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Lichtschnell und alles durchdringend…

Spherics als „Faktor X“?

Entdeckt wurden sie schon in den Anfängen des Radiozeitalters: Immer wenn ein Unwetter nahte oder es in einem Umkreis von 100 Kilometern blitzte, machte sich störendes Knacken und Knistern in den Empfängern bemerkbar. Diese so genannten Spherics sind im Prinzip nichts anderes als eine bestimmte Art von Radiowellen, die durch Turbulenzen in der Luft erzeugt werden.

Sie entstehen, wenn geladene Luftteilchen sich aneinander reiben, wie es beispielsweise bei Gewitter oder Unwettern verstärkt der Fall ist. Die kurzen Pulse niederfrequenter elektromagnetischer Strahlung breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus und dringen ungehindert durch jede Hauswand und auch in den menschlichen Körper.

Aber beeinflussen sie deswegen auch unsere Gesundheit? Ähnlich wie bei der niederfrequenten Strahlung von Handys und ihrer Sendeanlagen scheint auch hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Aber es gibt immerhin erste Indizien: Wissenschaftler der Universität Gießen haben die Spherics in einem Laborversuch eingehender untersucht.

200 Freiwillige, einige davon nach eigener Einschätzung wetterfühlig, andere unempfindlich, wurden dabei in einer Klimakammer zehn Minuten lang künstlich erzeugten Spherics ausgesetzt. Währenddessen wurden die Gehirnströme der Probanden aufgezeichnet. Obwohl hinterher keine der Versuchspersonen über irgendwelche spürbaren Beeinträchtigungen oder Auswirkungen berichtete, zeigte sich im EEG Erstaunliches: Bei den nach eigener Einschätzung „Wetterfühligen“ veränderten sich während der Strahlenpulse die Hirnströme deutlich. Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Spherics möglicherweise direkt in die elektrische Reizübertragung im zentralen Nervensystem eingreifen können – auch das allerdings bislang ohne experimentelle Beweise.

Einige Biometeorologen favorisieren inzwischen ohnehin eher eine „Mehrfaktoren-Lösung“, bei der die Druckschwankungen der Schwerewellen Einfluss auf Kreislauf und Herzfrequenz haben und die Spherics für Auswirkungen auf das Nervensystem verantwortlich sein könnten. Doch für all das gilt nach wie vor: „Das sind erste Ansätze, aber noch keine endgültigen Beweise.“ Peter Höppe, Präsident der internationalen Gesellschaft für Biometeorologie, räumte dies in einem Interview gegenüber dem Schweizer Fernsehen ein. „Ich glaube, wir müssen da in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr Forschung investieren, um letztendlich die Aussage machen zu können, dass dies die Faktoren sind, die Wetterfühligkeit auslösen.“

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Stand: 16.04.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wetterfühligkeit
Was ist dran am Biowetter?

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Wetterleidende Deutsche?
Auftreten von Wetterfühligkeit in Deutschland

Wie wirkt das Wetter?
Die Wetterreaktion unseres Körpers

Die Suche nach Faktor X
Sind Schwerewellen schuld an der Wetterfühligkeit?

Lichtschnell und alles durchdringend...
Spherics als „Faktor X“?

Einer schwitzt und friert für alle
Die gefühlte Temperatur und der „Klima-Michel“

Wenn der Wind weht...
Der Windchill-Faktor

„...und nun zum Biowetter“
Wie entsteht die Medizin-Wettervorhersage?

„Die Jahreszeiten in ihrer Wirkung...“
Die Anfänge der Biometeorologie

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