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Freitag, 10.02.2012
Gehen mit Gefühl
Ein bewegter Ausblick

Neben den Merkmalen, die unser visuelles System über Geschlecht oder Attraktivität einer sich bewegenden Person informieren, gibt es auch Kriterien für andere Eigenschaften. Im Moment arbeiten die Wissenschaftler an der Frage, anhand welcher Merkmale Menschen identifiziert werden und wie sich verschiedene Gefühle in Bewegungsmustern ausdrücken. Erst im zweiten Schritt überprüfen sie in psychophysischen Experimenten, ob diese Merkmale tatsächlich eine Relevanz für das Verständnis von Informationsverarbeitungsprozessen in biologischen Systemen, insbesondere im menschlichen Gehirn haben.

Dabei helfen den Forschern eine Reihe von physiologischen Methoden, mit denen sie Aktivitätsmuster in der menschlichen Großhirnrinde beobachten können, während die Testpersonen unterschiedliche Erkennungsaufgaben leisten. Daneben ergeben sich aus der Forschungsarbeit eine Reihe von fächerübergreifenden Anwendungen. Die sensiblen Methoden eigenen sich zum Beispiel auch zur Differentialdiagnose neurologischer Krankheiten, die oft mit Bewegungsstörungen einher gehen. Gerade im Frühstadium von Erkrankungen wie der so genannten „Multiplen System Atrophie“ oder von „Morbus Parkinson“, wenn eine gezielte Therapie noch besonders gut greifen würde, ist es oft schwer, eine genaue Diagnose zu treffen und daraufhin zu behandeln.

Ein ganz anderer Einsatzbereich betrifft weniger die Analyse biologischer Bewegung, als vielmehr deren Synthese. Sowohl bei Computerspielen als auch im Filmbereich führt die technische Entwicklung mittlerweile zu einer Realitätstreue, die es oftmals unmöglich macht, eine computergraphische Animation noch als solche zu erkennen - doch das ändert sich meist, wenn sich die Figur bewegt. Die Realitätstreue der Modelle selbst steht immer noch in großer Diskrepanz zur Überzeugungskraft künstlicher Bewegungen. In diesem Phänomen drückt sich die enorme Sensibilität des menschlichen visuellen Systems aus, auch kleinste Unstimmigkeiten in Bewegungsmustern aufzuspüren. Auch wird der Mangel an guten theoretischen Modellen, mit denen man Bewegungsmustern Emotion und Individualität verleihen kann, deutlich.

Hier versuchen die Wissenschaftler, mit ihren Experimenten eine Lücke zu schließen. Das Verständnis der Mechanismen visueller Informationsverarbeitung in unserem Gehirn soll helfen, Algorithmen zu entwickeln, mit denen sich künstliche, computergenerierte Charaktere psychologisch überzeugend bewegen können.

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