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Donnerstag, 20.09.2018
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Raum öffnen

Wie sieht der Siedlungsraum der Zukunft aus?

Klar geschnittene Wohnungen, nicht verschachtelt, die Stiegenhäuser nach außen orientiert und hell, man soll sich dort begegnen können, gemeinsam spielen und leben: Geht es nach Maria Schneider vom Institut für Städtebau und Raumplanung der Universität Innsbruck, sieht so die ideale Wohnsiedlung aus.

"All das ist ja nicht neu und wird auch immer wieder geplant, zum Beispiel gibt es schon Generationen-Wohnhäuser für Menschen unterschiedlichen Alters mit Gemeinschaftsküchen im Erdgeschoss, in denen die älteren Bewohner für die Kinder im Haus kochen, wenn deren Eltern in der Arbeit sind", sagt die Architektin. Auf all das hat die städtische Raumplanung Einfluss, wenn auch oft nur begrenzt: In alpinen Städten wie Innsbruck ist die bebaubare Fläche knapp, Verdichtung der einzige Ausweg, um Wohnraum für die wachsende Bevölkerung zu schaffen.

Auch das nimmt dem Wohnen Platz: Autoparkplätze in der Stadt

Häuser statt Parkplätze


Eine Chance, der Verstädterung zu begegnen, sieht Schneider darin, Stadt aufs Land zu bringen: Etwa durch den gezielten Ausbau von Infrastruktur. "In vielen ländlichen Gebieten wäre es möglich, hier mit geschickten Initiativen komplett Neues auszuprobieren: Im Mobilitätsbereich durch gezielte Carsharing-Angebote und durch ausgebauten öffentlichen Verkehr, durch den zielgerichteten Ausbau von Bildungs- und Wohn-Infrastruktur. Dadurch käme etwas Urbanität in den ländlichen Raum, der ohnehin von Abwanderung geplagt ist", sagt sie.

In Tirol sind nur knapp elf Prozent der Landesfläche als Dauersiedlungsraum ausgewiesen, der Rest kann nicht dauerhaft besiedelt werden. Und dieser Raum umfasst auch derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen, außerdem zum Beispiel Straßen und Parkplätze. Und gerade die letzten beiden nehmen Raum für mögliche Wohnhäuser: "Wenn man sich in einer Stadt ansieht, wie viel Platz wir eigentlich für Autos reservieren – ein Parkstreifen, zweispurige Straßen, noch ein Parkstreifen –, müsste man eigentlich schnell auf den Punkt kommen: Das könnte besser gehen", sagt Schneider.

Auch in Innsbruck gebe es Gegenden, wo Siedlungshäuser in einer Straße einen kleinen, nicht nutzbaren Grünstreifen vor dem Haus bekommen haben, dann kommt ein Gehsteig, eine Allee aus Bäumen, ein Parkstreifen und dann die Straße und auf der anderen Straßenseite wiederhole sich das, so die Forscherin. Sie plädiert bei Neuplanung von Siedlungen dafür, öffentlichen Raum als solchen zu begreifen, ihn für die Bevölkerung nutzbar zu machen - und Autos nach Möglichkeit entweder zu verbannen, ihnen aber zumindest nicht so viel Platz einzuräumen wie bisher.

Smarte Urbanität


Den Trend der "Smart Cities", bei denen heute meist Energieeffizienz im Vordergrund steht, erweitert die Architektin um soziale Smartness: Die durchgeplante Stadt muss auch auf soziale Durchmischung achten und darauf, Urbanität entstehen zu lassen. "In einer umfassenden Stadtplanung muss Augenmerk darauf liegen, dass Infrastruktur vorhanden ist. Reine Wohnsiedlungen oder Gewerbegebiete bringen wenig, und wenn ein Wohnhaus geplant wird, braucht es im Erdgeschoss Platz für Läden, Restaurants oder zum Beispiel Werkstätten", betont Maria Schneider.

In der Stadt Drachten gibt es heute keine Ampeln oder Verkehrsschilder mehr

In der Stadt Drachten gibt es heute keine Ampeln oder Verkehrsschilder mehr

Zentraler Punkt von Urbanität ist für die Architektin die gemeinsame Nutzung des öffentlichen Raums, das Aufeinander-Achten: "Die niederländische Stadt Drachten hat schon vor über zehn Jahren alle Ampeln und sogar Verkehrsschilder entfernt, inzwischen gibt es weltweit Nachahmer-Städte. Die Verkehrsteilnehmer achten aufeinander, die Unfallzahlen sind zurückgegangen – dass so etwas funktionieren kann, sieht man ja auch, wenn in Innsbruck an einer großen Kreuzung einmal die Ampel ausfällt: Alle fahren langsamer und sind gezwungen, zu schauen, wer sich noch auf der Straße bewegt."

Die Stadt der Zukunft ist smart, aber auch sozial - und Urbanität beschränkt sich nicht nur auf Städte, sondern die gibt es auch im ländlichen Raum.
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Stand: 06.04.2018
 
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