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Deutschlandweite Ausbreitung der Buntzecke

Infektionsgefahr für Hunde durch Invasion der nicht-heimischen Zecken

Buntzecke
Diese bisher selten dokumentierte Zeckenart hat sich mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet. © Institut für Parasitologie, TiHo

Parasiteninvasion: Die ursprünglich bei uns sehr seltene Buntzecke Dermacentor reticulatus hat sich mittlerweile über ganz Deutschland ausgebreitet, wie neue Untersuchungen ergeben haben. Obwohl dieser Parasit den Menschen nur selten sticht, birgt sie für Hunde eine ernsthafte Gefahr: Sie ist Überträger der Hundebabesiose und sogar in den Wintermonaten aktiv.

Die steigenden Temperaturen durch den Klimawandel locken zunehmend unerfreuliche Exoten in unsere Breitengrade. Zu ihnen gehören zum Beispiel blutsaugende Parasiten wie die Tigermücke und die Buschmücke. Ebenso breiten sich die eingeschleppte Tropenzecke Hyalomma und die im Mittelmeerraum heimische Braune Hundezecke zunehmend in Deutschland aus. Das Problem: Viele dieser Neuankömmlinge können Erreger von Tropenkrankheiten übertragen. Bereits 2019 infizierte sich in Deutschland erstmals ein Mensch durch einen Zeckenbiss an Fleckfieber-Erregern.

Auch Buntzecke erobert Deutschland

Weitere Profiteure des Klimawandels sind die zwei Zeckenarten der Gattung Dermacentor: Dermacentor marginatus und Dermacentor reticulatus. Für die vorwiegend im Mittelmeerraum und Südeuropa verbreitete marginatus-Zecke dokumentierten Forscher bereits 1976 erste Populationen in Südwestdeutschland. Dermacentor reticulatus war dagegen bei uns noch extrem selten. Im Jahr 2019 wies man diese Art jedoch erstmals in Hannover nach.

Um herauszufinden, welche Regionen diese beiden nicht-heimischen Zeckenarten mittlerweile in Deutschland erobert haben, haben unter anderem die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und die Hochschule Hohenheim dazu aufgerufen, Zeckenfunde unter Angabe des Fundorts einzuschicken: Die Buntzecken sind dabei gut an ihrem emailleartig braun-schwarz marmorierten Körper zu erkennen.

Ein Forscherteam um Marco Drehmann von der Universität Hohenheim wertete die Fundorte der fast 4.000 eingesandten Zecken aus, um ihre Verbreitung nachzuvollziehen. Außerdem untersuchten die Forscher die Parasiten auf unterschiedliche Erreger.

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Anhand der Funde erstellten die Forscher eine Kartierung der Verbreitungsorte der Zeckenarten. © Drehmann et al. /CC-by-sa 4.0

Bis nach Sylt gewandert

Das Ergebnis: Die Zeckenart Dermacentor reticulatus hat bei ihrem „Feldzug“ mittlerweile auch den Norden und Nordwesten Deutschlands erreicht und sich mit Ausnahme von Hamburg im ganzen Bundesgebiet verbreitet. Über 80 Prozent der eingesendeten Zecken gehörten zu dieser Art der Buntzecken. Besonders viele Exemplare kamen aus Rheinland-Pfalz, Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg – sogar auf der Insel Sylt wurden diese Zecken gefunden.

Die zweite Art, Dermacentor marginatus, wurde hingegen wie bei früheren Untersuchungen hauptsächlich in Süd- und Westdeutschland nachgewiesen. Über die Hälfte der Funde stammten aus Rheinland-Pfalz und erstmals fanden sich auch Exemplare in Nordrhein-Westfalen.

Invasion von zwei Standorten aus

„Nach 1976 begann sich Dermacentor reticulatus anscheinend von mindestens zwei verschiedenen Populationen aus auszubreiten, einer im Südwesten und einer im Nordosten Deutschlands“, schlussfolgern die Wissenschaftler aus ihren Ergebnissen. Eine ähnlich kontinuierliche Ausbreitung von Dermacentor reticulatus beobachteten Biologen in den letzten 50 Jahren in weiteren europäischen Ländern.

Aber warum verbreiten sich die Zecken so rasant? Die Invasion der Zecken führt das Forscherteam sowohl auf klimatische Veränderungen als auch auf die Landnutzung und die hohe Reisetätigkeit von Menschen und Haustieren zurück. Auch die Zunahme der verfügbaren Wildtierwirte wie zum Beispiel Rotfuchs und Wildschwein könnten eine Ursache sein.

Hunde auch im Winter in Gefahr

Eine Gefahr birgt ihre Invasion vor allem für Tiere: Während die Wirte von Dermacentor marginatus hauptsächlich Schafe und Pferde sind, sticht die Zeckenart reticulatus bevorzugt Hunde. Über 1.000 Funde dieser Zecken stammten von den Vierbeinern. Die Blutsauger verstecken sich dazu meist in Wiesen und Grünstreifen mit höherem Aufwuchs oder in Übergangszonen am Waldrand und heften sich an ihre tierischen Wirte.

Das Problem: Die Parasiten übertragen unter anderem die lebensgefährliche Hundebabesiose, die zu einer fortschreitenden Blutarmut führen kann. Dort wo sie vorkommt, sollten Hundebesitzer besonders vorsichtig sein – auch im Winter, so die Forscher. Denn beide Arten der Buntzecken sind sogar bei vier Grad Celsius noch aktiv und halten auch nächtlichen Bodenfrost aus.

Für Menschen ist die Bunt- oder Wiesenzecke laut Experten eher nicht gefährlich. Zwar kann Dermacentor reticulatus das Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME)-Virus oder Rickettsien übertragen – die Fieber, Kopfschmerzen, Lähmungen und sogar den Tod verursachen können – jedoch sticht diese Zecke Menschen nur sehr selten. Der Anteil der nach einem Menschenbiss eingesendeten reticulatus-Zecken, betrug nach Angaben der Wissenschaftler nur 0,36 Prozent.

Es wird weiter gesammelt

Da das Zecken-Monitoring fortgeführt wird, sind die Forscher weiterhin an Zeckeneinsendungen interessiert. Besonders wird um Buntzecken aus Gebieten gebeten, in denen sie bisher nicht gefunden wurden. Damit wollen Drehmann und seine Kollegen gegebenenfalls verbliebene „weiße Flecken“ auf der Verbreitungskarte füllen.

Außerdem sind alle Zeckenfunde von Interesse, die in der Zeit von November und Februar gefunden werden, um die Winteraktivität verschiedener Zeckenarten zu erforschen. (Frontiers in Veterinary Science, 2020, doi: 10.3389/fvets.2020.578220/full)

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

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