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Donnerstag, 24.05.2018
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Wohnort im Alltagscheck

Was beeinflusst die Ökobilanz des Wohnens?

Energieeffizienz spielt in Bezug auf Wohnen eine immer größere Rolle. Dass die Ökobilanz dabei aber weit über eine energiesparende Bauweise hinausgeht, zeigen aktuelle Forschungsprojekte am Institut für Infrastruktur der Uni Innsbruck.

Bike Sharing ist eine Möglcihkeit, die urbane Mobilität effizienter und umweltfreundlicher zu machen.

Mobilität ist mitentscheidend


Wohnen und Mobilität hängen eng zusammen. Aus diesem Grund beinhalten zukunftsorientierte Wohnbauprojekte auch immer öfter eigene Verkehrskonzepte. Der Verkehrsexperte Markus Mailer ist in zwei Tiroler Vorzeigeprojekte in Sachen Wohnen eingebunden: "Wir arbeiten derzeit an Mobilitätskonzepten sowohl für das Campagne-Areal in Innsbruck sowie auch für das Neubau-Projekt der bestehenden Südtiroler-Siedlung in Wörgl", erklärt der Wissenschaftler.

Beide Smart-City-Projekte haben neben einer hohen Energieeffizienz im Gebäudebereich auch das Ziel, autoreduzierte Siedlungen zu werden. "Wir arbeiten an einem Konzept, das es den Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglichen soll, ihre Mobilität mit geringerem Energieeinsatz zu bewerkstelligen und so dazu beizutragen, dass die Gesamtenergiebilanz der Siedlung positiv ist." Neben attraktiven Fuß- und Radwegverbindungen und guter Anbindung an den Öffentlichen Verkehr sind Car-Sharing-Angebote und Fahrrad-Verleihsysteme ebenso Maßnahmen, die bereits in der Planungsphase der Bauprojekte beachtet werden, wie die frühzeitige Bewusstseinsbildung bei den künftigen Mieterinnen und Mietern.

Dezentral kann ein Nachteil sein


Denn gerade im Hinblick auf die Energiebilanz ist es laut Markus Mailer besonders wichtig, auch die Mobilität im Blickfeld zu haben. "Tatsächlich kann jemand, der in einem Passivhaus im Grünen lebt, eine schlechtere Energiebilanz haben, als jemand, der in einer schlecht isolierten Altbauwohnung im Stadtzentrum lebt, wenn er für jeden Weg im Alltag das Auto nutzen muss."

Was hilft einem das Niedrigenergiehaus im Grünen, wenn man dann täglich im Stau steht?

Auch die steigenden Wohnkosten in städtischen Gebieten, die vor allem junge Familien immer öfter in das städtische Umland ausweichen lässt, relativiert der Wissenschaftler. "Ein ehrlicher Kostencheck zeigt, dass die eingesparten Wohnkosten oft durch die Mobilitätskosten aufgewogen oder überschritten werden." Als Beispiel nennt Markus Mailer den Kostenfaktor Auto, bei dem der Wertverlust häufig nicht in die Berechnungen mit einbezogen wird:

"Wenn eine Familie aufgrund ihres dezentralen Wohnortes ein zweites Auto benötigt, schlägt dieser Posten inklusive jährlichem Wertverlust für das Fahrzeug mit einer Summe von durchschnittlich deutlich über 400 Euro pro Monat – bei kostenintensiveren Fahrzeugen oft noch wesentlich mehr – zu Buche", so der Experte für Verkehrswesen.

Rechner als Entscheidungshilfe


Um nachhaltige Wohnstandortentscheidungen zu unterstützen, hat die Arbeitsgruppe um Markus Mailer die Entwicklung eines Wohn- und Mobilitätskostenrechners für Tirol und Oberbayern initiiert, der als Entscheidungshilfe nicht nur einen transparenten Kostencheck bietet, sondern auch den Faktor Zeit mit einbezieht. "Natürlich steht hinter allen Daten des Rechners auch eine Ökobilanz, wir wollten mit dem Wohnstandortrechner aber auch aufzeigen, was der jeweilige Wohnstandort für den Einzelnen oder für Familien im Alltags-Check konkret für die Erreichbarkeit von Arbeits-, Schul-, Versorgungs- und Freizeitgelegenheiten bedeutet."

Wenn es um das große Ziel geht, Energie zu sparen und letztendlich energieautonom zu werden, spielen laut Mailer neben der persönlichen Wahl des Wohnortes der Einzelnen vor allem auch raumstrukturelle Entwicklungen eine große Rolle. "Viele Ortschaften sind heute bereits zu sogenannten Schlafdörfern geworden, was natürlich eine Zunahme des motorisierten Verkehrs zur Folge hat", sagt der Forscher. "Hier sind auch politische Entscheidungen in Bezug auf Raumplanung und Siedlungsentwicklung gefragt. Es ist zu definieren, was der Erhalt dezentraler Strukturen wert ist und es sind entsprechende Rahmenbedingungen schaffen."
Universität Innsbruck
Stand: 20.04.2018
 
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