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Freitag, 10.02.2012
MUSE erforscht Extremsturmfluten
„Das physikalisch mögliche ist noch nicht eingetreten!“

16.02.1962, 21.00 Uhr. Rote Flächen = Windgeschwindigkeiten > 100km/h 
16.02.1962, 21.00 Uhr. Rote Flächen = Windgeschwindigkeiten > 100km/h
© DWD  16.02.1962, 21.00 Uhr. Rote Flächen = Windgeschwindigkeiten > 100km/h
Am 3. Januar 1976 wurde mit 5,10 Meter über Normalnull in Cuxhaven der bislang höchste Sturmflutwasserstand gemessen. Weder die katastrophale Flut von 1825 noch die von 1962, in der Hamburg „Land unter“ melden musste, haben diese Höhe erreicht. Doch ist damit schon des Ende der Fahnenstange oder besser der Pegellatte erreicht? „Nein“, sagen die Forscher, die im Projekt MUSE bisher nie da gewesene, aber mögliche, Nordsee-Sturmfluten simulierten. Müssen nun die Deiche erhöht werden oder sind die Küsten- und Tidenflussbewohner noch auf der sicheren Seite? Der nun vorliegende Abschlussbericht gibt Antworten.

In dem Forschungsprojekt MUSE (Modellgestützte Untersuchungen zu Sturmfluten mit sehr geringen Eintrittswahrscheinlichkeiten) haben das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), der Deutsche Wetterdienst (DWD) und die Universität Siegen im Zeitraum von 2002 bis zum Sommer 2005 zusammengearbeitet. Ziel war es, Methoden zur statistischen Einordnung von Extremsturmfluten an der Deutschen Nordseeküste zu entwickeln.

Der Deutsche Wetterdienst lieferte in dem Projekt die Daten zu „geeigneten Wetterlagen“, um Extremsturmfluten überhaupt simulieren zu können. Im Gegensatz zu früheren Simulations-Versuchen ist die Datenbasis heute sehr viel genauer und damit sind auch die Ergebnisse besser abgesichert. Erstmals ist es damit möglich, in sich konsistente und mögliche atmosphärische Entwicklungen dazustellen, auch wenn sie noch nicht so eingetreten sind. Die Wissenschaftler erstellten so unzählige Vorhersage-Serien und lieferten damit die Grundlage für die Wasserstands-Modelle am BSH.

Am BSH starteten die Wissenschaftler um Dr. Sylvin Müller-Navarra nun so genannte Reanalysen und rechneten unter anderem die Sturmfluten von 1962 und 1976 nach. Es zeigte sich, dass die neuen Simulationen die vergangenen Ereignisse mit großer Übereinstimmung abbildeten – das neue Simulationsverfahren war damit als physikalisch korrekt bewiesen.

Was aber ergaben die Modelle für die Gegenwart und Zukunft? Wir hoch kann das Wasser steigen? Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass im extremen Fall die höchste bislang aufgetretene Sturmflut, bei der 1976 5,10 m über NN in Cuxhaven erreicht wurden, um maximal 1,5 Meter überschritten werden kann. Noch kam keine Sturmflut in die Nähe dieses Wertes, aber: „Das physikalisch Mögliche ist noch nicht eingetreten!“, geben die Forscher auf einer Pressekonferenz zu Protokoll. Grund zur Panik besteht allerdings nicht: Denn die Eintrittswahrscheinlichkeiten solcher Extreme sind nicht gerade hoch.

Mit genau diesen Wahrscheinlichkeitsberechnungen waren die Forscher an der Universität in Siegen am Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) betraut. Ihr Ergebnis für die Extremsturmfluten liegt bei 1:10.000 – also recht unwahrscheinlich. Das Küsteningenieurswesen hat mit diesen Daten nun eine wissenschaftlich abgesicherte Basis für den Küstenschutz in der Zukunft. Was aber folgt für sie daraus? Müssen die Deiche verstärkt werden? Die Antwort ist nein: Nach Meinung des BSH sind für diese Wasserstände keine zusätzlichen Küstenschutzmaßnahmen erforderlich.

Der vollständige Abschlussbericht steht beim BSH zum Download bereit.

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