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Dem Gold von Nebra auf der Spur

Auf der Suche nach dem geochemischen Fingerabdruck der Himmelsscheibe

Himmelsscheibe von Nebra © Juraj Lipták, LDA Halle

Die „Himmelsscheibe von Nebra“ ist rund 3.600 Jahre alt und gilt damit als eine der ältesten Himmelsdarstellungen weltweit. Ihre Entdeckung vor wenigen Jahren in Sachsen-Anhalt war eine archäologische Sensation, da sie nicht nur von der Handwerkskunst der Bronzezeit zeugt, sondern vor allem ein völlig neues Licht auf die damaligen astronomischen Kenntnisse wirft. Auch wenn inzwischen einige Geheimnisse um die Himmelsscheibe gelüftet sind, bleibt weiterhin rätselhaft, woher das Gold für die Objekte auf der Vorderseite stammt. Mithilfe geochemischer Analysen soll diese Frage nun geklärt werden.

„Faszinierend ist vor allem die unvergleichliche Optik der Himmelsscheibe, die auf den verschiedenartigen Goldobjekten auf ihrer Vorderseite basiert“, erläutert Alexander Schmiderer vom Institut für Geologische Wissenschaften der Universität-Halle-Wittenberg. Zusammen mit Kollegen von der Universität Halle/Saale und des Curt Engelhornzentrums für Archäometrie in Mannheim ist Schmiderer der Herkunft eben dieser Goldobjekte auf der Spur. „Nach heutigem Forschungsstand ist die Himmelsscheibe zwar in der Umgebung von Magdeburg gefertigt worden, doch Goldfunde in der Region sind äußerst selten“, erläutert Schmiderer. „Wahrscheinlicher ist, dass das Gold über weitere Strecken herbeitransportiert wurde.“

Natürliche „Verunreinigungen“ liefern Hinweise

Um den Ursprungsort des Goldes herauszufinden, bedienen sich die Archäologen und Naturwissenschaftler des geochemischen Fingerabdrucks der Himmelsscheibe. Denn die kunstvollen Objekte enthalten neben Gold fast 20 Prozent Silber, 0,02 Prozent Zinn sowie eine Vielzahl weiterer Spurenelemente. Diese natürlichen „Verunreinigungen“ entstehen bei der Anreicherung des Goldes in den Erzgängen durch geologische Prozesse und die spezifische Gesteinsumgebung. Sie machen die Zusammensetzung des Goldes der Himmelsscheibe unverwechselbar, so dass es eindeutig einer Herkunftsregion zugeordnet werden könnte – wenn denn schon das passende Gegenstück dazu gefunden wäre.

Goldwaschen für die Wissenschaft: Probenahme aus einem Fluß in der Zentralslowakei mittels einer Waschrinne. © Sebastian Stelter, MLU Halle

„In einem ersten Schritt werden daher nun zahlreiche Goldvorkommen in Mitteleuropa geochemisch analysiert“, erläutert Schmiderer die Vorgehensweise. „Da Gold jedoch sehr selten ist, bedarf es zum Teil erheblicher Mühe, ausreichend Probematerial zu besorgen“, so der Geologe. „Als hilfreich hat sich daher die Zusammenarbeit mit Hobbywissenschaftlern wie dem Rheingold-Experten Werner Störck oder Dr. Markus Schade herausgestellt, der sogar ein Goldmuseum in Thüringen betreibt“, fügt Schmiderer hinzu. Die Gewinnung der Proben ist dabei mühselige Handarbeit: Entweder erfolgt sie durch das Goldwaschen von Flittern, Körnern und Nuggets aus Flüssen und Bächen, oder es werden eigens Gesteinsproben aus den Erzgängen alter Bergbaue entnommen.

Die Suche nach dem Fingerabdruck

Nach dieser aufwändigen Geländearbeit erfolgt die Analyse der Proben in hochmodernen Laboratorien: Mittels eines Lasers verdampfen die Forscher kleinste Mengen der Goldproben, um danach das entstandene Aerosol in hochempfindlichen Messgeräten auf die Zusammensetzung seiner Spurenelemente hin zu untersuchen. Kleine Einschlüsse im Gold werden zudem mit Rasterelektronenmikroskopen abgebildet und chemisch analysiert. „Die so gewonnenen Daten, also die Fingerabdrücke der Lagerstätten, werden später in einer Datenbank zusammengestellt und mit dem Gold der Himmelsscheibe verglichen“, erläutert Schmiderer.

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Goldkorn aus einem Fluss im Vogtland unter dem Mikroskop. Das Korn zeigt unterschiedliche Farben, was auf schwankende Gehalte von Silber und Kupfer schließen lässt. © Alexander Schmiderer

Bereits im Jahr 2004 hatten Untersuchungen mithilfe des Teilchenbeschleunigers BESSY die Vermutung nahe gelegt, dass Gold könne aus Siebenbürgen in Rumänien stammen. „Doch diese Schlussfolgerung war voreilig“, schränkt Schmiderer ein. „Denn die rumänischen Vorkommen sind nur eine mögliche Quelle unter vielen weiteren. Fakt ist, dass man über die Unzahl von Goldvorkommen in Europa sehr wenig weiß und daher in akribischer Kleinarbeit nach dem Ausschlussprinzip vorgehen muss“. Noch befindet sich das Forschungsprojekt in der Anfangsphase, doch die Wissenschaftler sind zuversichtlich, spätestens in ein paar Jahren das Geheimnis um die Herkunft des Goldes der Himmelscheibe von Nebra endgültig gelüftet zu haben.

Weiterführende Links:

Himmelsscheibe von Nebra – Informationen einer Ausstellung

Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie

Institut für Geologische Wissenschaften der Martin-Luther Universität-Halle-Wittenberg

(Alexander Schmiderer, Martin-Luther Universität-Halle-Wittenberg, 10.11.2006 – AHE)

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