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Die ungewöhnliche Lebensweise eines Ausnahmetiers

Im Nacktmull-Staat

Wer jemals einen Nacktmull gesehen hat, wird diesen Anblick wohl nicht so schnell vergessen: Der rosig-faltige Körper des bis zu fünfzehn Zentimeter großen Tieres scheint völlig nackt zu sein. Von den Augen sind nur schmale Schlitze zu sehen, die Zähne hingegen wirken für so ein kleines Wesen überdimensioniert und stehen schräg nach vorne vor.

Nacktmull und Meerschweinchen: Die Verwandtschaft ist ihnen nicht unbedingt anzusehen. © Roman Klementschitz/ Gerbil's daughter/ CC-by-sa 3.0

Es ist kaum zu glauben, dass dieses Tier mit so putzigen Nagern wie Hamster und Meerschweinchen verwandt ist. Als der Nacktmull Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals von der Wissenschaftswelt beschrieben wurde, glaubten viele Forscher zunächst, es müsse sich um das Jungtier eines größeren, felltragenden Nagers handeln. Doch sie lagen falsch.

Leben wie die Ameisen

Tatsächlich bleibt Heterocephalus glaber, wie sein wissenschaftlicher Name lautet, zeit seines Lebens fast nackt. Sein Körper ist lediglich mit sehr feinen, kaum wahrnehmbaren Härchen bedeckt. Zuhause ist er in weiten Teilen Somalias, in Zentral-Äthiopien sowie im Norden und Osten Kenias. Dort lebt der Nacktmull in unterirdischen Bauten, die er mit seinen ständig nachwachsenden Zähnen in den Wüstenboden gräbt. Alleine ist er dabei nie: In einem Nacktmull-Bau tummeln sich dicht gedrängt bis zu 300 Tiere.

Sie bilden zusammen eine Kolonie, die organisiert ist wie ein Insektenstaat. An der Spitze dieses „Superorganismus“ steht eine Königin, die sich mit einem oder zwei Männchen aus der Kolonie fortpflanzt. Die anderen widmen ihr Leben der Arbeit. Sie kümmern sich um den Nachwuchs, die Bauten und die Verteidigung der Gruppe. Diese Form des Zusammenlebens ist bei Ameisen, Bienen und Co zwar weit verbreitet. Unter den Säugetieren jedoch ist der Nacktmull mit seiner eusozialen Lebensweise ein echter Exot.

Von warm zu kalt

Und noch etwas unterscheidet den Nacktmull von anderen Säugetieren: Seine Körpertemperatur ist nicht weitestgehend konstant, sondern passt sich wie bei Reptilien oder Amphibien an die Umgebung an. So kann sich der Nager in höher gelegenen Gängen auf bis zu 30 Grad Celsius aufwärmen. Tiefer unten in der Erde fällt seine Körpertemperatur dagegen mitunter auf zwölf Grad herab.

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In Sachen Ernährung ist der Nacktmull sehr genügsam. Er frisst hauptsächlich faserige Pflanzenknollen, die wenig Nährstoffe bieten. Um diese optimal nutzen zu können, nimmt der Nager einmal verdaute Nahrung gleich ein zweites Mal auf. Zwischendurch trinken muss er nie. Sämtliche Flüssigkeit, die der Nacktmull braucht, gewinnt er aus dem, was er frisst.

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Daniela Albat
Stand: 16.02.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der Nacktmull
Hässlicher Superstar der Medizinforschung

Im Nacktmull-Staat
Die ungewöhnliche Lebensweise eines Ausnahmetiers

Kein Sauerstoff? Kein Problem!
Der Nacktmull überlebt extremen Sauerstoffmangel

Schmerzfrei durchs Leben
Ein Nacktmull kennt (fast) keinen Schmerz

Immun gegen Krebs
Im Nacktmull-Körper entstehen nie Tumore

Nackter Methusalem
Der Nacktmull kann steinalt werden

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Selbst Säure löst keine Schmerzreaktion aus

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Schmerzfühler in der Haut werden nicht aktiviert

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