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Mittwoch, 26.07.2017
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Schneeaffe beim Sex mit Hirsch ertappt

Forscher beobachten ungewöhnliches Sexualverhalten

Ungewöhnlicher Akt: Ein japanischer Schneeaffe steht offenbar auf Sikahirsche. Forscher haben beobachtet, wie das Männchen während der Paarungszeit eine Hirschdame besteigt und mit ihrem Rücken Sex hat. Ein solches Sexualverhalten zwischen Tieren unterschiedlicher Arten ist in der freien Natur äußerst selten - und kommt normalerweise nur in Gefangenschaft vor.
Affe besteigt Hirsch - ein doch eher unkonventionelles Sexualverhalten.

Affe besteigt Hirsch - ein doch eher unkonventionelles Sexualverhalten.

Japanmakaken (Macaca fuscata) sind putzige Tiere: Oft sieht man sie auf den japanischen Inseln umgeben von Eis und Schnee in heißen Quellen baden - ein beliebtes Fotomotiv für Touristen. Ihren Lebensraum teilen sich die Primaten mit Sikahirschen (Cervus nippon yakushimae). Die beiden Arten leben friedlich Seite an Seite. Dabei profitieren die Paarhufer oft davon, dass die Affen Obst oder anderes Futter von den Bäumen auf den Boden fallen lassen. Mitunter ernähren sie sich auch von deren Hinterlassenschaften.

Die Makaken schätzen die Hirsche hingegen eher als Spielgefährten. Schon oft haben Forscher beobachtet, wie die Affen das Fell der Tiere pflegen oder auf ihrem Rücken reiten. Doch ein Affenmann ist nun noch weiter gegangen: Er hat offenbar sexuelles Interesse für Sikadamen entwickelt und will mehr als nur spielen - das hat er ziemlich deutlich gemacht.

Ungleiches Paar: Die Forscher überraschten den Affen erstmals im November 2015 beim Techtelmechtel mit Sikahirschen.


Lustvolle Begegnung


Wissenschaftler um Marie Pelé von der Universität Strasbourg beobachteten das seltsame Verhalten des Japanmakaken von der Insel Yakushima erstmals im November 2015: Während der Paarungszeit sahen sie, wie das Männchen nicht etwa weiblichen Artgenossen nachstellte, sondern versuchte, mit einem Sikahirschweibchen zu kopulieren.


Dabei bestieg der Affe die scheinbar nicht abgeneigte Dame wiederholt von hinten und führte eindeutige sexuelle Bewegungen aus. "Wir sahen rund fünfzehn solcher Bewegungen innerhalb von zehn Sekunden. Danach stieg der Makake wieder ab", berichtet Pelés Kollege Alexandre Bonnefoy. Zwar fand zwischen dem ungleichen Paar kein eigentlicher Geschlechtsakt statt - trotzdem schien der Herr befriedigt worden zu sein, wie sein Samenerguss bewies. "Die Hirschdame leckte das Ejakulat nach dem Techtelmechtel auf. Vielleicht, weil es eine gute Proteinquelle ist" sagt Bonnefoy.

Höhepunkt des Spielverhaltens?


Auch bei anderen Hirschweibchen probierte der Affe sein Glück - allerdings ohne Erfolg. Doch wie lässt sich dieses Sexualverhalten über Artgrenzen hinweg erklären? Zum einen nimmt der auf Hirsche gepolte Makake in seiner Gruppe eine untergeordnete Stellung ein. Womöglich kommt er deshalb bei seinen Artgenossen seltener zum Zug und versucht es deshalb bei Damen anderer Tierarten.

Hinzu kommt: Die Männchen erleben während der Paarungszeit einen wahren Hormonschub. Die ohnehin enge Kooperation zwischen Makaken und Hirschen könnte dadurch in dem beobachteten Kopulationsverhalten gipfeln, glauben die Forscher. "Es könnte sich um eine sexuelle Manifestation des Spielverhaltens zwischen den beiden Arten handeln", sagt Pelé.

Die Liasion ist erst der zweite Beleg für zwischenartliches Paarungsverhalten in der freien Natur.

Die Liasion ist erst der zweite Beleg für zwischenartliches Paarungsverhalten in der freien Natur.

Seltene Beobachtung


Normalerweise kommt Sex zwischen unterschiedlichen Arten höchstens bei gemeinsamer Haltung in Gefangenschaft vor. In der Natur ist solches Verhalten hingegen äußerst selten. Zum ersten Mal wurden interspezifische sexuelle Handlungen in freier Wildbahn im Jahr 2006 dokumentiert. Damals machte ein antarktischer Seebär Schlagzeilen, der sich in aggressiver Manier an einer Königspinguin-Dame vergriff. Das Techtelmechtel zwischen dem Japanmakaken und dem Sikahirsch ist nun erst der zweite Beleg überhaupt für zwischenartliches Paarungsverhalten in der freien Natur. (Primates, 2017; doi: 10.1007/s10329-016-0593-4)
(Springer Nature, 11.01.2017 - DAL)
 
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