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Freitag, 10.02.2012
Lernen muss Spaß machen
Neuroimaging und seine Bedeutung für die Bildung

Schulunterricht 
Schulunterricht
© MMCD
Von den mithilfe des Neuroimagings gewonnenen Erkenntnissen aus der Hirnforschung, war es nur noch ein kleiner Schritt bis hin zu Vorschlägen für das menschliche Lernen - sei es nun im Kindergarten, in Schule und Hochschulen oder in der Erwachsenenbildung. Neben dem Ulmer Psychologen, Psychiater und Philosophen Professor Manfred Spitzer gehört unter anderem der Magdeburger Professor Henning Scheich zu den „Gurus“ dieser so genannten Neurodidaktik.

Zu ihren Forderungen an das System Schule gehören unter anderem:

  • Lernen sollte so früh wie möglich beginnen;

  • Lernen muss Spaß machen;

  • ein wenig Stress kann das Lernen beflügeln;

  • Emotionen sind für das Lernen unabdingbar;

  • Lehrer müssen Vorbild sein: Sie sollen nicht nur ihr Fach beherrschen, sondern auch selbst davon begeistert sein;

  • Lernsituationen sollten die Möglichkeit bieten, mit allen fünf Sinnen Erfahrungen zu machen;

  • der individuelle Entwicklungsstand der Kinder muss beim Lernen stärker berücksichtigt werden als bisher.

Doch sind solche Rückschlüsse und Rezepte aus der Hirnforschung überhaupt sinnvoll und zulässig? Da haben nicht nur Pädagogen und Bildungsforscher große Bedenken. Denn zu wissen, was beim Lernen im Gehirn passiert und daraus konkrete Unterrichtsplanungen zu entwickeln, die über Banalitäten wie „Lernen muss Spaß machen“ hinausgehen, ist häufig nicht einfach oder sogar unmöglich.

Was sagt der Blick ins Gehirn tatsächlich?
Hinzu kommt, dass der Blick ins Gehirn, das so genannte „Neuroimaging“, möglicherweise gar nicht so ein großes Potenzial hat, wie von vielen Neurowissenschaftlern immer wieder behauptet wird. Dies sagen jedenfalls Forscher vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). Im Mai 2006 haben sie Möglichkeiten und Gefahren der neuen Methoden untersucht und sind in vielen Bereichen zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen: „Die Aussagekraft von Hirnbildern wird zum Teil überschätzt“, so Studienleiterin Bärbel Hüsing.

 Kinder
Kinder
© IMSI MasterClips
Während das Neuroimaging beim Erkennen von Krankheiten wichtige Hilfe leisten kann, sieht dies bei neuropädagogischen Rezepten, die das Lernen im wahrsten Sinne des Wortes zum Kinderspiel machen sollen, aus Sicht des ISI anders aus.

„Das so genannte ‚Neuroimaging’ wird dabei als vermeintlich objektive und ‚harte’ Wissenschaft dargestellt, die der Kognitionspsychologie klar überlegen sei“, so die Fraunhofer-Forscher – eine Behauptung, die sich nach dem heutigen Stand der Technik laut ISI so nicht halten lässt. Wie die Wissenschaftler weiter betonen, ist der Blick ins Gehirn beispielsweise nicht dazu geeignet, bekannte und bewährte psychologische Untersuchungen überflüssig zu machen.

Von Tieren und Menschen
Doch das ist aber noch längst nicht alles: Es hapert anscheinend auch mit der Übertragbarkeit von im Tierversuch ermittelten Resultaten auf den Menschen. „Obwohl die entsprechenden neurochemischen Substanzen wie Dopamin, Noradrenalin und Acetylcholin und die vermittelten Mechanismen als solche bei Tier und Mensch sehr ähnlich sind, muss man sich darüber im Klaren sein, dass die im Tierexperiment untersuchten Lernformen meist einfach sind (…). Derartige Befunde können also nur im begrenzten Umfang dazu genutzt werden, Aussagen über komplexe Lernprozesse beim Menschen zu treffen.“, schreiben Nicole Becker und einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands, Professor Gerhard Roth von der Universität Bremen, in einem Artikel der Fachzeitschrift Ethische Prinzipien der Erwachsenenbildung aus dem Jahr 2004.

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