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Mittwoch, 08.02.2012
Frischer Wind und kaltes Wasser
Was sind Auftriebsgebiete?

Das Meer 
Das Meer
© IMSI MasterClips
Alles Gute kommt von unten - dies gilt zumindest für die großen Auftriebsgebiete der Ozeane, die zu den fruchtbarsten Regionen der Erde zählen. Sie liegen meist an den Westküsten der Kontinente, wo Meeresströmungen kaltes Wasser aus höheren Breiten, zum Beispiel der Antarktis äquatorwärts treiben. Hierzu zählen der Benguela- und Kanarenstrom in Süd- und Nordatlantik, sowie der westaustralische Strom im indischen Ozean. Im Nord- und Südpazifik sorgen der Kalifornische- und der Humboldtstrom, der auch als Perustrom bezeichnet wird, regelmäßig für Frischwasser.

Besonders der Küstenabschnitt von Zentralchile über Peru bis nach Ecuador im Bereich des Humboldtstroms, gilt als beispielhaft unter den Auftriebsgebieten. Vor der südamerikanischen Küste treiben Passatwinde das warme Oberflächenwasser seewärts. Hierbei sorgen nach den physikalischen Vorgängen der Ekman-Spirale nicht ablandige, sondern küstenparallele Winde für den stärksten Auftrieb.

Physikalischer Auftrieb
Bei der nach dem schwedischen Ozeanographen V.W. Ekman benannte Spirale handelt es sich um das komplexe Zusammenspiel von Windschubkraft und der Ablenkung der Wassersäule durch die Coreoliskraft. Diese lenkt die Wasserbewegung auf der Südhalbkugel nach links und auf der Nordhalbkugel nach rechts ab. An der Wasseroberfläche liegt die Strömungsrichtung 45 Grad zum Wind.

Je nach Windstärke bewegt die Reibungskraft die Wassermassen bis in eine Tiefe von 100 Metern. Dabei ändert sich die Strömungsrichtung, gewunden wie eine Spirale mit zunehmender Tiefe und abnehmender Schubkraft bis auf 180 Grad entgegengesetzt zur Windrichtung. Daraus resultiert eine durchschnittliche Strömungsrichtung von einem 90 Grad Winkel zum Wind. Wenn also der Wind an der chilenischen Küste von Norden weht, wird das Wasser somit aufs offene Meer hinaus gedrückt.

Das abgetriebene Oberflächenwasser wird ganzjährig durch aufströmendes Tiefenwasser mit einer Geschwindigkeit von wenigen Zentimetern pro Stunde oder wenigen Metern pro Tag ersetzt. Das aus einer Tiefe von 100 bis 400 Metern daher relativ langsam aufsteigende Wasser ist bis zu acht Grad kälter, als das rund 28 Grad Celsius warme Ozeanwasser seewärts der Auftriebszonen. Kein Wunder, dass Peru trotz subtropischer Lage kein Badeparadies ist.

Garten Eden
Durch die bakterielle Zersetzung von absinkendem, organischen Materials ist das Tiefenwasser nicht nur sauerstoffarm, sondern auch nitrat-, phosphat- und silikathaltig. Dies nährstoffreiche Tiefenwasser mischt sich aber mit dem Sauerstoff angereichertem Wasser des Humboldtstroms. Der dadurch gemixte Sauerstoff-Nährstoffcocktail ist an der lichtdurchfluteten Wasseroberfläche Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl pflanzlichen Planktons und für tierische Kleinstlebewesen.

Im Kontrast zur benachbarten "blauen Wüste" subtropischer Gewässer und den trockenen Küstenwüsten an Land, herrschen in den Auftriebgebieten geradezu paradiesische Verhältnisse. Durch den Nährstoffüberfluss ist die Primärproduktion, vor der peruanischen Küste fast achtmal höher als die der Nordsee. Davon ernähren sich wiederum riesige Fischschwärme von Sardellen und Anchovis. Mit einem Flächenanteil von nur 0,1 Prozent an den Weltmeeren stellen die Auftriebsgebiete circa 50 Prozent des Gesamtfischereipotentials der Ozeane.

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