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Dienstag, 09.02.2010
Weihrauch als Droge entlarvt
Brennendes Harz wirkt auf antidepressive Ionenkanäle im Gehirn
In vielen Religionen gilt Weihrauch als wichtige Hilfe auf dem Weg zum Seelenheil. Jetzt haben Biologen festgestellt, dass das brennende Pflanzenharz tatsächlich direkt auf das Gehirn wirkt. Der Rauch aktiviert Ionenkanäle, die Depression und Angst mindern.

Weihrauchgefäß
Weihrauchgefäß
© GFDL Weihrauchgefäß
In der katholische Kirche, aber auch im Buddhismus hat Weihrauch einen festen Platz im religiösen Ritual. Das brennende Harz der Weihrauchpflanze Bosweilla sondert einen charakteristisch riechenden Rauch ab, der als reinigend gilt. Ein internationales Team von Wissenschaftlern, darunter Forscher der amerikanishen Johns Hopkins Universität und der Hebräischen Universität Jerusalem hat nun untersucht, welche Wirkungen Weihrauchazetat bei Mäusen im Gehirn erzeugt und sind dabei auf einen überraschenden Effekt gestoßen.

„Trotz der anderslautenden Informationen aus historischen Texten wurden bisher Bestandteile von Bosweilla nicht auf ihre Pschoaktivität hin untersucht“, erklärt Raphael Mechoulam von der Universität Jerusalem . „Offenbar nehmen die meisten Gläubigen heute an, dass Weihrauch eine rein symbolische Wirkung hat.“ Doch die tatsächliche Wirkung geht weit darüber hinaus, wie die Wissenschaftler feststellten. Das Weihrauchazetat beeinflusste bei den Mäusen Gehirnregionen, die mit Emotionen in Verbindung stehen, aber auch Schaltkreise, die speziell bei Angst und depressiv machenden Drogen aktiv werden.

Eine Schlüsselrolle scheint dabei ein bei allen Säugetieren im Gehirn vorhandenes Protein zu spielen. Nur wenn dieses TRPV3, so dessen Fachbezeichnung, präsent war, ließ sich die antidepressive Wirkung des Weihrauchbestandteils beobachten. Bei gentechnisch veränderten Mäusen, denen dieses Protein fehlte, entfaltete das Weihrauchazetat keinerlei Wirkung.

„Vielleicht hatte Marx ja gar nicht so unrecht, als er Religion als Opium für das Volk bezeichnete“, so Gerald Weissmann. „Immerhin stammen Morphine aus Mohn, Kannabinoide aus Hanf und LSD aus Pilzen, und sie alle haben in der einen oder anderen religiösen Zeremonie bereits eine Rolle gespielt.“

Die Studie liefert eine biologische Erklärung für Jahrtausende alte spirituelle Praktiken, die Zeit, Entfernungen und Kulturen überdauert haben. Die Entdeckung, wie das Weihrauchazetat auf spezifische Ziele im Gehirn wirkt, könnte jedoch auch dazu beitragen, bestimmte Erkrankungen des Nervensystems besser zu verstehen.
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