Studie zeigt Mängel in der ambulanten Schmerztherapie Schmerztherapie erneut als mangelhaft entlarvt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Studie zeigt Mängel in der ambulanten Schmerztherapie

Schmerztherapie erneut als mangelhaft entlarvt

Wer unter chronischen Schmerzen leidet, muss in Deutschland noch immer mit einer mangelhaften Versorgung und Therapie rechnen. Dies ist das Ergebnis einer neue Studie, bei der Kölner Forscher die Kenntnisse und Fähigkeiten von Ärzten getestet haben.

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Etwa die Hälfte aller Ärzte ist zwar in der Lage einen Tumorschmerz als solchen zu erkennen, aber nur knapp jeder Fünfte kann ihn genauer klassifizieren. Zudem zögern viele Ärzte schmerzlindernde Betäubungsmittel zu verschreiben und setzen nur sehr selten praktische Hilfsmittel zur Schmerzerfassung und Therapiekontrolle ein, wie beispielsweise ein Schmerztagebuch.

Dr. Denise Gendig von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Universität zu Köln stellt dieses Ergebnis im Rahmen einer Studie fest, in der über hundert Ärzte aus Köln und Umgebung hinsichtlich ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten in der Schmerztherapie untersucht werden.

Große Defizite in der Praxis

Die Behandlung chronisch Schmerzkranker durch niedergelassene Ärzte weist große Defizite auf und begünstigt dadurch unnötiges Leiden der Patienten. Zur Therapie von Tumorschmerzen ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Stufenschema entwickelt worden, dessen Wirksamkeit international und in Deutschland nachgewiesen wurde. Den von Gendig befragten Ärzten ist dieser Leitfaden zur Schmerzbekämpfung zwar mehrheitlich bekannt, angewandt jedoch wird er nur von einem Teil der Mediziner.

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Bei Kopfschmerzen bietet sich ein ähnliches Bild: Zwar wissen hier viele Ärzte von den Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und geben auch alle an, einen entsprechenden Stufenplan zu verwenden. In der genauen Überprüfung stellt sich jedoch heraus, dass die Leitlinien für eine wirklich erfolgreiche Therapie zu wenig beachtet werden. Die für Kopfschmerzpatienten empfohlenen Schmerztagebücher und -fragebögen werden ebenso viel zu selten eingesetzt wie Antidepressiva, die bei Spannungskopfschmerzen eine lindernde Wirkung entfalten.

Auch alternative Heilmethoden, wie die Akupunktur, kommen trotz bekannter Heilerfolge bis jetzt nur unzureichend zum Einsatz. Positiv fällt bei den untersuchten Ärzten auf, dass ihnen das Erkennen einer Migräne keine großen Schwierigkeiten bereitet. Handelt es sich allerdings um einen Patienten mit Spannungskopfschmerz oder gar um einen Fall von durch Medikamente verursachten Schmerz, ist nur noch jeder zweite beziehungsweise dritte Arzt in der Lage, dies richtig zu diagnostizieren.

Zu wenig Interesse?

Die festgestellten Defizite in der Schmerztherapie führt Gendig zurück auf ein geringes Interesse und einen daraus resultierenden mangelhaften Kenntnisstand der Ärzte über diesen speziellen Bereich der Medizin. Eine Vergleichsgruppe von interessierten Ärzten – sie schrieben sich für einen schmerztherapeutischen Fortbildungskurs ein – schneidet bei ihrer Untersuchung dann auch deutlich besser ab.

Um die bestehenden Mängel in der Behandlung chronischer Schmerzen zu beheben, schlägt die Kölner Medizinerin vor, Netzwerke zwischen spezialisierten Kliniken und den niedergelassenen Ärzten einzurichten. Ein solches ist z.B. das 1996 für drei Jahre in Köln und Umgebung eingerichtete Schmerztherapeutische Ambulante Netzwerk (STAN). Im Verlauf dieses Projekts verbesserte sich die Bekanntheit der Leitlinien und sonst verschmähte Methoden, wie Antidepressiva oder Schmerztagebücher, wurden häufiger eingesetzt. Diagnosen gewannen an Genauigkeit, Therapien an Wirksamkeit. Trotzdem mahnt Dr. Gendig auch zu Geduld: Kenntnisse und Fähigkeiten der Ärzte lassen sich zwar durch Vernetzung medizinischer Einrichtungen und Fachgebiete, sowie durch Konferenzen und Fortbildungen verbessern. Aber es handelt sich hierbei um einen langwierigen Prozess, in dem weitere Bemühungen erforderlich sind, um die Qualität der ambulanten Schmerztherapie zu sichern.

(Universität Köln, 12.07.2004 – NPO)

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