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Von der Muskelmaus zum Superathlet

Forscher entdecken neue Ansatzstelle für Gendoping-Versuche

Mit den Fortschritten der Genetik und Genforschung mehrt sich auch die Zahl der möglichen Ansatzpunkte für eine genetische Manipulation. Nicht immer ist es dabei ein Gen, das die herausragenden Fähigkeiten verleiht. Manchmal reicht es auch schon aus, ein normal funktionierendes Gen zu drosseln oder auszuschalten – und damit quasi eine Bremse im Körper zu lösen.

Ein ausgeschaltetes Gen verleiht Mäusen sechs Mal mehr Ausdauer © Rama/ CC-by-sa 2.0 fr

Erst im letzten Jahr entdeckten US-amerikanische Wissenschaftler ein Gen, das beim Ausschalten Mäusen eine fast schon übernatürliche Ausdauer verlieh. „Wir haben festgestellt, dass Mäuse ohne dieses Gen sechs Mal länger laufen können als Kontrollmäuse“, erklärt Tejvir S. Khurana von der University of Pennsylvania. Zudem habe dies die normalerweise ermüdenden schnellen Muskelfasern in den Beinen der Tiere so reprogrammiert, dass diese ermüdungsresistent wurden.

Schalteten die Wissenschaftler das als Interleukin-15R-Alpha (IL-15R-alpha) bezeichnete Gen aus, veränderte sich auch der Energiehaushalt im Muskel: Die Zahl der Mitochondrien nahm zu und die Muskeln konnten Kalzium, ein für die Muskelbewegung entscheidendes Molekül, besser und effektiver verarbeiten. Auch anatomische Unterschiede zeigten sich: Die genetisch „gedopten“ Mäuse besaßen mehr schnelle Muskelfasern und mehr Zellkerne in diesen Muskeln – auch das ein Hinweis auf größere Leistungsfähigkeit. Genau diese Genveränderung könnte auch einigen menschlichen Spitzensportlern ihre Ausdauer verleihen. Die Forscher fanden in Stichproben einige Hinweise darauf, dass dieses Gen auch bei ihnen von Natur aus gedrosselt ist.

Noch wichtiger aber: Die Studie an den Mäusen zeigt, dass dieses Gen auch nachträglich blockiert werden kann und so die Muskelleistung beeinflusst werden kann. IL-15R-alpha ist damit nach Ansicht der Forscher durchaus ein potenzielles Zielgen für Gendoping-Versuche. „Die Manipulation dieses Gens hat das Potenzial, die Muskelleistung bei Sportlern zu steigern“, erklärt Emidio Pistilli von der University of Pennsylvania. Athleten könnten ein Mittel einnehmen, das gezielt dieses Gen blockiert oder drosselt und sich so dopen. Bisher ist ein solches Mittel noch nicht getestet, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Und noch gibt es auch keine Methode, um seinen Missbrauch bei Athleten nachzuweisen. Aber die US-Forscher sehen das Problem und arbeiten bereits an einer Nachweismethode für diese spezielle Manipulation.

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Nadja Podbregar
Stand: 26.07.2012

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Gene, Doping und Medaillen
Kommt die genetische Manipulation im Sport?

Genetische Elite am Start
Welche Rolle spielen gute Gene für den sportlichen Erfolg?

Von der Muskelmaus zum Superathlet
Forscher entdecken neue Ansatzstelle für Gendoping-Versuche

Wie machbar ist Gendoping?
Labore und klinische Studien als unfreiwillige Gendoping-Lieferanten

Nachweisverfahren gesucht
Wie kommt man Gendopern auf die Schliche?

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