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Alleskönner im Embryo

…mit kleinen Schönheitsfehlern

Lange Zeit galt das Schicksal einer erwachsenen Körperzelle als besiegelt: Einmal ausdifferenziert, könne sie sich zwar teilen und vermehren, aber nur noch genau den Zelltyp hervorbringen, zu dem sie auch selbst gehört. Aus einer Hautzelle wird immer wieder nur eine Hautzelle, der Vorläufer einer Knochenzelle bringt nur Knochenzellen hervor. Anders ist dies im Embryo: In den ersten Tagen nach der Befruchtung sind dessen Zellen noch Alleskönner. Diese sogenannten embryonalen Stammzellen haben noch das Potenzial, sich zu allen Zelltypen und Geweben des Körpers fortzuentwickeln. Sie könnten daher eingesetzt werden, um beispielsweise Ersatzgewebe und Organe zu züchten. Im Tierversuch soll es bereits gelungen sein, Parkinson mit Hilfe solcher Stammzellen zu behandeln.

Vielseitig einsetzbar, aber ethisch bedenklich

Doch die Verwendung von embryonalen Stammzellen sorgt für extreme ethische Bedenken weltweit. Als problematisch gilt dabei einerseits die Schaffung eines Embryos mit dem expliziten Zweck, ihn wieder zu zerstören, um aus ihm die Stammzellen zu gewinnen – Stichwort verbrauchende Embryonenforschung. „Das Problem mit der Nutzung der embryonalen Stammzellen ist, dass man sie aus Embryonen gewinnt, die prinzipiell lebensfähig sind, aber getötet werden“, erklärt Alta Charo, Professor für Recht und Medizinethik an der Universität von Wisconsin.

In Deutschland ist die Tötung eines menschlichen Embryos, um daraus Stammzellen zu gewinnen, nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Für die Forschung verwendet und importiert werden dürfen aber Zellen aus etablierten Stammzelllinien, die bereits seit einigen Jahren im Labor kultiviert wurden.

Embryonale Stammzellen (mit Fluoreszenzmarker versehen) © NSF

Nicht maßgeschneidert

Neben diesen ethischen Bedenken hat die Arbeit mit embryonalen Stammzellen aber noch einen Nachteil: Wenn ein Patient ein Ersatzorgan oder -gewebe erhalten soll, muss dieses aus seinem eigenen Zellmaterial erzeugt werden – sonst wird es vom Immunsystem als fremd erkannt und abgestoßen. Um dies zu verhindern, wäre es daher sinnvoller, maßgeschneiderte, aus dem Zellmaterial des Patienten selbst erzeugte Stammzellen einzusetzen.

Doch das galt bis vor wenigen Jahrzehnten als absolut unmöglich. Denn hat sich der Embryo einmal entwickelt und seine Zellen sich in die verschiedenen Typen ausdifferenziert, dann gibt es keinen Weg mehr zurück – so jedenfalls glaubte man.

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Nadja Podbregar
Stand: 13.09.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Induzierte Stammzellen
Was können die reprogrammierten Alleskönner wirklich?

Alleskönner im Embryo
…mit kleinen Schönheitsfehlern

Alles auf Anfang
Die Entdeckung der Reprogrammierbarkeit

Ampel im Zellkern
Leuchtmarker zeigen Ablauf der Reprogrammierung

Proteincocktail statt Gene
Reprogrammierung ohne eingeschleuste Reprogrammierungs-Gene

Hoden als Stammzellquelle
Keimbahn liefert einfach reprogrammierbare Stammzellen

Von der Haut direkt zum Blut
Forscher wandeln Zellen ohne Stammzell-Umweg um

Stammzellen auf Abwegen
Kultivierung erzeugt Genveränderungen und Kopierfehler

Unerwünscht kreativ in der Kulturschale
Auch unmanipulierte Zellen verändern sich bei längerem Halten

Knorpelmacher, Huntington-Heiler und Herz-Ersatz
Was geht mit den induzierten Helfern?

Diaschauen zum Thema

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