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Wanderung über die Kontinente

Weit entfernte Verwandtschaft

Warum gibt es Beuteltiere in Australien, aber nirgendwo sonst? Und warum finden sich die gleichen Tierarten diesseits und jenseits der Beringstraße, obwohl es doch zwischen ihnen keine Verbindung gibt? Um dieses Phänomen zu erklären, müssen wir weit zurückgehen in die Geschichte der Erde und der Kontinente:

Urkontinent Pangäa vor 200 Millionen Jahren © MMCD

Die Erde hat nicht immer so ausgesehen wie heute – gegen Ende des Paläozoikums sind die heutigen Kontinente noch fest miteinander verbunden und bilden den Ur-Kontinent Pangaea. Vor ungefähr 180 Millionen Jahren beginnt dieser dann auseinanderzubrechen. Durch das so genannte „sea-floor-spreading“ – der Neubildung von Ozeanboden und dem Auseinanderdriften der Kontinente – entstehen der Nordkontinent Laurasia und der Südkontinent Gondwana. Als diese Kontinente wiederum zerbrechen, trennen sich zuerst die südlichen und später dann auch die nördlichen Teile. Im Laufe der Erdgeschichte wird sich dieses Auseinanderdriften und in neuer Kombination Zusammenschmelzen von ganzen Erdteilen mehrfach wiederholen.

Solche großräumigen Umgestaltungen gehen auch an der Pflanzen- und Tierwelt nicht spurlos vorüber. Bei einer Annäherung verschiedener Regionen oder Kontinente sind es immer zuerst die Meeresbewohner, und später auch Landtiere und Pflanzen, die den Sprung auf das neue Territorium schaffen. Werden umgekehrt ehemals miteinander verbundene Landmassen getrennt, geht auch die jeweilige Tier- und Pflanzenwelt ihre eigenen Wege. Übereinstimmungen von Lebensgemeinschaften in heute weit entfernten Regionen, zeigen daher oft an, dass diese in der früheren Erdgeschichte einmal miteinander verbunden waren.

Auch Landbrücken dienen als Erklärung. Diese Landverbindungen zwischen zwei Kontinenten, die zur Verbreitung von Flora und Fauna beigetragen haben, existierten vor allem vom Tertiär bis ins Pleistozän. Der Grund hierfür war, dass insbesondere während des Eiszeitalters starke Meeresspiegelschwankungen über Zehntausende von Jahren vorkamen. Dadurch entstanden überhaupt erst Landbrücken, die die Wanderung von Tieren und Menschen sowie die Ausbreitung von Pflanzen ermöglichten.

Die unterschiedlich alten Trennungen oder Verbindungen spiegeln sich besonders gut wider, wenn man die Erde unter bio- beziehungsweise zoogeographischen Aspekten betrachtet. Die Floren- und Faunenregionen sind fast identisch und verdeutlichen noch heute die früheren Zusammenhänge der heutigen Kontinente.

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So haben Pflanzen- und Tierwelt zu beiden Seiten des Atlantiks auf der Nordhalbkugel trotz des trennenden Meeres noch immer viele Gemeinsamkeiten, sie werden daher auch zu einer biogeographischen Region, der so genannten Holarktis, zusammengefasst. Deutlich größer sind die Unterschiede in der Pflanzen- und Tierwelt auf der Südhalbkugel. Hier wird beispielsweise zwischen den Tropen der Alten Welt (Paläotropis) und denen der Neuen Welt (Neotropis) unterschieden.

Ursache für diese Aufsplittung: Die Kontinente der Südhalbkugel haben sich in der Erdgeschichte schon viel früher voneinander gelöst als im Norden, die Evolution begann daher ebenfalls schon früher, eigene, getrennte Wege zu gehen…

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Stand: 12.04.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Landbrücken
Evolution auf Wanderschaft

Wanderung über die Kontinente
Weit entfernte Verwandtschaft

Zu Fuß von Asien nach Amerika
Die Beringstraße

Als sich die Landbrücke von Panamá schloss...
Auswirkungen auf die Ozeanzirkulation

Entwicklung in der Isolation...
...mit Parallelen zu anderen Erdteilen

Alles ist hier anders
Australiens Fauna und Flora

Eldorado und Katastrophengebiet
Von Orchideen und dem "Baum der Reisenden"

Eine Welt für sich...
Lemuren, Indri und Fossa

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