Künstliches Protein hemmt Krebsauslöser Ist Darmkrebs verhinderbar? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Künstliches Protein hemmt Krebsauslöser

Ist Darmkrebs verhinderbar?

Kontakt zwischen gp 130 (grün) und Interleukin-6 (magenta) © Universität Kiel

Ein künstlich erzeugtes Protein beugt bei Mäusen gegen Darmkrebs vor. Kieler Wissenschaftlern gelang jetzt der Nachweis, dass das Protein die krebsauslösende Signalgebung des Botenstoffs Interleukin-6 (IL-6) unterdrückt. Die neuen Ergebnisse resultieren auf Eingriffen in die TGF-ß Signalübertragung auf der Körperzelle und werden in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift „Immunity“ beschrieben.

Bereits 2003 konnten Stefan Rose-John und Markus F. Neurath von der Universität Kiel im Tiermodell belegen, dass das von Rose-John geschaffene, lösliche Glycoprotein (sgp 130 Fc) chronische Entzündungen wie Gelenkrheuma (Arthritis) sowie Darmentzündung verhindert, indem es das Signal des Botenstoffs IL-6 auf der Zelloberfläche „abschaltet“.

Da das Zytokin Interleukin-6 eine wichtige Rolle in der Immunabwehr spielt und im Organismus benötigt wird, sollte man diesen Botenstoff jedoch nicht völlig blockieren. Es wurde vielmehr ein Mechanismus benötigt, der nur in bestimmten Fällen, nämlich beim Auslösen chronischer Entzündungen, hemmend wirkt und so das ebenfalls von Rose-John entdeckte „trans-signaling“ verhindert. Die entscheidende Entwicklung lag in der Veränderung des Zytokinrezeptors gp 130. Das neue, von Rose-John erfundene sgp 130 Fc hemmt nur die Botentätigkeit von IL-6 in den gewünschten Fällen.

Jetzt planen die Wissenschaftler, das Designer-Protein sgp 130 Fc in weiteren fünf bis acht Jahren zur Marktreife zu bringen. Die 2001 gemeinsam gegründete Firma „Conaris“ widmet sich der Produktentwicklung. Nach Ansicht der Forscher zeigen die neusten Ergebnisse ein weiteres Mal, welche wichtige Rolle Entzündungsvorgänge zur Erforschung und Behandlung von Krankheiten spielen. „Langfristig wird man auch Alzheimer und Herzinfarkt als Entzündungsvorgänge entschlüsseln können“, so Rose-John. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir dort ähnliche Mechanismen finden und auf ähnliche Weise vorbeugend arbeiten können. Wir haben nun eine klare Spur, wie wir Störungen des Immunsystems beeinflussen können.“

Für Medikamente, die nun von Conaris zu entwickeln sind, bietet sich damit ein Milliardenmarkt. „Wir wollen jedoch hier keinen Börsen-Hype betreiben“, so die beiden Professoren und Firmenchefs. Gesundes wirtschaftliches Wachstum entstehe in diesem Markt nur durch gründliche Forschung. Was den Patienten am besten diene, werde sich langfristig auch am besten wirtschaftlich behaupten.

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(Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 20.10.2004 – NPO)

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