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Lawinenarten

Von Schneebrettern, Staublawinen und Kriechschnee...

Eine Lawine kann mit 140 Stundenkilometern ins Tal donnern oder mit einem bis dreißig Millimetern pro Tag bergab kriechen – beide Extreme entwickeln Kräfte, die Bäume entwurzeln, Felsblöcke aus dem Boden wuchten und Hütten zermalmen können. Welche Lawinenart sich entwickelt, ist vor allem von der Schnee- und Geländebeschaffenheit und dem Wetter abhängig. Bei der Klassifizierung spielen außerdem die Form der Abbruchkante und der Bahn und die Art, wie sich die Lawine bewegt, eine Rolle.

Alles fließt

Die häufigsten vorkommenden und am besten untersuchten Lawinen gehören zu den sogenannten „Fließlawinen“. Bei ihnen „fließt“ nasser oder trockener Schnee den Hang hinunter und behält dabei den Kontakt zum Boden („Grundlawine“) oder der Gleitschicht („Oberlawine“).

Besonders gefährlich ist eine Variante der Fließlawinen, die sogenannte „Schneebrettlawine“:

Staublawine © Lawinenwarndienst Bayern

Innerhalb weniger Sekunden rutscht durch Zunahme der Belastung oder durch Abnahme der Festigkeit eine ganze Schneeschicht gleichzeitig ab. Während andere Lawinenarten oft unterhalb oder in einer Störungsstelle, zum Beispiel der Spur eines Skifahrers, entstehen, bricht eine Schneebrettlawine meist oberhalb der Spur ab. Die Abbruchkante ist dabei typischerweise breit, scharfkantig und senkrecht zum Gleitwinkel des Schneebretts. Skifahrer werden augenblicklich erfaßt und meist vollständig verschüttet.

Eine solche Schneeebrettlawine donnert mit einer Geschwindigkeit von acht bis zehn Metern in der Sekunde zu Tal, sie kann dabei einen Druck von 30 bis 40 Tonnen pro Quadratmeter entwickeln, in Extremfällen wurden auch schon Werte von 100 Tonnen pro Quadratmeter gemessen. Zum Zerbrechen einer Ziegelsteinmauer genügt bereits ein Druck von einer halben Tonne pro Quadratmeter.

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Eine Wolke aus Schnee und Luft…

Weitaus seltener und für die Lawinenforscher deshalb nur schwer einzuschätzen sind Staublawinen. Eine solche Lawine beginnt erst einmal als Fließlawine mit trockenem, wenig verfestigtem Schnee oder als Eislawine von einem Gletscher. Im Gegensatz zu Schneebrettlawinen ist die Anrißstelle der Staublawine punktförmig, erst im Laufe ihres Weges bergab vergrößert sie sich.

Durch Luftturbulenzen an der Lawinenspitze wird der Schnee aufgewirbelt und fein zerstäubt. Immer mehr Schnee und Luft werden aus der Umgebung in diese Schneewolke hineingezogen, die Lawine wächst schnell zu Höhen bis zu 100 Metern an. Ihre Dichte liegt nur bei fünf bis zehn Kilogramm pro Kubikmeter, der Druck nur bei vergleichsweise geringen drei bis vier Tonnen pro Quadratmeter. Aber in Verbindung mit der extrem hohen Geschwindigkeit von 50 bis 100 Metern pro Sekunde reicht das vollkommen aus, um Siedlungen kurz und klein zu schlagen und ganze Wälder umzumähen. Menschen und Tiere können in dem mit Staudrücken von bis zu drei Atmosphären umherwirbelnden Schneestaub regelrecht ertrinken, die Lungen irreparabel geschädigt werden.

Lawine in Zeitlupe…

In einer Schneedecke auf geneigtem Hang findet nicht nur eine langsame Umwandlung der Schneekristalle statt, die Schneeschichten bewegen sich auch langsam hangabwärts: der Schnee kriecht. Diese Bewegung ist mit nur einen bis dreißig Millimeter am Tag extrem langsam. Dennoch steht die Zerstörungskraft dieser „Zeitlupenlawine“ den „normalen“ Lawinen kaum nach. Kriechschnee kann Bäume entwurzeln und ganze Felsblöcke aus dem Boden wuchten, sogar massive Gebäude wurden schon von der Kraft des Schnees von ihren Fundamenten gedrückt und zerstört.

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Stand: 20.10.2001

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