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Donnerstag, 08.12.2016
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Europäische Identität im Aufwärtstrend

Mehrheit der Bürger in der EU sieht sich trotz Krisen als Europäer

Trotz Krisenstimmung: Eine Mehrheit der europäischen Bevölkerung ist der Europäischen Union gegenüber positiv eingestellt. Eine Umfrage in den EU-15-Ländern zeigt: 61 Prozent der Bürger betrachtet sich selbst als Europäer – mehr als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Doch nicht in allen Ländern ist die Stimmung so gut: Die Franzosen und Briten sehen die EU heute kritischer als in der Vergangenheit.
Wie sehr identifizieren sich die Bürger mit der Europäischen Union?

Wie sehr identifizieren sich die Bürger mit der Europäischen Union?

Die Europäische Union steckt in der Krise. Vor allem, doch längst nicht nur, in Sachen Flüchtlingspolitik scheint sich die Staatengemeinschaft derzeit kaum auf eine gemeinsame Linie einigen zu können. Immer wieder stehen nationale Interessen dem Gelingen europäischer Ziele im Weg. Viele Experten halten das Projekt EU deshalb inzwischen für gescheitert – und die aktuelle Debatte um einen möglichen Ausstieg Großbritanniens befeuert die wachsende Skepsis noch.

Doch ist eine Rückkehr zum alten System mit geschlossenen Grenzen und nationalen Währungen langfristig wirklich realistisch – und würde sich eine Mehrheit der europäischen Bevölkerung eine solche Entwicklung wünschen? Dieser Frage sind nun österreichische Wissenschaftler um Erich Striessnig vom International Institute of Applied Systems Analysis in Laxenburg nachgegangen.

Identifikation mit EU auf dem Prüfstand


Nur in wenigen Ländern (rot) ist die Zustimmung in den vergangenen Jahren gesunken - etwa im Vereinigten Königreich.

Nur in wenigen Ländern (rot) ist die Zustimmung in den vergangenen Jahren gesunken - etwa im Vereinigten Königreich.

Um zu überprüfen, wie es bei den Bürgern der EU um die Identifizierung mit der Staatengemeinschaft bestellt ist, werteten die Forscher Daten des Eurobarometers aus dem Jahr 2013 aus. Diese in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Meinungsumfrage befragt Bürger zu ihrer Einstellung zur EU und stellt dafür seit 1996 immer die gleichen Standardfragen.


Bereits im Jahr 2006 hatten die Forscher mithilfe dieser Daten festgestellt, dass sich vor allem jüngere Menschen stark mit ihrem Heimatland identifizieren, sich gleichzeitig aber auch als Europäer betrachten. Sie schlussfolgerten damals: Ersetzen diese europäisch gesinnten Generationen im Laufe der Zeit immer mehr ältere Menschen in der Bevölkerung, müsste sich damit auch die Stimmung zugunsten der EU entwickeln.

Europäische Gesinnung hat zugenommen


Tatsächlich offenbarte der Blick in die aktuellen Umfragedaten eine erstaunlich hohe Identifizierung mit der EU: Immerhin 61 Prozent der Bürger aus den sogenannte EU-15 Ländern gaben an, sich als Europäer zu fühlen – zusätzlich zu oder statt ihrer nationalen Identität. Die Mitgliedsstaaten, die nach der Osterweiterung im Jahr 2004 hinzugekommen waren, wurden für eine bessere Vergleichbarkeit mit älteren Daten nicht in die Auswertung eingeschlossen.

Der Vergleich zeigte, dass die europäische Gesinnung insgesamt wie erwartet in den vergangenen Jahren zugenommen hat – und vor allem bei der Gruppe der über 35-Jährigen gewachsen ist: Von 1996 bis 2004 gaben im Schnitt nur 58 Prozent der Befragten an, sich als Europäer zu betrachten. Insbesondere in Deutschland, Österreich, Schweden, Finnland und überaschenderweise auch in Griechenland sei die Zustimmung seitdem gestiegen, berichtet das Team. In Frankreich und dem Vereinigten Königreich identifizierten sich im Jahr 2013 hingegen deutlich weniger Bürger mit der EU als zuvor.

Es gibt noch Hoffnung


"Es ist überraschend, dass sich trotz der offensichtlichen Probleme der EU heute insgesamt ein höherer Anteil der EU-15-Bevölkerung mit der Staatengemeinschaft identifiziert als vor zehn oder zwanzig Jahren", sagt Striessnig. Die Identifizierung mit einer politischen Union wie der EU sei für die Stabilität und Legitimität eines solchen Systems ausschlaggebend, betonen die Forscher.

Ihr Fazit fällt deshalb positiv aus: "Es gibt noch Hoffnung für die Europäische Union", schreiben sie. Doch: "Wenn so viele Kommentatoren sagen, dass die EU zum Scheitern verurteilt ist, beginnen die Menschen – insbesondere die jungen – das irgendwann zu glauben. Dann wird die Prophezeiung selbsterfüllend", warnt Striessnig. "Wir sollten den Spieß deshalb umdrehen und anders argumentieren." (Population and Development Review, 2016; doi: 10.1111/j.1728-4457.2016.00133.x)
(Wiley, 06.06.2016 - DAL)
 
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