Warum Musik bei manchen Menschen Schwindel auslösen kann Skurril: Schwindelerregende Töne - scinexx | Das Wissensmagazin
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Warum Musik bei manchen Menschen Schwindel auslösen kann

Skurril: Schwindelerregende Töne

Warum wird manchen Menschen durch bestimmte Töne schwindelig? © Gremlin/ istock

Alles dreht sich: Manchen Menschen wird durch bestimmte Töne schwindelig. Forscher haben nun herausgefunden, was dahintersteckt. Durch kleine Löcher in einem Knochen des Innenohrs können Schallreize die darin befindliche Flüssigkeit in Bewegung versetzen. Dadurch erhält das Gehirn das Signal, dass sich der Kopf bewegt – obwohl er dies gar nicht tut. Die Folge sind Schwindel, Übelkeit und Sehstörungen, wie die Autoren im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

Plötzlich dreht sich alles oder die Welt scheint zu schwanken: Schwindel ist ein Zeichen dafür, dass unser Gleichgewichtssystem aus dem Takt geraten ist. Ursachen für eine solche Störung können an sich harmlose, aber irritierende Reize wie eine schnelle Karussellfahrt sein. Doch auch bestimmte Krankheiten lösen Schwindelgefühle aus. Oft handelt es sich dabei um Erkrankungen des Innenohrs – dem Sitz des Gleichgewichtsorgans.

Bei der sogenannten Bogengangsdehiszenz beispielsweise ist die knöcherne Abdeckung des oberen Bogengangs anormal dünn oder sogar löchrig. Dieser ringförmige, mit Flüssigkeit gefüllte Schlauch ist gemeinsam mit zwei weiteren solcher Strukturen für das Registrieren und den Ausgleich von Drehbewegungen zuständig. Durch den Defekt kommt es bei Patienten zu Schwindel – seltsamerweise häufig dann, wenn sie bestimmte Töne hören.

Wie betrunken

„Durch den Klang einer hohen Stimme oder eines Musikinstruments fühlen sich die Betroffenen wie betrunken. Ihnen wird schwindelig und übel, sie sehen nicht richtig und verlieren ihr Gleichgewicht“, berichtet Richard Rabbitt von der University of Utah in Salt Lake City. Doch durch welchen Mechanismus kommt dieses rätselhafte Phänomen zustande?

Dieser Frage sind Rabbitt und seine Kollegen um Erstautorin Marta Iversen nun nachgegangen. Sie untersuchten an Austernfischen (Opsanus tau), die mit ähnlichen Gleichgewichtsorganen ausgestattet sind wie der Mensch, was Töne in geschädigten Bogengängen auslösen. Dabei beobachteten sie sowohl die Bewegungen der Innenohrflüssigkeit als auch die Reaktion von Nervenzellen im Gehirn darauf.

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Mechanische Wellen

Es zeigte sich: Durch den Defekt im Knochen können bestimmte Schallreize die Flüssigkeit im Bogengang in Schwingung versetzen und mechanische Wellen erzeugen. Normalerweise bewegt sich die Innenohrflüssigkeit nur durch Körperbewegungen, vor allem wenn wir unseren Kopf hin und her drehen. Durch einen automatischen Reflex reagieren unsere Augen darauf mit ausgleichenden Gegenbewegungen – als Folge bleibt das Bild auf der Retina stabil, wir sehen normal.

Was passiert, wenn nun Töne statt Drehbewegungen ein solches Signal auslösen? Wie die Forscher berichten, kann das Gehirn nicht differenzieren: Es bekommt in beiden Fällen vom Ohr den Hinweis, dass sich der Kopf bewegt. „Die Augen reagieren dann mit Gegenrotation. Doch weil sich der Kopf gar nicht bewegt, scheint sich plötzlich die Welt zu drehen“, erklärt Rabbitt.

„Jetzt ist endlich die Ursache verstanden. Wir können das Loch im Knochen und die Symptome mit einem biophysikalischen Mechanismus erklären“, schließt der Wissenschaftler. Betroffenen Patienten kann übrigens eine Operation helfen: Wird der Bogengang geschlossen, bleibt der Schwindel aus. (Scientific Reports, 2018; doi: 10.1038/s41598-018-28592-7)

(University of Utah, 11.07.2018 – DAL)

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