Sandelholzaroma könnte Geheimratsecken und Co vorbeugen Duftende Hilfe bei Haarausfall? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Sandelholzaroma könnte Geheimratsecken und Co vorbeugen

Duftende Hilfe bei Haarausfall?

Bei rund 80 Prozent aller Männer lichten sich ab einem bestimmten Alter die Haare. © Fotograv/ thinkstock

Glatze adé: Forscher haben ein potenzielles Mittel gegen Haarausfall identifiziert: Sandelholzduft. Wie ihre Untersuchungen zeigen, sitzen in unseren Haarfollikeln bestimmte Riechrezeptoren, die sich von diesem aus Räucherstäbchen bekannten Aroma anregen lassen. Als Folge verlängert sich die Wachstumsphase der Haare und es sterben weniger Haarzellen ab. Nun muss der duftende Wirkstoff nur noch den Praxistest auf den Köpfen Betroffener bestehen.

Das gefürchtete Leiden trifft vor allem Männer: Mit zunehmendem Alter lichten sich die Kopfhaare, es bilden sich Geheimratsecken und schließlich droht eine Glatze. Mittelchen gegen diesen Haarverlust gibt es viele. Doch deren Wirkung lässt meist zu wünschen übrig. Forscher fahnden daher schon länger nach Wirkstoffen, die wirklich helfen – und womöglich sind sie nun fündig geworden.

Riechrezeptoren in den Haarfollikeln

Auf die Spur des neuen potenziellen Haarwuchsmittels hat Jérémy Chéret vom Monasterium Laboratory in Münster und seine Kollegen eine interessante Entdeckung gebracht. Sie stellten fest, dass menschliche Haarfollikel in ihrer äußersten Schicht bestimmte Riech-Sinneszellen beherbergen. Diese die Haarwurzeln umgebenden Strukturen dienen zur Verankerung der Haare in der Haut.

Konkret fanden die Wissenschaftler Rezeptoren des Typs OR2AT4 in den Haarfollikeln. Das Interessante daran: Frühere Studien haben gezeigt, dass dieser Rezeptor auf synthetisches Sandelholzaroma reagiert – einen Duft, der häufig in Räucherstäbchen sowie in manchen Parfüms vorkommt. Seine Aktivierung kann in der Haut die Zellvermehrung anregen und so zum Beispiel die Wundheilung fördern. Würden sich ähnliche Effekte auch in den Haarfollikeln zeigen?

Verlängerte Wachstumsphase

Um dies herauszufinden, isolierten die Forscher Haarfollikel aus Proben menschlicher Kopfhaut und behandelten diese sechs Tage lang mit dem Sandelholz-Duftstoff Sandalore. Das Ergebnis: Die duftende Stimulation hatte auf die Haarfollikel eine deutliche Wirkung. Demnach steigerte die Behandlung die Produktion des Wachstumsfaktors IGF-1, wodurch sich die sogenannte anagene Phase des Haares um etwa 30 Prozent verlängerte – jene Phase, in der das Haar wächst, bevor es ruht und schließlich ausfällt.

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Wie Chéret und seine Kollegen berichten, starben in Folge signifikant weniger Haarzellen ab. Umgekehrt führte die gezielte Hemmung des OR2AT4-Rezeptors zu vermindertem Haarwachstum. „Dies legt nahe, dass menschliche Haarfollikel auf OR2AT4-vermittelte Signalwege angewiesen sind, um das Haarwachstum aufrechtzuerhalten“, schreiben die Wissenschaftler.

Hoffnung für kahle Köpfe

Ähnlich wie beispielsweise im Darm, der Prostata oder männlichen Spermien finden demnach auch in den Haaren gewissermaßen Riechprozesse statt – eine Erkenntnis, die sich gewinnbringend nutzen lässt. „Aufgetragen auf die Kopfhaut, könnten kosmetische Produkte mit Sandalore das Haarwachstum anregen und vorzeitigem Haarausfall vorbeugen“, konstatiert das Team.

Klinische Studien müssen nun zeigen, ob der Sandelholzduft auch im Praxistest mit Betroffenen bestehen kann und Geheimratsecken wirklich den Garaus macht. Viele Männer würde das freuen. (Nature Communications, 2018; doi: 10.1038/s41467-018-05973-0)

(Nature Press, 19.09.2018 – DAL)

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