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Montag, 27.06.2016
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Starkregen im Anflug

Deutschlands Regen-Zukunft

Rhein, Oder, Donau oder Elbe – die Liste der Flüsse mit Jahrhunderthochwassern in den letzten zehn Jahren ließe sich fast beliebig erweitern. Die Ursache: Starkniederschläge prasseln immer intensiver und in immer kürzeren Abständen auf die Einzugsgebiete der Ströme hernieder. Die riesigen Wassermengen können in der Kürze der Zeit nicht versickern und bringen die Flüsse zum Überlaufen. Als Grund hierfür wird immer wieder die globale Klimaerwärmung angeführt – zu Recht, wie Forscher nun unlängst herausfanden.

Denn eine Langzeitstudie des Deutschen Wetterdienstes zeigt für Deutschland einen besorgniserregenden Trend: Sowohl die Anzahl der Tage mit starken Niederschlägen als auch die Niederschlagsintensität hat innerhalb der letzten vierzig Jahre stark zugenommen. Besonders im Winterhalbjahr konzentriert sich immer mehr Regen auf immer weniger Tage. Bei diesem so genannten Starkregen prasseln mindestens 25 mm Niederschlag pro Stunde auf den Boden. Im Bundesdurchschnitt haben diese Ereignisse in den letzten Jahrzehnten um 20 Prozent und in Teilen Süddeutschlands sogar bis zu 50 Prozent zugenommen. Und ein Ende des Trends scheint nicht absehbar.

Aber nicht nur die Starkregentage nehmen zu. "Insgesamt prägen sich die einzelnen Klimazonen in Deutschland stärker aus", erklärt Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam (PIK). Als direkte Folge könnte Deutschland wohl bald wieder zweigeteilt sein: In den feucht-warmen Westen und den eher trockenen Osten. Bereits heute sind die bestehenden Gegensätze groß: Im Windschatten des Harz fallen jährlich nur etwa 400mm Niederschläge, im Westen hingegen doppelt soviel.

Die Ursache für beide Phänomene wird inzwischen in den steigenden globalen Temperaturen gesehen. Denn diese verändern die für Mitteleuropa bestimmende Westwindzirkulation über dem Atlantik. Diese "Hauptlieferantin" unserer Tiefdruckgebiete hat sich in den letzten Jahren besonders im Winter verstärkt und bringt immer mehr feuchte Luft nach Deutschland. Denn durch den Temperaturanstieg kann die wärmere atlantische Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die dann bei uns als Starkregen zu Boden fällt.

Und was ist mit den sibirischen Kaltlufteinbrüchen, die doch ansonsten im Winter für kühles und sonniges Wetter sorgen? Deren Einfluss wird immer schwächer, denn die dafür verantwortlichen Hochdruckgebiete mit vergleichbar stabiler Wetterlage verlagern sich stetig weiter nach Osten und können die atlantischen Tiefausläufer nicht mehr „abblocken“. Grund hierfür ist im Zusammenspiel mit der globalen Erwärmung der geringere Schneefall. Denn die winterlichen Kältehochs können sich besonders gut über geschlossenen Schneedecken entwickeln. Deren hohe Albedo, also ihre Rückstrahlung von Sonnenenergie, sorgt normalerweise dafür, dass sich die Erde nicht allzu schnell erwärmen kann – ein Kältehoch entsteht. Leider immer seltener...

Stand 28.05.2004