Dichtes Netz für feine Partikel - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Messnetz enthüllt den Nutzen der Umweltzonen

Dichtes Netz für feine Partikel

Anders als für die gesetzlich vorgeschrieben PM10- und PM2,5- Messungen fehlt für den Ultrafeinstaub bisher ein dichtes Messnetz, um die Langzeitbelastung zu erfassen. Gemeinsam mit dem Umweltbundesamt arbeitet das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) daran, diese Lücke zu schließen.

Luftgüte Messstation in Emden. Es werden Ozonwerte, NO/NO2- und Staubkonzentrationen sowie meteorologische Daten aufgezeichnet. © Dschwen / CC_by-sa 3.0

„Weltweit einmalig“ sei das inzwischen aufgebaute Netz mit bundesweit 17 Messstationen, die von Straßenschluchten bis ins alpine Hochgebirge installiert wurden, sagt Alfred Wiedensohler, der die Abteilung „Experimentelle Aerosole und Wolkenmikrophysik“ des Leipziger Instituts leitet.

Wie wichtig mehr Wissen über die UFP- Belastung ist, verdeutlicht der Physiker so: „Die ultrafeinen Partikel machen in städtischen Gebieten nur wenige Prozent der Gesamtmasse des Feinstaubs aus, aber rund 90 Prozent der Anzahl der Partikel.“ Einzig die Feinstaub-Masse zu kennen, reicht demnach nicht aus, um die Luftqualität zu bewerten, Maßnahmen zu ihrer Verbesserung einzuleiten und einzuschätzen, wie effektiv diese sind.

Was bringen Umweltzonen?

Ein Beispiel hierfür sind Umweltzonen. Inzwischen haben die meisten deutschen Städte sie eingerichtet, um ältere Diesel-Fahrzeuge mit hohem Rußpartikelausstoß aus dem Verkehr zu ziehen. ADAC und Wirtschaftsverbände bezweifeln allerdings den Sinn der Maßnahme. Ihr Argument: Noch immer gäbe es zu viele Tage, an denen die Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden.

Umstritten, aber erfolgreich: Umweltzonen vermindern vor allem die Rußbelastung. © Tilo Arnhold/ TROPOS

Laut Wiedensohler liegen die Kritiker jedoch falsch. Er zieht eine positive Bilanz für die Umweltzonen und verweist dabei auf die Innenstadt Leipzigs, deren Luftwerte das TROPOS genau analysierte. Die Konzentration der besonders gefährlichen Ruß-Bestandteile im Feinstaub konnte dort in den vergangenen zwei Jahren um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Ein bemerkenswerter Erfolg, der aus den gesetzlich vorgeschriebenen Messungen, auf die sich etwa der ADAC bezieht, jedoch nicht abgelesen werden kann, da diese nur größeren Feinstaub erfassen.

Anzeige

Auch in anderen Städten seien solche Erfolge möglich, ist sich Wiedensohler sicher, wenn in ihren Umweltzonen nur noch Autos mit grüner Plakette zugelassen werden. „Wir müssen auf diesem Weg voran gehen und alle Quellen für toxischen Feinstaub minimieren.“ Das ist freilich nicht einfach, weil viele unterschiedliche Quellen existieren. Auch der Transport von Feinstaub über große Entfernungen in der Atmosphäre zählt dazu.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. weiter

Joachim Wille / Leibniz-Journal
Stand: 07.02.2014

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Feinstaub
Tief durchatmen? Besser nicht

Dicke Luft – selbstgemacht
Was ist Feinstaub und wodurch wird er erzeugt?

Tödliche Partikel
Welche Krankheiten werden durch Feinstaub gefördert?

Direkt in die Blutbahn
Erhöhte Gefahr durch Ultrafeinstaub

Dichtes Netz für feine Partikel
Messnetz enthüllt den Nutzen der Umweltzonen

Ruß aus der Ferne
Nicht jeder Feinstaub stammt von hier

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Feinstaub: Schädlich auch unterhalb des Grenzwerts
Europaweite Studie belegt: Klar erhöhtes Risiko für Lungenkrebs selbst bei niedrigen Feinstaubwerten

Ozon und Feinstaub töten jährlich 2,5 Millionen Menschen
Luftschadstoffe gehören zu den größten Umweltrisiken für unsere Gesundheit

Stadtverkehr erhöht Asthmarisiko um 14 Prozent
Jeder siebte Asthmafall bei Stadtkindern könnte auf erhöhte Belastung durch Autoabgase zurückgehen

Umweltzonen haben einen positiven Gesundheitseffekt
Reduktion vor allem von Partikelmenge des Feinstaubs bringt Entlastung

Dossiers zum Thema

Nanopartikel - Die unsichtbaren Helfer und ihre Schattenseiten

Mega-Cities - Fehlentwicklung oder Modell für das 21. Jahrhundert?

Anzeige
Anzeige