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Freitag, 10.02.2012
Viel mehr als nur bunte Bilder?
Gehirnforschung liefert neue Erkenntnisse über das Lernen

Früher war Schule einfach. Der Lehrer hatte das Sagen. In seinen Unterricht und was dort gemacht wurde redete ihm keiner rein. Schließlich hatte er schon zahlreiche Klassen durch das System Schule geschleust. Und war nicht aus den meisten Schülern was Ordentliches geworden? Die katastrophalen deutschen Ergebnisse bei der PISA-Studie veränderten alles schlagartig. Nicht nur Bildungsforscher, Psychologen und Verhaltensforscher überhäufen seitdem die Pädagogen in den Schulen und Kindergärten mit Tipps, sondern auch Gehirnforscher.

Neue Erkenntnisse durch bildgebende Verfahren
Sie sehen uns tief ins Gehirn, sie spüren auf, wie wir sprechen, handeln, lernen oder fühlen und zeigen uns dies in imposanten, bunten Bildern: Moderne Methoden der Gehirnforschung wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) haben die Neurobiologie in den letzten Jahren revolutioniert und zu völlig neuen Erkenntnissen über die Arbeitsweise unserer Schaltzentrale geführt.

 Forschungslandschaft Gehirn
Forschungslandschaft Gehirn
© Hemera
Heute kann man beispielsweise die Aktivitäten der verschiedenen Hirnregionen messen und so nachweisen, welche Spuren bestimmte Lernvorgänge oder Sinneseindrücke im „Oberstübchen“ hinterlassen. Im Juni 2006 haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum sogar ein neues bildgebendes Verfahren vorgestellt, das nicht nur Momentaufnahmen im Gehirn erlaubt, sondern die Vorgänge im Gehirn während eines Experiments sogar kontinuierlich aufzeichnet. Um die dabei anfallenden gewaltigen Datenmengen zu bewältigen, kommen Hochleistungsrechner zum Einsatz.

„Es entsteht so ein Film der Änderungen neuronaler Aktivierung während eines Lernprozesses“, erläutert der Neuroinformatiker Hubert Dinse. Die Forscher erhoffen sich davon neue Erkenntnisse darüber, wie Lernprozesse im Gehirn ablaufen oder wie stabil die Lernerfolge sind.

Was der Blick ins Gehirn verrät
Doch was haben die Gehirnforscher mithilfe der modernen Methoden denn nun konkret über die neurochemischen Vorgänge, die beim Lernen oder beim Erinnern ablaufen, herausgefunden? Welche Lehren kann man daraus für das Lernen in Grundschule oder Kindergarten ziehen? Zu den wichtigsten Ergebnissen der Neurobiologie, die zumeist aus Tierversuchen an Ratten, Mäusen oder Affen stammen, gehören diese:

  • Alle Lern- und Gedächtnisprozesse sind mit neurochemischen Veränderungen im Gehirn verbunden;

  • Lernen hinterlässt im kindlichen Gehirn deutlichere und dauerhaftere Spuren als im Gehirn eines Erwachsenen;

  • Kinder lernen in vielen Bereichen schneller als Erwachsene;

  • Lernen findet während der Gehirnentwicklung statt und funktioniert je nach Alter anders;

  • es gibt nicht ein einzelnes Gedächtnis, sondern unterschiedliche Systeme für Faktenwissen, biographisches Wissen oder Fertigkeiten.

Gehirn 
Gehirn
© Forschungszentrum Jülich
Doch damit nicht genug: „Lernprozesse im anatomisch noch nicht voll differenzierten Gehirn (bis zum Ende der Pubertät) dienen nicht nur der Abspeicherung von Informationen, sondern gleichzeitig der optimalen Strukturierung von Nervenzellnetzen im Sinne von später ausbaubaren Fähigkeiten. Der wichtigste Zeitraum dieser Einflussnahme durch Informationsangebot liegt wahrscheinlich im Vorschul- und Grundschulalter.“, schreibt Professor Henning Scheich vom Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg in einem Beitrag zum Kongress „Neuro2004: Hirnforschung für die Zukunft“ des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Und Anna Katharina Braun vom Lehrstuhl für Entwicklungsbiologie der Universität Magdeburg ergänzt, dass der „angeborene ‚Lerntrieb“ der Kinder mittlerweile auch neurobiologisch erklärt werden kann: „Das Gehirn ‚sucht’ sich seine Anregungen, es ‚sucht’ nach Abwechslung, und es versucht, Denk- und Erklärungskonzepte zu erstellen. Der Grund für diese Rastlosigkeit, insbesondere des noch ganz jungen, unerfahrenen Gehirns: Jeder Lernerfolg führt zu einem Glücksgefühl, welches, …, über die Ausschüttung körpereigener ‚Glücksdrogen’ vermittelt wird“, so Braun in einem Statement ebenfalls zur Neuro2004.

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