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Dienstag, 12.12.2017
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Knochenregulator macht Blutgefäße mürbe

Neue Wirkung des Proteins RANK-Ligand aufgedeckt

Ein für den Knochenbau entscheidendes Protein spielt auch eine wichtige Rolle für die Stabilität von Gefäßablagerungen und ist damit ein Risikofaktor für akute Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Dies hat ein internationales Forscherteam jetzt in einer neuen Studie gezeigt über die sie in der Fachzeitschrift Circulation berichten.
Blutgefäße

Blutgefäße

Das Protein RANK-Ligand (RANKL) war bisher vor allem für seine wesentliche Rolle bei der Regulation von Knochenum- und -abbau bekannt. Das Zytokin sorgt für die Entstehung, die Aktivierung und das Überleben von Osteoklasten. Sein Gegenspieler ist das Osteoprotegerin (OPG), das im gesunden Körper etwa in der ausgewogenen Menge produziert wird. Weniger bekannt ist, dass diese Proteine auch im Gefäßsystem vorkommen und dort bei verschiedenen schädigenden Prozessen von Bedeutung sind. So scheint RANKL bei der Kalzifizierung, der Ausbildung von Ablagerungen an den Gefäßwänden, eine Schlüsselrolle zu spielen. Dies gilt auch für die Ausschüttung von Metalloproteinasen und die Chemotaxis von Makrophagen.

Für die Medizin interessant ist dies vor allem auch deshalb, weil im Bereich der Knochenerkrankungen der Einsatz von Antikörpern gegen RANKL bereits intensiv erforscht und in der Klinik erprobt wird. Große internationale Studien wecken hohe Erwartungen für die Behandlung von Osteoporose und Knochenmetastasen. „Ähnliche Therapieansätze könnten perspektivisch auch bei akuten Gefäßerkrankungen zur Erprobung kommen.“, betont Professor Stefan Kiechl, der zusammen mit Professor Johann Willeit von der Klinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck sowie Professor Georg Schett von der Universität Erlangen an der Studie beteiligt war. „Jedenfalls ist davon auszugehen dass eine Anti-RANKL Therapie – sofern sie in die klinische Routine einziehen wird – kein vaskuläres Risiko in sich birgt.“

Daten aus Südtirol liefern Anhaltspunkt


Die Forscher haben die Konzentration von RANKL im Blut von Teilnehmern der Bruneck-Studie gemessen. Bei dieser Studie handelt es sich um eine seit 15 Jahren durchgeführte Langzeitbeobachtung von 1.000 gesunden Einwohnern der Stadt Bruneck in Südtirol, die auf die Erforschung der Ursachen von Herzinfarkt und Schlaganfall abzielt. Das mit Hilfe neuer Assays gemessene Protein im Blut ist aktiv und mit jenem im Gefäßsystem und den Knochen identisch. „Wir wissen derzeit aber noch nicht genau, wie das Protein in das Blut kommt“, sagt Kiechl.


Die Daten aus der Bruneck-Studie zeigen aber, so der Neurologe, dass RANKL im Blut ein starker Prädiktor für die Entstehung von Gefäßerkrankungen ist und zwar vor allem für Erkrankungen, die auf einer Destabilisierung von Ablagerungen in den Gefäßen basieren, wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder instabile Angina. Dies wird auch durch histologische Daten bestätigt, wo RANKL an den Bruchstellen der Ablagerungen besonders stark hochreguliert ist. Für andere kardiovaskuläre Erkrankungen, die nicht mit der Ablösung von Ablagerungen in Zusammenhang stehen, zeigen die Bruneck-Daten keinen Zusammenhang.

Vielversprechender Weg


Während die meisten der etablierten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen mit der Arteriosklerose in Verbindung stehen, gilt dies für RANKL nicht. Bei gleichem Entwicklungsstadium der Arteriosklerose zeigen Brunecker mit hoher RANKL-Konzentration im Blut jedoch ein deutlich erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. „Ein besseres Verständnis der Mechanismen die zum Aufbrechen von arteriosklerotischen Läsionen führen ist enorm wichtig, denn damit ließe sich eine wesentliche Lücke in der Behandlung von Gefäßerkrankungen schließen“, betont Kiechl, „der Weg dahin ist freilich noch weit.“ Während die Progression der Arteriosklerose und Gefäßverschlüsse heute bereits gut therapiert werden können, steht die Medizin bei der akuten Stabilisierung von Gefäßablagerungen erst ganz am Anfang. Die Ergebnisse der Innsbrucker Forscher weisen einen vielversprechenden Weg.
(Medizinische Universität Innsbruck, 03.08.2007 - DLO)
 
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