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Die rätselhafte Flotte eines sagenumwobenen Königs
Forscher lüften Geheimnisse des minoischen Seewesens

 König Minos
König Minos
© Michelangelo / gemeinfrei  König Minos
„Minos nämlich war der erste, von dem wir Kunde haben, dass er eine Flotte besaß, die das heute hellenische Meer weithin beherrschte (...). Auch von den Seeräubern reinigte er vermutlich das Meer nach Kräften, um seine Einkünfte zu verbessern.“ Mit diesen Worten bewahrte Thukydides in der Einleitung seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges die griechische Erinnerung an eine ferne Vergangenheit, in welcher der legendäre kretische König Minos über die gesamte Ägäis herrschte. Erst die moderne archäologische Erforschung der Region konnte auf eindrucksvolle Weise nachweisen, dass Thukydides’ Beschreibung einen historischen Kern besitzt.

Meer war Motor der minoischen Kultur
Während der Mittleren und Späten Bronzezeit (circa bis 1500 v. Chr.) entwickelte sich auf der südlichsten europäischen Insel eine Hochkultur, deren Strahlkraft nicht nur die Ägäis, sondern auch Regionen des östlichen Mittelmeers erfasste. Eine Schlüsselrolle in diesem historischen Prozess spielte zweifellos die maritime Aktivität dieser Inselgesellschaft, die Archäologen – nach dem Namen des legendären Königs – als „minoisch“ bezeichnen.

Die günstige geographische Lage der Insel und viele archäologische Zeugnisse der intensiven Außenbeziehungen zeigen, dass das Meer der treibende Motor der wirtschaftlichen und kulturellen Erfolgsgeschichte der minoischen Kultur war.

Trotz der unbestrittenen Bedeutung des Seewesens ist es bis heute äußerst schwierig gewesen, die Voraussetzungen, Entwicklungsstadien und Mechanismen der minoischen maritimen Höchstleistungen zu erklären. Eine ungünstige Überlieferungs- und Publikationslage und das Fehlen einer wissenschaftlichen Systematik zum Auswerten des Materials führten lediglich zu allgemeinen Beobachtungen, die in der Regel um die Fragen der Schiffsgröße und des Schiffantriebs kreisten.

Inseln der Winde
Im Rahmen des innovativ angelegten Projektes „Inseln der Winde: Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis“ bemühen sich seit einigen Jahren der Designer Thomas Guttandin, der Ingenieur Gerhard Plath und der Archäologe Diamantis Panagiotopoulos darum, die Geheimnisse des minoischen Seewesens zu lüften. Dazu werden die unterschiedlichsten Methoden kombiniert.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht die traditionellen archäologischen Fragen, sondern vor allem Probleme praktischen Charakters, welche die technischen Aspekte der Schifffahrt, die Hafenkonstruktion und die logistische Organisation des Seehandels betreffen.

Überreste des minoischen Palastes von Knossos 
Überreste des minoischen Palastes von Knossos
© Apeto / CC BY-SA 2.5  Überreste des minoischen Palastes von Knossos
Keine Schiffsfunde, keine schriftlichen Quellen
Jeder Versuch, eine umfassende Geschichte des minoischen Seewesens zu schreiben, wird vom bruchstückhaften Charakter der relevanten Quellen erschwert. Zum einen fehlen schriftliche Quellen, die auf die Schiffsart, die Häfen oder den maritimen Handel Bezug nehmen. Zum anderen gibt es aus der mehr als 2.000-jährigen Geschichte der minoischen Kultur keinen einzigen Schiffsfund, der uns über Aussehen, Größe, Material, Konstruktion und die Nutzung dieser Schiffe informieren könnte.

Reste von Hafenanlagen und viele Bilder
Die einzigen Grundlagen für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung bieten die spärlichen Reste von Hafenanlagen auf Kreta und die Darstellungen von Häfen und Schiffen in der minoischen Bilderwelt. Bei den Schiffsdarstellungen handelt es sich um zahlreiche Bilder - Ritzungen in Tonschalen, Gravuren auf winzigen Siegeln, bunte Fresken und einfache Tonmodelle -, welche die enge Verbundenheit der Minoer mit dem Meer dokumentieren. Das wesentliche Problem bei den meisten dieser Bilder ist ihre Miniaturgröße und die damit einhergehende stark reduzierte Darstellung.

Die bisherigen Versuche, „echte“ Schiffe aus diesen kleinen und sehr vereinfachten bildlichen Wiedergaben zu rekonstruieren, beruhten auf isolierten Quellen und wurden bisweilen von Archäologen unternommen, die mit den technischen Aspekten des Schiffbaus nicht vertraut waren. Es ist daher nicht überraschend, dass man sehr häufig zu widersprüchlichen Ergebnissen kam.

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