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Mittwoch, 18.10.2017
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Schächte, Wasser und ein See

Die erste Machbarkeitsstudie

In einer ersten, 2012 gestarteten Projektphase haben die Forscher bereits einige Merkmale der Zeche Prosper-Haniel genauer auf ihre Eignung als Pumpspeicherkraftwerk hin untersucht. Es zeigte sich: "Die Ergebnisse stimmen zunächst optimistisch: Der Standort Prosper Haniel ist von seinen Rahmenbedingungen grundsätzlich technisch und geologisch geeignet", berichtete Projektleiter André Niemann von der Universität Duisburg-Essen im Jahr 2016.

Blick in einen der Schächte in der Zeche Prosper-Haniel

Nachrüsten oder neu bauen?


Zu ihrer eigenen Überraschung mussten die Forscher allerdings feststellen, dass es unter wirtschaftlichen Aspekten teilweise sinnvoller wäre, die vorhandenen Strukturen nicht zu nutzen, sondern neue zu bauen. "Es wäre zum Beispiel aufwendiger, wie ursprünglich geplant alte Stollen wasserdicht zu isolieren und als unterirdischen Wasserspeicher zu nutzen, als einen neuen Stollen anzulegen", erklärt Hermann-Josef Wagner von der Ruhr-Universität Bochum.

Ob die Nutzung des vorhandenen Schrägschachts zum Transport der Maschinen tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll ist, müssen Berechnungen noch zeigen. Möglicherweise wäre es auch hier günstiger, neu zu bauen. "Bei diesen Fragen verlassen wir uns auf die Expertise unserer österreichischen Projektpartner, die schon unterirdische Kraftwerke gebaut haben", sagt Wagner.

Wie tief soll das Reservoir sein?


Was die Tiefe des unterirdischen Wasserspeichers anbelangt, hat die Projektarbeit ergeben, dass rund 500 Meter optimal wären. Zunächst hatten die Forscher zwar auch bis zu 1.000 Meter Tiefe in Betracht gezogen – das würde die Fallhöhe und damit die Energie noch erhöhen. Doch das bringt andere Probleme mit sich: das Grundwasser. Denn auch wenn Wasser die Energie transportiert, muss das Pumpspeicherkraftwerk selbst im Trockenen arbeiten.

Der Vorteil hier: Die RAG als Eignerin des Bergwerks Prosper-Haniel hält das Gebiet bis in 500 Meter Tiefe ohnehin grundwasserfrei. Weil Bergbaugebiete fortwährend und auch über das Ende des Bergbaus hinaus durch Pumpen vor eindringendem Grundwasser geschützt werden müssen. Es ist daher sinnvoll, dies für das unterirdische Kraftwerk auszunutzen, statt aufwändig eine zusätzliche wasserfreie Blase in 1.000 Meter Tiefe zu schaffen.

Das Gelände der Zeche Prosper-Haniel ist ohnehin schon verbaut. Statt Halden und Geräten könnte hier ein See entstehen.

Würde ein See auf dem Gelände akzeptiert?


Der oberirdische See ist noch Gegenstand verschiedener Analysen: Welche Lebewesen würden sich ansiedeln? Wie tief sollte er sein? Kann man ihn im Schatten der Halde anlegen, sodass er in der Landschaft nicht zu sehr ins Auge fällt? Letzteres könnte die Akzeptanz des Pumpspeicherkraftwerks bei der Bevölkerung beeinflussen, die ebenfalls im Projekt untersucht wird.

Erste Ergebnisse hier: 80 Prozent der Befragten im Umfeld von Prosper-Haniel befürworten den Einsatz erneuerbarer Energien, und ebenso viele wollen, dass das Zechengelände nach dem Ende des Bergbaus für Naherholung und Kultur genutzt wird. Industrie, Gewerbe oder Energieversorgung wollen 63,7 Prozent der Befragten gern dort sehen. Unterirdische Pumpspeicherkraftwerke sind allerdings nur knapp einem Drittel der Befragten überhaupt bekannt.

In der aktuellen zweiten Projektphase wollen die Forscher weitere Interviews zum Beispiel mit Kommunalvertretern der Region führen, die die Meinungsbildung beeinflussen.
Meike Drießen, Ruhr-Universität Bochum / RUBIN
Stand: 13.10.2017
 
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