Forscher erstmals beweisen, dass nicht allein zelleigene Mechanismen, sondern äußere Umwelteinflüsse wie etwa Wachstumsfaktoren die Linienentscheidungen der Vorläuferzellen direkt steuern.
Zytokin-induzierte Entwicklung von Makrophagen aus Vorläufern

Zytokin-induzierte Entwicklung von Makrophagen aus Vorläufern

Die in der aktuellen Ausgabe von „Science“ vorgestellten Ergebnisse liefern einen wesentlichen Baustein für das Verständnis der molekularen Mechanismen der Blutbildung. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um den therapeutischen Einsatz von Stammzellen zu optimieren, so die Wissenschaftler um Dr. Timm Schroeder am Helmholtz Zentrum München.

Seit Jahrzehnten diskutieren Forscher, welchen Anteil jeweils die genetische Disposition einerseits und Umweltfaktoren andererseits an der Entwicklung des Menschen haben. Die gleiche Diskussion führen auch Hämatologen und Stammzellforscher bei der Frage, ob die Differenzierung von multipotenten Vorläuferzellen allein durch zelleigene Mechanismen oder auch durch die Umwelt der Zelle beeinflusst wird.

Rolle von Wachstumsfaktoren bisher unbekannt


Insbesondere war bislang die Rolle von Wachstumsfaktoren wie zum Beispiel Zytokinen ungeklärt: Beeinflussen sie Linienentscheidungen der Zellen direkt oder steuern sie nach vollendeter Linienentscheidung lediglich das Überleben der Zelle? Trotz der immensen, nicht zuletzt auch kommerziell weitreichenden, Bedeutung von Zytokinen für den klinischen Alltag war diese Frage immer noch eine der großen Unbekannten in der Stammzellbiologie des Blutes.


„Uns fehlte bislang die geeignete Technologie, um die Prozesse der Zelldifferenzierung zu beobachten und quantitativ zu erfassen“, sagt Schroeder. „Wir wussten daher nicht, was in dieser Zeitspanne genau geschieht.“ So konnte auch die Rolle der Zytokine bislang nicht vollends aufgeklärt werden.

Neue Bioimaging-Ansätze entwickelt


Schroeders Team hat nun neue Bioimaging-Ansätze entwickelt, mit denen sich Stammzellen langfristig und auf Einzelzellebene beobachten lassen. Je nach Art der vorhandenen Zytokine enthielten Kulturen von Blutvorläuferzellen nach einigen Tagen nur noch einen Zelltyp.

Ob dies eine Folge direkter Zytokinsteuerung war, oder lediglich der Aussortierung „falsch differenzierter“ Zellen durch Zelltod zu verdanken war, war bislang unbeantwortet geblieben. Dank der neuartigen Einzelzellbeobachtung konnte Dr. Michael Rieger zusammen mit Studenten in Schroeders Team nun erstmals zeigen, dass während des gesamten Zelldifferenzierungsprozesses kein Zelltod nachzuweisen ist.

Zytokine als „Erzieher“


Dies beweist nach Angaben der Forscher eindeutig, dass die Linienentscheidung von Blutzellen durch äußere Umwelteinflüsse wie in diesem Falle von Zytokinen gesteuert werden kann. Die Blutzellen werden quasi von den Zytokinen „erzogen“.

„Die Ergebnisse bestätigen uns, dass Signalwege, welche durch Zytokinrezeptoren aktiviert werden, die Linienentscheidungen der Zellen beeinflussen“, resümiert Schroeder. Die neue Methode bietet uns nun auch die einzigartige Chance, die Wirkung aller an dem Differenzierungsprozess mitwirkenden Moleküle getrennt voneinander zu beobachten und ihre Rolle besser zu verstehen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um den therapeutischen Einsatz von Stammzellen zu optimieren.
(idw - Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, 13.07.2009 - DLO)
 
Printer IconShare Icon