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Freitag, 10.02.2012
Das schwarze „Rote Becken“
Wo es boomt, da qualmen Schlote

Millionenstadt Chengdu im Roten Becken 
Millionenstadt Chengdu im Roten Becken
© MPG
In umgekehrter Richtung läuft das zweite „Großexperiment“ in der Atmosphäre über Süd- und Ostasien. Dort wachsen Wirtschaft, Industrie und der motorisierte Verkehr wie nirgends sonst auf der Erde – und parallel dazu der Ausstoß von Luftschadstoffen und damit auch von Aerosolen. Als sichtbares Zeichen dieser Entwicklung wurden 1999 im Rahmen einer Messkampagne über dem südlichen Asien sowie über dem Indischen Ozean von Satelliten aus bräunliche Schwaden gesichtet, deren Natur zunächst umstritten blieb: Handelte es sich um Schichten aus stark lichtschluckenden Aerosolen – oder um echte, also tatsächlich braune Wolken?

Die Forscher nahmen dieses Phänomen des „Asian Haze“ zum Anlass, den Zustand der Atmosphäre in jener Region und insbesondere das Rückstreuvermögen der Wolken über China anhand von Satelliten-Messreihen der vergangenen beiden Jahrzehnte zu analysieren. Und im Zuge dieser Untersuchungen erwies sich das Rote Becken im Süden Chinas als ein Paradebeispiel dafür, was Aerosole und deren Wirkung anbelangt.

Paradies für Aerosole
 Aerosole am Gelben Fluss (Huang-He) in China
Aerosole am Gelben Fluss (Huang-He) in China
© NASA/GSFC/MODIS  Aerosole am Gelben Fluss (Huang-He) in China
Das Rote Becken, rund eine Million Quadratkilometer groß, ist fast vollständig von Gebirgszügen umschlossen, die im Westen und Südwesten mehr als 7.000, nach Nordosten und Südosten immer noch 3.000 Meter hoch aufragen. Entwässert wird diese gewaltige Mulde vom Jangtse, und zwar durch die engen Drei Schluchten – die schon teilweise durch einen Damm gesperrt und von einem Stausee gefüllt werden. Das Rote Becken zählt zu den Boom-Regionen Chinas; das Wachstum der Wirtschaft liegt dort schon seit langem bei etwa 10 Prozent pro Jahr. Und mit fast derselben Rate steigt auch die Emission von Luftschadstoffen in dieser Region: von Flugasche, von Ruß und anderen Aerosolen sowie deren Vorläufergasen – die in dieser Gebirgssenke zudem noch länger als anderswo gefangen bleiben und die Luft erheblich trüben.

Erwartungsgemäß sollten die Wolken über dem Roten Becken, ähnlich wie über dem „Schwarzen Dreieck“ vor dessen Säuberung, von Satelliten aus hell erscheinen, also viel Sonnenlicht in den Weltraum zurückspiegeln. Doch das Gegenteil war der Fall: Die Satellitenbilder zeigten dort Wolken und Aerosolschwaden mit ungewöhnlich niedriger Albedo.

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